Im siebten Jahr seines Bestehens verschreibt sich CROSSING EUROPE Filmfestival Linz erneut programmatisch dem eigenwilligen, zeitgenössischen und gesellschaftspolitischen AutorInnenkino aus Europa. Von 20. bis 25. April 2010 bietet CROSSING EUROPE seinen internationalen Gästen und dem heimischen Kinopublikum rund 150 herausragende Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme an den etablierten Schauplätzen
OK Offenes Kulturhaus Oberösterreich (Festivalzentrum),
Moviemento, City Kino und in der
Kapu.
Ein erster Ausblick: das
Tribute 2010 an die russische KOKTEBEL FILM COMPANY (RU).
Im Wettbewerb der ersten Festivalausgabe von CROSSING EUROPE (April 2004) lief der preisgekrönte russische Film KOKTEBEL/ROADS TO KOKTEBEL (RU 2003, R: Boris Chlebnikow, Alexej Popogrebskij) – das Spielfilmdebut der
KOKTEBEL FILM COMPANY, die 2003 von den beiden Regisseuren gemeinsam mit ihrem Produzenten Roman Borisevich mit Firmensitz in Moskau gegründet wurde.
So wie sich CROSSING EUROPE stetig weiterentwickelt hat, wuchs auch die KOKTEBEL FILM COMPANY: Weitere Filmemacher (u.a. Nikolai Khomeriki und Vassily Sigarev) schlossen sich dem Kollektiv an, dessen Mitglieder allesamt aus anderen Berufen und erst durch Umwege ins Filmmetier kamen. Im Verlauf der letzten sieben Jahre produzierte das unabhängige Kollektiv insgesamt sieben Langspielfilme, die alle erfolgreich auf internationalen Filmfestivals gelaufen sind bzw. laufen (werden).
Thematisch befassen sich die KOKTEBEL-Filmemacher mit dem Leben im heutigen Russland, wo die ProtagonistInnen – meist kleine Leute – zwischen den Überresten des Sozialismus und den Anforderungen des Kapitalismus ihren teilweise nicht unbeschwerlichen Alltag bestreiten müssen und das Auf- und Ab der eigenen Selbstfindung durchleben, oftmals in den Weiten der russischen Provinz. Leise Sozialkritik sowie der Einfluss des Dokumentarischen sind allen KOKTEBEL-Filmen gemein, genauso wie ein Hang zum surrealen Humor und zu verhalten zuversichtlichen „Happy Endings“ in einigen der Arbeiten zu finden ist.
Im April 2010 präsentiert CROSSING EUROPE zum ersten Mal eine Gesamtschau der KOKTEBEL FILM COMPANY in Österreich und heißt einige Mitglieder des Kollektivs in Linz willkommen.
Neben KOKTEBEL (RU 2003, R: Boris Chlebnikow, Alexej Popogrebskij) laufen folgende Filme im diesjährigen Tribute: FREE FLOATING (RU 2006, R: Boris Chlebnikow), SIMPLE THINGS (RU 2007, R: Alexej Popogrebskij), HELP GONE MAD (RU 2009, Boris Chlebnikow), TALE IN THE DARKNESS (RU 2009, R: Nikolay Khomeriki), WOLFY (RU 2009, R: Vasili Sigarev). Die aktuellste KOKTEBEL-Produktion, THE LAST DAY (R: Alexej Popogrebskij), ist gerade in Fertigstellung.
Kooperationen mit NISI MASA und TFM Wien.
Im Jahr nach Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas setzt CROSSING EUROPE auch weiterhin auf europäische Vernetzung. Von Anbeginn hat sich das Festival den Arbeiten der jungen Regiegeneration aus Europa gewidmet, und genau aus diesem Grund lädt CROSSING EUROPE eine Gruppe junger Filmprofessionals nach Linz ein.
30 VertreterInnen von
NISI MASA – European Network of Young Cinema werden die siebte Festivalausgabe besuchen, ihren Jahreskongress in Linz abhalten, ein europäisches Kurzfilmprojekt präsentieren sowie ein audiovisuelles Festivaltagebuch (von KINO5 aus Wien) produzieren.
Zudem ist CROSSING EUROPE am internationalen Forschungsprojekt SHARED LITERATURES, initiiert vom Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft der Universität Wien, beteiligt und erwartet zahlreiche StudentInnen aus dem In- und Ausland Ende April in Linz.
Harringer - 18. Jan, 20:42
Mit einem müdigkeitsbedingtem Sprachdefizit und rot unterlaufenen Augen, aber überaus gut gestimmt muss ich mich nun an den visuellen Entzug gewöhnen. Aber da bin ich unter rund 18.000 cinephilen BesucherInnen nicht die einzige.
Abschließend noch eine kurze Rückblende zu den zuletzt gesehenen Filmen: Einen Dokumentarfilm über eine bestimmte Musikkategorie zu machen, dazu gehört schon eine Portion Mut. INTROSPECTIVE nimmt die Schublade des Post-Rock auseinander und lässt dabei gleich den kompletten Schrank (bzw. Beschränktheit) der Musikkategorisierung in sich zusammenbrechen. Die Interviewbeiträge der stilistische extrem unterschiedlichen MusikerInnen und Produzenten, sind mit historischen Fakten und Zitaten untermalt. Eine schöne Musikstunde! Trotzdem kratzt man nur an der Oberfläche und auf den Frauenanteil wird auch wieder mal komplett gepfiffen.
Etwas ganz anderes thematisiert ein weiterer Film aus der Panorama-Filmkategorie. 35 RHUMS erzählt die Geschichte einer nahezu übertriebenen Vater-Tochter Beziehung und gewährt fast nebenbei auf einen sehr guten Einblick in das gesellschaftliche und politische Paris von heute. In ENFANTS DE DON QUICHOTTE (ACTE 1) zeigt sich ein weiteres Gesicht dieser Metropole. Diese in den kalten Wintermonaten 2006/07 stattgefundene Aktion konnte man auch hierzulande medial gut mitverfolgen. Der Kampf gegen Windmühlen ist zwar zermürbend, aber nicht aussichtslos! Da ich die Qualität eines guten Filmgespräches (wie auch bei diesem Film) sehr schätze, habe ich mir fest vorgenommen nächstes Jahr all jene anzusehen, die im Anschluss von Neil Young moderiert werden.
In MUEZZIN standen mir die Haare zu Berge. Einerseits durch den sehr eindringlichen sakralen Männergesang, andererseits durch die dargestellte stark patriarchale Gesellschaftsstruktur. Gesang gilt entweder als heiliger Akt oder als Sünde. Trotzdem gibt es auch noch das dazwischen. Dieser Film zeigt gekonnt eine der vielen interessanten Facetten der Türkei und sollte schon aufgrund des akustischen Klangerlebnisses in einem Kinosaal mit guter Soundanlage genossen werden. Die Rohfassung des Filmes wurde erst am Tag der Premiere fertig geschnitten und soll nach endgültiger Fertigstellung in den heimischen Kinos anlaufen.
An dieser Stelle muss auch mal Anerkennung und Lob an die FilmvorführerInnen ausgeprochen werden, die während des gesamten Festivals von Früh bis spät Nachts in den finsteren heißen Kämmerchen ihr bestes gegeben haben und überschrittene Deadlines von FilmemacherInnen ausmerzen mussten. Da sind auch kleine Pannen nicht vermeidbar. Ihnen und allen anderen die immer mit Bedacht drauf schauen, dass alles bestens funktioniert gebührt der TEAM MEMBER AWARD 2009!
Gratulation an die PreisträgerInnen der CROSSING EUROPE AWARDS 2009 – vor allem auch jenen des LOCAL ARTISTS AWARDS! Was diese Kategorie im speziellem betrifft, wäre eine Entlehnmöglichkeit für ansässige Filmschaffende und -interessierte wünschenswert. Barbara Musil als Gewinnerin des letzten Jahres, hat durch ihren CROSSING EUROPE TRAILER u.a. bei der Preisverleihung den Impuls für erheiternde Ansagen gegeben. Die nervlichen Strapazen zu Vorstellungsbeginn blieben dieses Jahr dank der angenehm unaufdringlichen visuellen und akustischen Umsetzung aus. Gestört wurde diese "Ruhe" nur vereinzelt von Mutigen die unter lauten Raschel-Attacken den K(r)ampf mit den Erdnussplasiksäckchen aufgenommen haben.
UNMADE BEDS gehört neben SOMERS TOWN zu meinen persönlichen Favorites des Festivals und sobald ich den hervorragenden Soundtrack dazu bekommen habe, werde ich die Zeit bis zum nächsten Crossing Europe gut überbrücken können!
AnnaWeniger - 27. Apr, 23:33
Wie bereits Dan Rocker und Neil Young möchte auch ich eine kleine persönliche Festivalbilanz ziehen. Nach englisch und holländisch gibts bei mir
e chlini Bilannz, was in etwa schwyzerdütsch sein sollte.
Aus privaten Gründen (Uni, Freundin) sind sich bei mir diesmal "nur" 11 Filme ausgegangen. Darunter drei sehr abwechslungsreiche Kurzfilmprogramme (1, 2 und 4 - 3 war immer ausverkauft und reizte mich auch nicht so sehr), auf die ich separat eingehen werde. Von den 8 übrigen Spiel- und Dokumentarfilmen würde ich folgende Reihung (nach subjektiven Ansprüchen und Qualitätskriterien) erstellen:
1.)
Unmade Beds (R: Alexis Dos Santos)
sehr unterhaltsam, emotional, positiv, mitreißend, mitfühlend; gut gestrickte Handlung, sehr gute und sympathische Schauspieler, professionelle, anstandslose Umsetzung (Kamera, Schnitt), insbesondere hervorzuheben ist natürlich die Musik, die den Film teilweise unabhängig vom Schnitt geschnitten hat - was jedoch sehr gut gelungen ist und nicht störend, sondern eher spannend ist
2.)
Superhelden (R: Janek Romero)
dramaturgisch aufgepeppte Doku die fast wie Spielfilm wirkt; aufgezogen an den "Superhelden" als Grundthema und einer Hauptperson als Spezialthema; Hauptereignisse sind die "Aktionen" der Superhelden sowie der G8-Gipfel - jeweils reale Aufnahmen; Widerstand, auch gewaltsamer (etwa am G8-Gipfel in Heiligendamm), wird (etwa durch mitreißende Rockmusik) als positiv dargestellt, was sicher kontroversiell betrachtet werden kann, aber auch Diskussions- und Reflexionsfördernd ist;
3.)
Un autre Homme (R: Lionel Baier)
eine starke Frau (symbolisch: der Vogel) und ein schwacher Mann (symbolisch: ein unterwürfiger, aber listiger und zielstrebiger Fuchs) sind die Hauptpersonen dieses Films; satirisch, ironisch, symbolisch, zugespitzt, dramatisch; Die Kenntnis der Märchengeschichte "Renard" (Fuchs) ist jedoch Voraussetzung um die sehr präsente Symbolik des Films zu verstehen (und Baier ist leider nicht bei jeder Vorführung anwesend, um den Film zu erklären); aber auch so sehr unterhaltsam, nachdenklich (wie würde man selbst entscheiden? Eine "perfekt" handelnde Identifikationsfigur gibt es nicht) und sehenswert;
4.)
Upper Austrians Without Borders (R: Micha Shagrir)
interessante Lebensgeschichten; starke Bilder, sich selbst entlarvende Persönlichkeiten (Flucht ins Glück in Namibia: "uns gehts gut - dem Rest der Welt leider nicht, aber das betrifft uns hier zum Glück nicht"; Aufopferung für Andere in Haiti: "es ist gefährlich, Frauen werden häufig entführt, mein Leben findet im Auto und zuhause statt - Zeit für Familie bleibt da nicht"; Verdrängung der eigenen Vergangenheit in Israel: "Ich rede kein deutsch. Bei der Arbeit waren mal Mechaniker aus Deutschland da, ich konnte mich nur auf englisch mit ihnen unterhalten. Doch leider haben sie meinen deutschsprachigen Akzent erkannt"); eher offenes Konzept, was eben Vorteile (gut aufgebaute Geschichten, gute Bilder) und Nachteile (viele, teils zentrale, Fragen ergeben sich, die jedoch ungestellt und unbeantwortet bleiben) bringt.
5.)
Wrong Rosary (R: Fazil Coskun)
Hier steht mein Wort gegen den Entscheid der Jury; ähnlich wie bei Les Grandes Personnes eine etwas zu schlicht und ereignislos geratene Handlung. Eine dermaßen simple und schlichte Inszenierung ist zwar gewiss eine große Leistung von Drehbuch und Regie. Aber diesbezüglich kann ich dem Film nur das Kompliment machen, dass er trotz der schlichten Umsetzung der Handlung noch eine gewisse Grundspannung aufrecht erhalten kann. Gute Schauspieler, schöne Kulissen (Istanbul) und von der Dramaturgie wirklich ein Optimum der Minimalität. Die Dialoge sind rar und wortarm. Hintergründe, Gedanken, Beweggründe der Personen bleiben dadurch unklar; bis auf die Anfangsszene gibt es nur das Hier und Jetzt der drei Personen. Der Regisseur lässt sehr viel offen - nach meinem Geschmack zu viel. Den Regieentscheid kann ich aber dennoch nachvollziehen - eine Frage des bevorzugten Regiestils, der gewürdigt wird.
6.)
Alle Anderen (R: Maren Ade)
Vermutlich deshalb nur auf Rang 6 bei mir, da ich es nicht aushalte, wenn sich die vermeintlichen Identifikationsfiguren so unmöglich benehmen. Diese Wertung auf Rang 6 ist also keine Herabschätzung der Leistung der Filmschaffenden, sondern lediglich eine Unverträglichkeit meinerseits auf die Negativität des Handlungsverlaufs. Für mich ist es gewissermaßen eine Art Anti-Kino, wie es mit Hanekes
Funny Games so etwas wie Perfektion gefunden hat. Statt bestialischer, minutenlanger Mord- und Folterszenen ist es hier jedoch lediglich ein regelmäßiges asoziales Verhalten, das vor allem von der Hauptfigur an den Tag getragen wird, und ein harmonisches Liebesleben unnötig sabotiert. So hab ich den Film zumindest wahrgenommen, grob auf den Punkt gebracht (wobei ich sicher bin, das man hier noch viele andere Dinge sehen kann - was den Film wiederum zu einer interessanten Soziographie macht - aber wenn man einen schönen Abend verbringen will, kann ich den Film nicht weiterempfehlen)
7.)
Les Grandes Personnes (Regie: Anna Novion)
etwas zu wenig Inhalt nach meinem Geschmack; zu unscharfe, oberflächlich gezeichnete Charaktere; wenig Spannung; die Ereignisse, die im Film ja durchaus vorhanden sind, werden so unspektakulär und oberflächlich abgehandelt, dass man sie kaum zur Kenntnis nimmt - eher das Gegenteil zu Unmade Beds, wo schon das Aufwachen ein großes Spektakel ist (Schauspiel, Drehbuch, Schnitt, Kamera - dort Totalleistung, hier Totalversagen); Ich bin sicher, das alles ist Ergebnis einer bewusst schlichten Inszenierung - nach meinem Geschmack ist sie allerdings zu schlicht geraten.
8.)
Dead Snow (Regie: Tommy Wirkola)
Zombie-Nazis als einzige Attraktion ist eindeutig zu wenig für einen sehenswerten Film. Für Horror-Trash-Liebhaber aber sicher gut, sowas in der Sammlung zu haben. Handlung, Drehbuch, Regie und Umsetzung generell weicht keinen Millimeter von bekannten Konzepten ab. Ganz im Gegenteil: Schock-Szenen kommen überraschend selten vor; Vor allem der Vergleich mit [REC] aus dem letzten Jahr macht sicher: Wahrer, zeitgemäßer Film-Horror zum Fürchten und voll unaushaltbarer Spannung sieht anders aus.
Empfehlungen
Die ersten vier Filme meiner Rangliste empfehle ich unbedingt zum Sehen (optional, je nach Geschmack, nur die ersten zwei), sofern sie nach dem Festival in die Kinos kommen - was teilweise anzunehmen ist.
Ebenfalls gute Rückmeldungen habe ich zu den Filmen
Stella (Sylvie Verheyde) und
Eldorado (Bouli Lanners), die ich ebenfalls gern gesehen hätte, was zeitlich nicht möglich war.
Von den Kurzfilmen sind hervorzuheben:
-
Drauf (R: Martin Music; eine fiktive Drogendoku, mal ganz was anderes, und dennoch sehr authentisch)

-
Matilda, Musikvideo (R: System Jacquelinde; wie im Vorjahr
Bust A Move ein durch sein simples Konzept, aber nahezu perfekte, visuell sehr reizende Umsetzung bestechendes Musikvideo)
-
Hänsel & Gretel (R: Iris Hekel, Heinz Sambs; visuell großartig umgesetzt, großartiger Schnitt und Kamera)
-
Dropping Furniture (R: Paul Horn, Harald Hund; einfach schön anzuschauen - gute Idee, gut umgesetzt; Potential zur Verwendung in einem Werbesport für ein Möbelhaus: fehlt nur noch der passende Werbespruch)
-
30 Pieces, Musikvideo (R: Antonin B. Pevny; guter Song und gutes Video - es lebe die Linzer Reggae/Ragga-Szene :))

-
A Midsmummer Nightmare, Musikvideo (R: Agnes Miesenberger; erinnert in seiner Nüchternheit und aberwitzigen Handlung rund um einen animierten Gegenstand - statt der Blur-Milchpackerl-Romanze in
Coffee & TV sind es hier bedrohliche überdimensionale Nachtfalter, die die träumerisch musizierenden Musiker herausfordern)
Also bitte mehr davon, nächstes Jahr!
Otto Normalcrosser - 27. Apr, 00:46
So, I just got out of
Muezzin at the City-Kino, which takes my CE09 scorecard to 22 features and about 27 shorts. My personal top ten:
1.
René (Helena Třeštíková: documentary). This 20-years-in-the-making profile of a charismatic jailbird was the most startlingly unexpected surprise of the festival, a masterpiece that is quite simply one of the greatest documentaries of recent European cinema.
2.
Involuntary (Ruben Ostlund : feature)
3.
Inferno (Dario Argento : 1980 feature)
4.
Ozean (Dietmar Brehm : short)
5.
Verdrehten Augen - Videoversion 2 (Brehm :short)
6.
Static (Inger Lise Hansen : 1995 short)
7.
pereSTROIKA - reCONSTRUCTION of a flat (Christiane Büchner : feature)
8.
Akt (Brehm : short)
9.
The Wondrous World of Laundry (Hans Christian Schmid : feature)
10.
Mother of Tears (Argento : feature)
And to end with, here's a nice, obliquely Linz-related quote from the book I was reading when I arrived here a week ago,
Desert Solitaire by Edward Abbey (strongly recommended, by the way - as is the one I'm nearly finishing now, namely
Journey Through Britain by John Hillaby), from which I extract the following, verbatim (pages 278-9.)
~~~~~
A variety of asters are blooming along the road and among the dunes; with yellow centers and vivid purple petals, the flowers stand out against their background of rock and coral-red sand with what I can only describe as an existential assertation of life; they are almost audible. Heidegger was wrong, as usual; man is not the only living thing that exists. He might well have taken a tip from a fellow countryman: Wovon man nicht spraechen Kann, dareueber muss man schweigen.
Neil Young - 26. Apr, 22:39
Nachdem hallo auf Niederländisch hallo heisst, habe ich mir diese Sprache für meinen letzten Beitrag in diesem Jahr aufgehoben. Die Missverständnisse mit Otto sind auch geklärt, alles gut.
Gestern Abend entschied ich mich für KATALIN VARGA von Peter Strickland, ließ dafür INTROSPECTIVE in der Kapu aus. Der selbstfinanzierte Film wurde einst für sein Sounddesing in Berlin preisgekrönt, warum blieb mir schleierhaft. Ansonsten aber ein sehr schöner und trauriger Film, der das biblische Motiv der Rache in den Mittelpunkt stellt. Im Anschluß gings direkt zu LOS CRONOCRIMENES von Nacho Vigalondo, den letzten diesjährigen Nachtsicht-Beitrag. Diesmal kein Horror sondern eine Komödie mit Luis DeFunnes-Anleihen, die ein äußerst atraktives Todesopfer forderte. Hektor, Hektor, Hektor! Bei der Nightline unterhielten uns und die lokale Partycrowd diesmal die Gitarrenhelden WHITE CIRCLE CRIME CLUB aus Belgien und DJ AMINA mit einer ziemlich weirden Musikauswahl. I LOVE ROCK´N´ROLL auf Tschechisch hat schon was!
Heute hat mein Aufmerksamkeitslevel nur mehr für einen neuen Film gereicht: ENFANTS DE DON QUIXOTTE (ACTE 1) von Ronan Dénécé, Augustin Legrand und Jean-Bapiste Legrand, der anwesend war. Ein politischer Dokumentarfilm über die radikaldemokratische französiche Gruppe LES ENFANTS DE DON QUIXOTTE und deren Kampf gegen Obdachlosigkeit. Bewundernswert und nachahmenswürdig! Diese Herren haben es immerhin geschafft im französichen Rechtssystem eine Verankerung des Rechts auf Wohnen zu etablieren! In diesem Sinn: die letzte Schlacht gewinnen wir! Weiß Ihr Dan Rocker
danRocker - 26. Apr, 17:28
You! Und wieder hat das Publikum einen Gewinner gewählt, der voll und ganz meinem Geschmack entspricht:
Unmade Beds von Alexis Dos Santos.
Ich hab zwar nur drei der potentiellen 11 Audience Award-Gewinner-Filme gesehen, doch war Unmade Beds von Anfang an mein persönlicher Favorit. Der große Besucherandrang, der für einen komplett vollen Saal 1 im Moviemento gesorgt hat, das Geschwärme und Weiterempfehlen des Films, dass ich dann und wann bei einer Kinokasse oder vor und nach anderen Filmvorstellungen gehört habe, hat diesen Eindruck verstärkt. Umso geringer war dann auch meine Überraschung bei der Verkündung dieses Preisträgers, und umso größer meine Freude. Leider war der Regisseur persönlich nicht anwesend. Doch der liebe Kollege Neil Young hat auf der Bühne eine SMS des Regisseurs vorgelesen. Auf jeden Fall authentischer und sympathischer als eine voraufgezeichnete Video-Botschaft.
Durch die Preisverleihung führte übrigens Hosea Ratschiller, der als
Hugh Jackman des kleinen Mannes etwas Oscar-Glamour nach Linz zu bringen suchte und mit allerlei Konfetti, gekonnt schlechtem englisch, spontanen Schauspieleinlagen (etwa als President of the World, der auf den Zehen wippend und oberösterreichischer Sprachfärbung (erinnert uns das an wen? ;-)) "I like culture" verkündet), und echten und falschen Versprechern und Fehlankündigungen (Tom Hanks in der Jury?) brillierte.
Oscar-Glamour durch Konfetti-Kanonen
Auch
Dropping Furniture, ein Kurzfilm über ein zuerst leeres Wohnzimmer, in das dann nach und nach die gesamte Einrichtung, inklusive Fernseher, Couch-Garnitur, Esstisch, Aquarium und Topfpflanze in Zeitlupe von oben herab stürzt, wurde mit einem
Local Artist Award geehrt. Ein Film, auf den mich meine Freundin in der
Video Library aufmerksam gemacht hab, nachdem sie dort ein bisschen gestöbert hat. Heute sah ich den Film auch noch im Kurzfilmprogramm 1, in welchem der Film sicher noch zu den angenehmsten, ansehbarsten und unterhaltsamsten Werken gehört. Ansonsten ist das Kurzfilmprogramm 1 meiner Ansicht nach eher anstrengend und nervig, als dass es kreative Welten oder Ideenreichtum präsentieren würde. Einige dieser Experimentalfilme scheinen echt nichts anderes als Tests zu sein, wie viel Leistung man durch das Verzerren und animieren von geometrischen (oder ungeometrischen) Formen, Farben und Bilder aus dem PC herausholen kann. Didi Bruckmayr überraschte das Publikum bei der anschließenden Publikumsgesprächsrunde mit der Erklärung, dass seine 3D-Formen (und Blasen-)-Animation (
Trendfollower) eine Kritik an einem Wirtschaftsprognose-Programm sei, dass von Hedge-Funds eingesetzt wird und für die aktuelle Weltwirtschaftskrise mitverantwortlich ist. Überraschend war dies daher, da bestenfalls Insider im Publikum anhand des Titels auf diese Idee hätten kommen können. Der Inhalt hingegen muss schon sehr zielstrebig interpretiert werden, um auf diese Idee zu kommen. Bruckmayr muss man allerdings zugute halten, dass ihm dieses "Manko" sehr bewusst ist, und er Kritik daran "gerne" zur Kenntnis nimmt.
Über den Kulissen von Dropping Furniture
Auch Fruhauf, auf diesem Festival wohl durch einige Attwenger-Musikvideos bekannt, forderte das Publikum mit seinem Kurzfilm "Ground Control" heraus. Nicht zuletzt deshalb, da darin ein Fernsehrauschen zu sehen und zu hören ist, das mit Ameisen, diversen Bildern und Animationen (optisch durchaus ansprechend) teils mit wilden und lautstarken Effekten überlagert ist und Fruhauf darauf besteht, den Film extra laut vorzuführen. Die Message des Werkes ist jedoch schon etwas leichter nachzuvollziehen als bei der "Blasen-Animation" als Sinnbild für ein Hedgefond-Wirtschaftssimulations-Programm. "Ground Control" stehe demnach für Kontrolle und Kontrollverlust. Dafür finden sich im Film durchaus auch einige interpretierbare Anhaltspunkte.
Ich kann nicht auf jeden Kurzfilm so ausführlich eingehen, aber mit Claus Helfenschneiders
Lineament, eine sehr schöne Animation aus sich zu
Justice - Phantom transformierenden Linien samt aus Linien gebauter Hauptfigur, sowie Karin Fisslthalers
Imaging Machine, wo sich aus Spielfilmen herausgeschnittene Hände - alles andere ist schwarz - in verschiedenen Handlungen zeigen und dem Zuseher unsichtbare Formen vorzeichnen, finden sich auch sehr ansprechende, anregende Filmübungen im Programm.
Ansonsten finden sich noch Valie Exports Stimmbänder in einer Art poetischem Experimantalfilm im Programm, was manchem sicher schon etwas zu schräg ist, oder Ivan Petkovs Zeichentrickfilm
Hormonic Harmonic, eine Art Hinter-die-Kulissen-schauen, ein bewusst halbfertiger Trickfilm, der dafür die dahinterstehenden Produktionsschritte erahnen oder direkt erkennen lässt - sehr interessant!
Morgen gibts zum Abschluss noch ein Local Artist Programm 2 für mich - freue mich auf ein paar neue Musikvideos und einen der Local-Artists-Preisträgerfilme,
Romeo und Julia von der Hauptschule Steinerkirchen.
Otto Normalcrosser - 26. Apr, 01:44
Sich an einem strahlenden Frühlingstag ins Kino zu setzen hat schon was. Erste Kameraeinstellung: Meer, Kameraschwenk: Ufer, Männerchor im Schneesturm. Das wird dann schon etwas obskur. HEFTIG OG BEGEISTRET ist ein sensibles Portrait von Menschen in der obersten Ecke Norwegens, die trotz rauer Wetterverhältnisse ihr langes Leben mit Humor und Gelassenheit scheinbar verlängern.
Mit meiner halben Wohnung in der Tasche bin ich danach auf die extrem engen Wohnverhältnisse anderer neugierig geworden und habe mit PERESTROIKA – UMBAU EINER WOHNUNG einen sehr guten Einblick in den überteuerten und raren Wohnungsmarkt in Sankt Petersburg bekommen können. Die zum Teil schwierig nachvollziehbaren Verstrickungen der BewohnerInnen und deren Wohnungsaufteilung und -verkauf, wurden von der Regisseurin wunderbar gelöst. Zu INTROSPECTIVE – grade eben in der Kapu gesehen – komm ich dann morgen. Werde noch schnell einen Platz in 35 RHUMS sichern und dann weiter zur Nightline. Rock on!
AnnaWeniger - 25. Apr, 22:44
Graz 2 : 0 Linz
West Bromwich Albion 3 : 0 Sunderland
... let's just concentrate on the films, shall we?
Neil Young - 25. Apr, 20:19
Leicht verwundert musste ich feststellen, dass mir in diesem Blog unterstellt wurde, bei SUPERHEROS nicht in der KAPU gewesen zu sein - letzte Reihe, rechts, erster Platz am Gang. Lieber Otto, ich trage äusserst selten "Ich bins, Ihr Dan Rocker" T-Shirts!?!
LAUF von Barnabas Huber und PEACE KICKING MISSION KOSOVO von Peter Waldenberger stand bei mir gestern noch auf dem Programm. Dass Ameisen begabte Sportler sind, war mir bis gestern 16.01h noch unbekannt. Man lernt nie aus. PEACE KICKING MISSON war zwar vom filmerischen Aspekt her nicht besonders spannend, hier stand aber auch das Projekt an sich im Vordergrund. Für Interresierte: am 23.5. findet in Linz ein von SOS Menschenrechte organisiertes Integrationsfussballtunier am Magistratsplatz statt. Ziemlich daneben war an diesem Nachmittag leider der Moderator des anschliessenden Filmgesprächs, Publikumsfragen zu fordern und die Fragenden dann nicht dranzunehmen, weil man sich lieber selbst reden hört, lässt nicht gerade auf ein Übermaß an Feinfühligkeit schliessen. PASSE MONTAGNE bei der Nightline waren für meinen Geschmack nach dem 4 Festivaltag etwas zu anstrengend. Dafür gebührt den Herrn von LAMING HIPS eine Auszeichnung als Helden der Arbeit: Bis 5 Uhr morgens das Publikum zu verwöhnen und am nächsten Tag wieder Schnitzerl und Bier zu servieren ist eine sentaionelle Leistung. LA TERZA MADRE heute um 11h hab ich dann prompt verschlafen, weiter gings mit HEFTIG OG BEGEISTRET von Knut Erik Jensen. Ein Film über das Leben der Mitglieder eines Nordnorwegischen Männerchors. Wunderschöne Musik, Landschaftsaufnahmen und eine bewundernswerte Lebensfreude wurde hier transportiert. Meine Ängste überzubleiben wurden wieder kleiner, man kann auch erst mit 56 heiraten und mit 96 noch mehr als agil sein. Auf eine noch zu planende Reise zur Mitternachtssonne freut sich Ihr Dan Rocker
danRocker - 25. Apr, 18:41
Wieder erwarten habe ich die Nacht ohne beschädigte Fenster oder klappernde Türen überstanden. An zitternde Betten konnte ich mich ja bereits am Montag zum Festivalauftakt gewöhnen, als um 8.33 Uhr die Erde bebte. Zur Untermalung dieses seltenen Schauspiels hätte eine musikalische Begleitung von „Goblin“ (!) ebenfalls perfekt gepasst. In SUSPIRIA wurde das Publikum von dröhnendem Klangteppich und intensiven Farbspektrum bestrahlt. Auffallend ist Dario Argentos Faible für skurrile Schauplätze und architektonische Geheim- und Irrewege. Gegruselt wird im Detail. INFERNO war für die späte Uhrzeit schon etwas langatmig. Nach einem kurzen Besuch am Mediendeck hatte ich dann vorerst genug vom Horrorgenre und war für LA TERZA MADRE nicht mehr aufnahmefähig. Blieb der Spannungspegel gestern Abend eher im unteren Bereich, wurde ich grad eben selbst Opfer eines riesigen Pelzflugviehs und musste laut kreischend mein Büro verlassen. Nach dieser Kreislauf-Spritze schaffe ich’s nun wieder mit meinem Programm fort zu fahren. Da hab’ ich heute eh noch sehr viel vor! Oder Weniger...
AnnaWeniger - 25. Apr, 14:10
A crucial element of Linz's cultural life for more than a century, the city's football team LASK Linz (Linzer-Athletik-Sport-Klub, founded 7th August 1908) today travel to Styria where they kick off against SK Sturm Graz (1909!) at 6pm.
The match will take place at the UPC-Arena - which, as fans of movies and soccer will need no reminding, was
formerly called the Arnold Schwarzenegger Arena. The renaming took place in 2005, during the controversy over the California governor's refusal to commute the death-penalty for San Quentin inmate Stanley "Tookie" Williams.
No such dramas for Linz's home-ground, which has been called simply the Linzer Stadion since its construction in 1952. It
is nicknamed Auf der Gugl, or sometimes Gugl-Stadion, "Gugl" being the hill upon which the 21,328-capacity stadium stands.
Champions of the Austrian League in 1965 - the first non-Viennese team to achieve this feat - and also winners of the Austrian Cup in the same year, LASK aren't exactly enjoying a golden spell right now. In fact, as of this morning they languish at seventh in the ten-strong Austrian [T-Mobile] Bundesliga, their 31-point tally less than half that of runaway leaders FC [Red Bull] Salzburg.
Relegation is also unlikely, as LASK are 11 points clear of second-bottom SV Mattersburg, so today's expedition to Graz is - unlike, say, my own team Sunderland AFC's crucial
relegation-scrap with West Bromwich Albion at 3.00 BST - essentially an affair of honour rather than practical import. Let's call it the "Clash of Culture-Capitals", Graz having been the (sole)
Kulturhauptstadt Europas in 2003.
This year's big Crossing Europe footy-movie was, of course, Peter Waldenberger's documentary
Peace Kicking Mission Kosovo, which had its last screening yesterday afternoon. The "working man's ballet" does feature - albeit relatively obliquely - in Shane Meadows' lovely
Somers Town, which I introduced to a packed audience at the City-Kino on Thursday.
The feedback I've received from attendees has been overwhelmingly (and gratifyingly) positive, and there's another showing on Sunday at 4pm in the same cinema. This does clash with Ruben Ostlund's outstanding
Involuntary, 16.00 at Moviemento, but then again film-festivals should provide audiences with such pleasantly tough dilemmas. "Embarrassment of riches," is the English phrase; or, as they might one day say on the Gugl,
überreiche Auswahl.
Neil Young - 25. Apr, 10:29
Hallo erst Mal an diesem schönen Nachmittag! Also schön langsam hab ich das Gefühl, auf diesem Festival wollen alle die selben Sachen sehen. Irgendwie hat jeder Unmade Beds gesehen und gut gefunden, ebenso war Dead Snow ein Pflichttermin bei den anderen Bloggern hier und auch Superhelden hab ich nicht alleine gesehen.
Und ob es Filme gibt, bei denen "Menschen um die 30 oder 40 Jugendliche massakrieren"? (Zitat Anna Weniger, voriges Posting) - Nun ja: kommt auf die Sichtweise drauf an. Zuerst Mal müsste wohl geklärt werden, ob die Mörder zwischen 30 oder 40 Jahren alt sein sollen, oder ob es darum gehen soll, dass 30 bis 40 Jugendliche getötet werden - von Menschen, versteht sich. Ich glaube, in der Filmgeschichte lassen sich für Beides Beispiele finden - auf jeden Fall, wenn man Kriegsfilme mitberücksichtigt ;-)
Aber nun scher ich hoffentlich Mal ein bisschen aus dem bisherigen Filmschau-Schema aus. Habe nämlich heute - bereits um 11.30! - Un autre homme / Another Man vom Schweizer Lionel Baier gesehen. Die Kurzbeschreibung im Programm verspricht eine satirisch angehauchte Geschichte von einem Neo-Filmjournalisten, der seine Filmkritiken einfach aus einer anderen, vermeintlich kaum gelesenen Filmzeitschrift abschreibt. Doch viel mehr geht es darum, dass er seine Freundin, mit der er eine Wohnung teilt, zugunsten einer Branchenkollegin, auf die er bei Film-Previews in Lausanne aufmerksam wird, vernachlässigt und fallen lässt. Diese Branchenkollegin, genannt Rosa Rouge, ist jedoch ein heißes Eisen, an dem man sich leicht verbrennt. Sie wickelt ihm sofort um den Daumen: Sie macht ihn an, lässt ihn abblitzen, hat dann aber doch Sex mit ihm, mitten im Kino, und schließlich ist er zumindest für einen Tag ihr Sexsklave in einem Hotel in Lausanne - wo er ohne Kleidung, die sie angeblich gespendet hat, gefangen ist.
Doch noch viel mehr geht es im Film um eine Sage bzw. Märchen aus dem Mittelalter, nämlich Renard (bzw. Renart?) - also "Fuchs". Darin geht es um einen Fuchs, der was von einer Henne will, und alle Warnungen, die ihm vorgebracht werden ignoriert. Ich glaube das Märchen ist auch hierzulande gut bekannt, ich glaube mich dumpf an so eine Geschichte in der Kindheit erinnern zu können. Jemand von euch kann sicher besser eine Kurzzusammenfassung von der Geschichte wiedergeben.
Dieser Märchenhintergrund wurde zumindest mir erst nach dem Film wirklich bewusst. Zwar erzählte der Hauptdarsteller bereits im Film etwas von dieser Geschichte, allerdings in schnellem französisch mit ebenso schnellen Untertiteln auf englisch, wodurch ich letztlich nicht viel verstanden hab. Der Film soll allerdings auch mit deutschen Untertiteln in österreichische Kinos kommen, wie Baier nach dem Film verkündet hat. Vielleicht auch ins Moviemento? Auf jeden Fall sehr empfehlenswert!
Ebenfalls deutete Baier noch einige Szenen im Film, sodass sie als Märchenbezogen erkannt werden können: Rosa, die dominante Karrierefrau, unterwirft Francois, den Kritiker. Sie ist der Vogel, der hoch oben (im obersten Stock des Hochhauses ihrer Zeitung ist ihr Büro) ihre Umwelt betrachtet und den Fuchs, der geduckt immer nahe am Boden unterwegs ist, im Griff hat. Sie mag es nicht, wenn man ihre Haare berührt (und macht sich in so einem Fall sofort einen Friseurtermin zum Haarewaschen aus, unter dem Vorwand, einen positiven Bericht über den Salon schreiben zu wollen). Francois wiederum überfährt, nachdem er die erste Kritik abgeschrieben hat, einen Fuchs - also quasi sein eigenes Gewissen. Er schmeißt ihn in den tiefen Schnee, aus dem er erst im Frühling wieder auftaucht - und seine verdrängten Probleme und Konflikte eskalieren. Für weitere Deutungen bin ich allerdings nicht zu gebrauchen, da ich nicht genug kapiert hab, wegen den Untertiteln, und auch das Märchen nicht gut genug im Kopf hab.
Und zuguterletzt ist der Film auch eine Mediensatire: Die Filmkritiker schreiben bloß in abgehobener, poetischer Sprache. Ob ein Film gut oder schlecht bewertet wird, liegt zum Teil an mathematischen Formeln ("mir hat der Film gefallen, aber sein letzter Film erhielt gute Kritiken, also ist dieser nun schlecht" - Zitat Rosa Rouge, sinngemäß). Baier packt da auch viel von seinen eigenen Erfahrungen oder Ansichten hinein: etwa, dass Filmkritiker heutzutage nur darüber schreiben, ob ihnen der Film gefallen hat oder nicht - statt den Film in seiner Machart zu untersuchen. Wer mehr wissen will: Anschauen sehr empfehlenswert!
Otto Normalcrosser - 24. Apr, 19:20
Zuerst nächtliches Vergnügen dann intensives Kinoerlebnis. Der durch die Live-Darbietung zur Eröffnung kurzzeitig eingenistete Augen- und Ohrenkrebs, hat sich dank genialster Bass-Arragements von BENGA und DJ RAVISSA wieder in seinen Sumpf verzogen. DATAROCK haben in Sachen Spaßfaktor noch eins draufgelegt. Dem auf den Plattentellern servierten Menü fehlte es gestern – im Vergleich zu den Abenden davor – leider an Würze. Da mir mein Festivalschatten laufend abhanden kommt, widme ich mich lieber grandiosem Gefühlskino ohne Kitschfaktor.
Kein Film schafft das besser als UNMADE BEDS, der vom hochgeschätzten Moderator (und Blogger-Kollege) Neil Young mit lachender Miene als der „coolste Film des Festivals“ bezeichnet wurde. Schön, dass des für den freien Fall mit Schmetterlingen im Bauch keine Altersgrenze gibt und das Leben manchmal erstaunlich gut als Musikclip funktioniert. Entscheidend sind die (vermeintlichen) Zufälle. UNMADE BEDS ist definitiv einer der wenigen Filme, die man sich gar nicht oft genug ansehen kann! Der Regisseur selbst („he looks like an unmade bed“, zit. N.Y.) tritt kurz als Kameramann in Erscheinung. Die Vorankündigung von DJ Die auf dem Plakat in der Abschlussszene hat mich dann ganz dezent und mit einem Schmunzeln auf den Lippen in meine weiteren Programmpunkte eingeführt: DØD SNØ und die Nightline. DØD SNØ punktet mit sympathischen SchauspielerInnen, unzähligen Bezugsquellen ohne Plattitüde, schöne Filmstils und ein Farbenspiel das an die Ösi- oder Schweizer Berge denken lässt. Der am nächsten Morgen verspürten Zug in meinen Eingeweiden war auf die Lachenattacken zurück zuführen. RÜCKENWIND hingegen war mehr ein zartes Lüftchen an einem schwülen Nachmittag.
Ein ähnlich langsamer Film, aber mit großem Sympathiewert und überraschend witzigen Dialogen ist PAZAR – BIR TICARET MASALI. Die SUPERHELDEN geben einen guten Ein- und Überblick, aber leider fehlt dabei der letzte konsequente Sprung ins Schwarze. Kontrastreich ging’s dann mit SOMERS TOWN (S/W&Farbe) weiter. Eine überaus intelligente und vielschichtige Story mit meinem wunderbaren Ende! Der jugendliche Hauptdarsteller aus „This is England“ hat auch hier wieder mit seiner schauspielerischen Leistung brilliert. Die Gelegenheit diesen Film und seinen englischen Bruder UNMADE BEDS noch zu sehen, sollte (Sa./So.) auf keinen Fall verabsäumt werden!
Nachdem mir grad persönlich junge Menschen aus ihrer eigenen Unsicherheit und Feigheit heraus einen unnötigen Stress machen, hab ich zu dessen Abbau durch Übertreibung den Massiv-Teenager-Psychoterror-Film EDEN LAKE angesehen. Titel mit „Lake“ haben bekanntermaßen diese Woche Schockgarantie mit einem Trauma als Bonus. Jetzt wird’s aber mal Zeit für eine Kehrwende! Kennt jemand Filme, in denen Menschen um die 30 oder 40 Jugendliche massakrieren? Dafür gibt’s mit Sicherheit eine große Fangemeinde!
Mehr - oder besser Weniger – ein andermal.
AnnaWeniger - 24. Apr, 17:48
Jesus fuckin Christ! Jetzt hätte ich mich fast angespieben, EDEN LAKE von James Watkins zum bzw. vorm Frühstück ist äusserst deftige Kost. Keine Zombies über die man lachen könnte, einfach sehr realistisch dargestellte Gewalt, die im Grunde jeden treffen könnte. Elemente der Happy Slapping (Un)Kultur, besonders das mitfilmen der Gewalt mittels Mobiltelefon, entlassen mich hilflos und verstört nach 90 Minuten Bad Vibrations aus dem Kinosaal in eine grausame Welt mit blauem Himmel.
Ziemlich gegensätzlich dazu die Good Vibrations, die DATAROCK aus Norwegen gestern bei der Nightline verbreitet haben, ich habe selten so eine kollektive Begeisterung gesehen! Eine Stimmung die Frau DJ CHRISTINA N im Anschluss halten konnte, was bei dieser Vorgabe keine leichte Aufgabe war - Shout it out loud!
SOMERS TOWN habe ich gestern dann doch noch von meiner Liste gestrichen, ich hoffe diesen Film Sonntags um 16h nachholen zu können. Für SUPERHEROS von Janek Romero reichte meine Energie aber noch. Ein Film über neue anarchistische Herangehensweisen an den Überlebenskampf der Prekarisierten. In anschliessenden Gesprächen habe ich gemerkt, dass die sehr hamburgspezifischen Aufnahmen von Polizeigewalt und legitimer Gegenreaktion bei LinzerInnen einen gekünstelten Eindruck hinterlassen haben. Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass die Darstellung der Demonstrations- und Riot-Kultur in SUPERHEROS der Realität der Hansestadt sehr, sehr nahe kommt. Shoplifters of the World unite! Hofft Ihr Dan Rocker
danRocker - 24. Apr, 12:49
A couple of suggestions, one of them indoors, one of them (in honour of the still-shining sun) very much "out."
At 3pm today in Moviemento 3, there's a programme of shorts by "local artist" Dietmar Brehm. I had a shorts afternoon/early-evening yesterday, taking in 27 separate works over four programmes (Tromso Youth, Brehm, Karlsruhe, Inger Lise Hansen) and the pick of the bunch were a pair by Brehm:
Ozeanand
Verdrehten Augen Videoversion 2. More details on my crowded day can be found at my regularly-updated CE09 page at
Jigsaw Lounge.
Meanwhile, if you have an hour or two spare and feel like seeing some hidden sides of Linz, I suggest you follow the river-path (on the "busier" side of the Danube, heading east) as it gently curves along the waterfront, to the Winterhafen. Keep going until the path ends, then double-back onto the other side of the peninsula - the "winter harbour" itself now visible on your left - and walk back towards the city and your next screening. You'll pass boatyards, busy ship-repair yards, odd little sporting-clubs, mysterious bunker-like constructions, and much else besides...
Viel spaß!
Neil Young - 24. Apr, 10:45
Auch ich, Otto Normalcrosser, habe heute den
Superhelden-Film (eine Doku und Teil der
Arbeitswelten-Schiene) gesehen, jedoch Dan Rocker nicht erkannt oder getroffen :)
Wie bei bisher jedem Film, den ich gesehen habe, war der Saal (dieses Mal das Kapu-Obergeschoß) sehr gut gefüllt, wobei diesmal sogar noch ein paar Plätze frei gewesen wären. Ein neuer Besucherrekord scheint sich jedoch abzuzeichnen, und das nicht nur, weil das Festival heuer einen Tag länger dauert. Kann aber auch sein, dass ich einer Täuschung unterliege, da ich bisher womöglich vor allem jene Filme gesehen habe, die auch ein größeres Publikum ansprechen (Geschichte über Teenies und ihre Identitäts- und Liebesprobleme, noch dazu in der wilden Londoner Partyszene, kommen immer gut an (
Unmade Beds), ebenso Nazi-Zombies in einem Teenie-Horror-Splatter im norwegischen Norden (
Dead Snow; Movie 1 war gestern, obwohl zur späten Stunde (22.45 Uhr), komplett voll). Und auch oberösterreichisch-israelische Dokumentarfilme, vom noch dazu bei der Eröffnung vom Landeshauptmann ausgezeichneten Regisseur Micha Shagrir, verursachten einen lange vor der Vorstellung ausverkauften Saal. Ebenso war es beim Kurzfilmprogramm 3 (mit dem
Dobuschido-Film) und bei
Fantoche Reloaded (Best of des gleichnamigen Schweizer Animations- und Trickfilmfestivals), wo ich auf der Warteliste war, aber letztlich zugunsten längerem Ausschlafen auf eine Teilnahme an der Lotterie verzichtet habe.
Aber es gibt auch noch Filme, bei denen man problemlos Plätze kriegt.
Les Grandes Personnes ist so einer. Eine französisch-schwedische Produktion über ein 16/17-jähriges Mädchen und ihren alleinerziehenden Vater, die Paris zugunsten eines Schweden-Urlaubs verlassen, dort in einem Ferienhaus auf zwei Mitt-Vierziger-Frauen, ebenfalls aus Frankreich, treffen, was etwas Wirbel in den sonst so aalglatten Tagesablauf der Kleinfamilie bringt. Ein durchaus amüsanter Film, der jedoch etwas mehr Nähe zu den Personen vermisst. Eine Nähe, wie sie
Unmade Beds, der, wie ich in Gesprächen im Publikum gehört habe, nicht nur für mich zu den besten Filmen des Festivals zählt, auf wunderbare Weise hergestellt hat.
Und dann war da heute Abend natürlich noch
Superhelden, eine absolut empfehlenswerte Dokumentation über eine Gruppe antikapitalistischer Mitt-Zwanziger, die Gourmet-Restourants und Feinkostläden stürmen, um Luxuslebensmittel an die Unterschicht zu verteilen. Diese Gruppe, die "Superhelden", gab es wirklich und sie trieb in Hamburg ihr Unwesen. In billigen, aber sympathischen "Spiderman" und "Super-Flex"-Kostümen sorgten sie für todernste Berichterstattung in Zeitungen, Radio und Fernsehen, die von ihnen als eine Art terroristische Organisation sprachen. Anhand einer jungen Mutter, die von etwa 800 Euro im Monat zwei Kinder ernähren muss, führt der Film durch eine politisierte Generation von Dauer-Praktikanten und arbeitlosen Akademikern, führt uns zum G8-Gipfel in Heiligendamm und zeigt uns Ausschnitte von Selbstorganisation und wie man den Frust auf eine Gesellschaft kanalisiert und abbaut, in der es für viele (trotz augezeichneten Uni-Abschlüssen) fast unmöglich ist, Fuß zu fassen, und ein finanziell abgesichertes Leben zu begründen.
Kritisieren könnte man an dem Film - wie meistens, wenn es um dieses Thema geht - dass er Widerstand, Demonstrationen und Blockadeaktionen inklusive Polizei-Krawallen, wie etwa am G8-Gipfel, mit mitreißender Musik unterlegt und dadurch eine sypmathisierende Haltung zu gewaltvollen Auseinandersetzungen fördert. Andererseits muss man sich bewusst sein - und das ermöglicht dieser Film durch authentische Dokumentation - dass es eine große Schicht durchaus motivierter, arbeitswilliger Jugendlicher, häufig Studenten mit abgeschlossenem Studium, gibt, die vom Arbeitsmarkt bloß als Praktikanten ausgebeutet und weitergereicht werden. An eine eigene Existenz, an die Gründung einer Familie, ist da unmöglich zu denken. Man will seiner Frustration Ausdruck verleihen - etwa an Demos von kapitalistischen Parade-Veranstaltungen wie etwa G8-Gipfeln. Hier will man den Mächtigen der Welt zeigen, wer die Menschen sind, die den Reichtum einer Wirtschafts- und Politikelite ermöglicht. Die Polizei, als deren "bewaffneter Arm" ist in diesem Fall der legitime Gegner für eine Auseinandersetzung, besonders, wenn die Aggression, wie am G8-Gipfel Heiligendamm bei einem Konzert und Kundgebung, von der Polizei ausgeht, die die Masse einzuengen versucht und Einzelne herauspickt und verhaftet.
Doch jeder kann sich selbst Gedanken zur gegenwärtigen Gesellschaft und den Herausforderungen, denen die Jugend beim Versuch, in den Arbeitsmarkt einzusteigen, gegenüber stehen machen. Der Film eignet sich bestens als Anregung zur Selbstreflexion über diese Themen.
Otto Normalcrosser - 23. Apr, 23:45
Nachdem ich heute mit SUPERHELDEN und SOMERS TOWN noch 2 Filme auf meiner To Do-Liste habe, gibt es jetzt noch eine kurze Nachbetrachtung von PAZAR - BIR TICARET MASALI von Ben Hopkins, einem äusserst sympathisch wirkenden Ressigeur. Die deutsch-kasachisch-türkisch-britische Coproduktion über einen türkischen Händler mit leichten Alkoholproblemen ist ein äußerst entschleunigtes Werk. Ich muss zugeben, dass ich zwischendurch mit Schlaf zu kämpfen hatte, was aber nicht mit dem Film sondern ausschließlich mit der gestrigen Nightline zu tun hatte. Großartige Beschimpfungen erweckten dann aber wieder meine Lebensgeister: "Dogs Sperm" in der obereösterreichischen Version wird auf jeden Fall in meinen Wortschatz aufgenommen! Erfreut verbleibt Ihr Dan Rocker
danRocker - 23. Apr, 19:02
Nach den Gefängnissfilmen habe ich mir nun einen neuen thematischen Schwerpunkt aus dem vielfältigen CROSSING EUROPE Programm ausgesucht, lebnsbejahende Filme. Den Anfang machte gestern Abend UNMADE BEDS von Alexis Dos Santos. Eine wunderschöne Homage an anarchisches Lebnsgefühl im London der Gegenwart. Crisis, what crisis? Mensch kann auch liebevoll miteinander umgehen, das erspart einiges an unnötigem Lebensstress. Gekrönt wird UNMADE BEDS von einer großartigen Musikauswahl. Heute Vormittag dann ein Film über eine banale Grundregel des (Über-)Lebens: BEWARE OF GERMAN NAZI-ZOMBIES IN THE NORWEGIAN WOODS!!! Hält man sich daran, steht einem erfolgreichen und geruhsamen Lebensweg eigentlich nichts mehr im Wege - DEAD SNOW von Tommy Wirkola, für jeden Fan eines gepflegten Massakers ein Muß!
Nach dem fantastischen Set von BENGA bei der Dienstags-Nightline, war ich etwas skeptisch, ob irgend ein Act bei mir noch Begeisterung hervorrufen kann, KOLEKTIF ISTANBUL konnten. Leider musste die Gruppe ohne ihren Tuba-Spieler auftreten, der gute Mann ist nach Differenzen mit dem türkischen Militär zur Zeit im Gefängnis. Seine sofortige Freilassung fordert Ihr Dan Rocker
danRocker - 23. Apr, 12:41
contrary to what I wrote just an hour ago, the clouds have descended, the umbrellas are up on Graben --- into every festival, it seems, a little rain must indeed fall.
Neil Young - 23. Apr, 11:15
some mid-fest updates:
1. Despite my prediction of imminent gloomy weather
yesterday , the sun continues to shine - so much for the weather forecasters. Good news for Linz's kiddies who, according to the morning paper, have gone "on strike" along with their teachers.
Aux armes, mini-citoyens!
2. On
Monday, I wrote that the ferris-wheel on top of the multi-storey carpark next to the OK Center - christened the 'Anna Faris Wheel' by waggish CE-guests - won't be in operation till the end of May. But the wheel looks pretty much ready for business already, with the advertising-sign in the middle lit up last evening in pleasingly retro neon. Best advice, as always:
keep watching the skies!.
3. On
Tuesday, I noted the 62th birthday of Mr Iggy Pop. Two days on, my homeland is marking a similarly august festival: St George's Day is England's national day, but - despite also being the anniversary of both the birth and death of William Shakespeare - has never (to my knowledge) been a public holiday. CE patrons wishing to mark the festival this evening have a pair of movies starring our "teen Brando", Thomas Turgoose - whose breakthrough picture
This Is England was showcased here a year ago. 22.45 at Moviemento is
Eden Lake, while simultaneously at City Kino unspools
Somers Town. Click on the titles for my Jigsaw Lounge reviews of the films - eagle-eyed readers may be able to identify which of the two I personally recommend you attend.
Neil Young - 23. Apr, 10:18
Wie bereits angesprochen, war für das Kurzfilmprogramm 3 gestern nur schwer ein Ticket zu bekommen - wenn man nicht schon lange im Voraus eines gekauft oder reserviert hat. Insofern hab ich auf Dobuschido verzichtet und spekuliere mal darauf, dass dieser lange Kurzfilm stark überbewertet ist ;-)
Stattdessen hab ich dann später, wie bereits vorgestern bei Upper Austrians Without Borders, wieder an einer Restplatz-Lotterie teilgenommen. Unmade Beds hieß der Film, der, obwohl im größten Saal gezeigt, übergroße Begehrlichkeiten ausgelöst hatte. Die Restplatzvergabe 15 Minuten vor Filmbeginn wurde dann kurzerhand zur Chefsache erklärt, und eng aneinandergekuschelt passten dann doch irgendwie alle in den Saal :)
Der Film ist jedenfalls eine dringende Empfehlung, da er ein sehr geschickt konstruiertes Beziehungsgeflecht und -durcheinander rund um etwa zwei Hauptpersonen spinnt, deren Wege sich alle irgendwie auf Partys in einem besetzten Haus in London-Nottingham kreuzen. Die männliche Hauptfigur Axl, ein etwa 20-jähriger mit Wuschelkopf, der eher wie 17 aussieht, wacht beinahe jeden Morgen in einem anderen Bett auf und kann sich stets nicht daran erinnern, wie er da hin kam. Sehr sympathisch und humorvoll wird das Ganze durch den Schnitt und die sehr sorgfältig ausgewählte Musik (jüngere britische Rockmusik, dann wieder mal kuriose alte Platten, die von den Jugendlichen scheinbar wahllos in den Plattenspieler gelegt werden). Mehr will ich gar nicht verraten. Raten will ich euch jedoch, sofort Karten für die letzte Vorstellung am Samstag um 11.30 zu kaufen oder zu reservieren. Das ist zwar etwas früh, aber der Film ist absolut frühstückstauglich und ein guter Start in den Tag.
Weniger empfehlen möchte ich Dead Snow, eine Art In 3 Tagen bist du tot auf norwegisch. Die angebliche Ironie ist zwar durchaus vorhanden, bleibt aber eher schwach und unmotiviert. Sie kommt durch die Plattheit der Handlung und die - zumindest in den Untertiteln - nicht besonders tiefsinnigen Dialoge und Figurenzeichnungen nicht wirklich zum tragen. Es bleibt doch eher ein typischer Horror-Splatter, der zwar professionell gemacht ist, aber eben inhaltlich etwas laff ist. Allerdings steh ich generell nicht so auf Horrorfilme, da sie meistens immer das selbe Schema benutzen. Am Schluss sind einfach alle mehr oder weniger tot. Wenigstens die Widerstandsversuche sind relativ glaubwürdig und ambitioniert und die Teenies, die da niedergemetzelt werden, versuchen möglichst klug vorzugehen (hier eben schon ein bisschen witzig) und sind nicht, wie in den US-Vorbildern, unglaublich dämliche Blondies und Football-Dödels. Und wer sich ein paar Mal schrecken will - dafür taugt der Film ebenfalls ganz gut. Vielleicht bin ich bloß ein bisschen voreingenommen, da ich letztes Jahr den unglaublich grusligen spanischen Horrorfilm [REC] gesehen hab - der eben kein abgedroschenes Schema benutzte und wirklich extrem schauderhaft war.
Morgen gibts mehr Filme... to be continued...!
Otto Normalcrosser - 23. Apr, 02:20
Es schwirrten Gerüchte durch Linz, dass das LOCAL ARTISTS 3 Programm heute bereits ausverkauft sei, was sogar eine Dame vom ORF schwer verunsicherte. Mit Festivalpass wars dann aber kein Problem an die heiss begehrten Tickets heranzukommen und unter anderem der Weltpremiere von DOBUSHIDO - DER FILM beiwohnen zu können. Aufgrund einer, für die Crew offensichtlich schweisstreibenden, technischen Panne musste der 60 Minuten Kurzfilmschinken DOBUSHIDO vor den anderen Beiträgen vorgeführt werden. Im Grunde ein "nice mistake", da sonst die Aufmerksamkeit zu sehr auf den sehr witzigen und sehr wichtigen Film über unseren rappenden Bürgermeister fokkusiert worden wäre. Was aber schade gewesen wäre, da auch die anderen Filme in diesem Programm gewürdigt gehören. Bei SOUND STORIES - THE MYSTERIOUS DISAPPEARANCE OF K. handelt es sich um eine, von Doris Prilic inizierte assoziative Kurzfilmserie, die insgesamt 12 Künstler beschäftigte. Weiters wurde noch das Video zur MORD-Nummer FÜR IMMER SOMMER von Ingo Randolf und NEUES RATHAUS X 13 von Clemens Kogler vorgeführt. Destructo-Robotor treffen auf Red Bull Dosen.
Diesmal vergesse ich übrigens nicht die neue Bierbar mit Fassbier bei der Nightline lobend zu erwähnen, endlich kaltes Bier bei CROSSING EUROPE. Ist das kein Grund zu feiern? Fragt Ihr Dan Rocker
danRocker - 22. Apr, 19:55
The festival is now nicely underway, and in the cafes and bars of the city the sharp-eared eavesdropper will find fest-goers exchanging recommendations - and even the occasional "avoid-warning" - about stuff they've either caught themselves or heard about through the various grapevines that find their confluence in these environs. So far my personal highlight remains
Involuntary, but reliable sources have alerted me to the following:
Versailles (next screenings Thu 23 at 6pm and Sun 26 at noon)
Perestroika - Reconstruction of a Flat (Sat 25 at 6.30pm and Sun 26 at 11am)
Mid-August Lunch (Fri 24 at 11.30am and Sat 25 at 8.30pm)
Gangster Girls (Thu 23 at 9pm and Sat 25 at 8pm)
six Inger Lisa Hansen films (Thu 23 at 8pm)
And with the weather in Linz (so far so sunny) apparently about to turn sour, there'll be no excuse to linger in the open air.
Speaking of which,
an oddly perturbing report from the BBC informs us that "The Sun is the dimmest it has been for nearly a century. There are no sunspots, very few solar flares - and our nearest star is the quietest it has been for a very long time." I do hope somebody at NASA is currently checking out
Danny Boyle's best movie of the decade - just to be on the safe side.
Neil Young - 22. Apr, 17:13
Die chronologische Reihenfolge muss heute die Ersatzbank hüten, nachdem die BENGAschen Subbässe gestern mein Gehirn ordentlich durchgeschüttelt haben und mein Launelevel aufgrund wiederlicher Arroganz einzelner sich zur Zeit dem Nullpunkt annähert - aber egal. Gestern gings mir erstmals beim CROSSING EUROPE Festival wie den Hunden im Supermarkt, in der KAPU beim LOCAL ARTISTS 4 hiess es "Bitte Draussen bleiben", Restlos ausverkauft. Als Entschädigung gabs gegrillten Schweinsbauch im Gastgarten, vom Feinsten! Einen Teil von Martin Music Film DRAUF konnte ich dann doch noch im Stehen mitverfolgen und mich besonders von der schauspielerischen Leistung begeistern lassen. Am Sonntag um 13.30h gibts im Movie 2 die 2te Vorstellung dieses Programms, hier meine Empfehlung für diesen Termin, ich werde mich bemühen zu dem Zeitpunkt noch kinofähig zu sein.
RENE und BRONSON beschäftigen sich beide mit dem Thema Gefängnis, wobei ich mit dem dkumentarfilmerischen Ansatz von RENE mehr anfangen konnte als mit der Groteske BRONSON. Nun heisst es für mich aber wieder ins Gelbe Krokodil zu eilen, gefüllte Weinblätter warten. Guten Appetit wünscht Ihr Dan Rocker
danRocker - 22. Apr, 12:52
Hallo liebe Leut'! Vor lauter Film schauen und Uni, die heute aufgrund eines Besuches von Oscar Bronner (Gespräch/Interview vor Uni-Publikum in Wien) auch unbedingt sein musste, komm ich erst jetzt wieder zum Blog schreiben (ein Blogbeitrag mit einer Zusammenfassung des Bronner-Interviews kommt ebenfalls
in den nächsten Tagen, je nach verfügbarem Zeitpensum... das aufgrund des Festivals wohl eher gering sein wird).
Eröffnung
Zuerst Mal zur Eröffnung: Im Rahmen dieser verlieh Landeshauptmann Pühringer dem in Linz geborenen israelischen Filmregisseur und -produzenten Micha Shagrir die Landeskulturmedaille. Zur Erinnerung (siehe mein letzter Blogbeitrag): Shagrir hat 2004 mit
Linz - Bischofstraße seinen ersten Oberösterreich-bezogenen Film, über seine Linzer Wurzeln, hergestellt. Nun folgte mit
Upper Austrians Without Borders sein zweites Werk dieser Art (gemeinsam mit Alenka Maly, die er beim Dreh des Vorgänger-Films kennen lernte). Und, wie Shagrir vergangenen Abend im Rahmen der Weltpremiere bekannt gab, möchte er in den nächsten Jahren einen dritten Film über Oberösterreicher in der weiten Welt herstellen.
Verleihung der Landeskulturmedaille von Landeshauptmann Josef Pühringer an Micha Shagrir.
Das Wichtigste: Das Buffet!
Im Anschluss gab es ein gut bestücktes Buffet. "Gut bestückt" ist hier wirklich die treffendste Bezeichnung, waren die Einzelteile des "Buffets" doch mit Zahnstochern auf eine Art Pinnwand in Form einer symmetrisch gespiegelten Europakarte - jedes Land aus einem anderen Leckerli - gesteckt. Die Philosophie dahinter (welches Land aus welchem Leckerli gebaut ist), konnte ich nicht erkennen. Dass Deutschland aus Wurst besteht ist jedenfalls leicht nachvollziehbar (das Bier stand ja zum Glück flaschenweise auf den Tischen). Auch ein Mozzarella-Italien und eine Käse-Schweiz passt noch perfekt in unsere Klischee-Vorstellungen. Bei einem Kirschen-Österreich wirds jedoch schon eher kitschig als realistisch, und bei Slowenien scheint den Schöpfern der Spielraum für weitere passende Assoziationen ausgegangen zu sein - es besteht aus Karotten (die halt einfach naturgemäß nicht so der Buffet-Knüller sind und natürlich in einem kleinen Land präsentiert werden müssen).
(Mehr Fotos gibts übrigens in der offiziellen Galerie; hier jene von Montag,
Seite 9, mit einer Gesamtansicht der "Pinnwand")
Weltpremiere: Upper Austrians Without Borders
Nach meinem Wien-"Ausflug" am Dienstag an die Uni gings bereits am Abend wieder zurück, um die Weltpremiere von Shagrirs neuem Film, eben
Upper Austrians Without Borders, nicht zu verpassen. Das war allerdings gar nicht so leicht wie gedacht. Nachdem bereits am Montag die Vorstellung, die leider im kleinen Moviemento-Saal 2 angesetzt war (das rege Interesse, sicher gefördert durch die Preisverleihung an der Eröffnung, wurde ursprünglich wohl unterschätzt), komplett ausverkauft. Um die wenigen Restplätze rangelten sich dann am Dienstag kurz vor der Vorstellung etwa 20 Interessenten. Ich hatte zwar eine Akkreditierung, doch für meine Freundin wurde es knapp, noch einen Platz zu bekommen. Letztlich hatten wir Glück, und wir konnten die Vorstellung dieser informativ- und aufgrund der vorkommenden Personen auch unterhaltsamen Dokumentation genießen. Ebenfalls unter dem Premierenpublikum befanden sich unter anderen einige der im Film vorkommenden Personen, oder besser gesagt, deren Verwandte, sowie der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, George Wozasek, sowie Vizebürgermeister/Kulturreferent Erich Watzl.
Nicht nur bei diesem sorgte ein Ausschnitt aus der Vorgänger-Doku (
Bischofstraße), der im Film vorkam, für Schmunzeln: Denn Linz wurde hier als von einem
sozialistischen Bürgermeister regiert vorgestellt - wo doch hierzulande, wie man wissen muss, strikt zwischen
sozialistisch und
sozialdemokratisch unterschieden wird - das sind zwei Paar Schuhe. Vielleicht hat das Manche auch an den Sager von Arnold Schwarzenegger erinnert, der als Gouverneur von Kalifornien gern von seiner "Flucht" aus dem "sozialistischen Österreich" erzählt - zu einer Zeit als die ÖVP allein regierte. Der Blick von Außen vermag nun Mal andere Charakterisierungen der österreichischen Parteienlandschaft hervorzubringen.
Am Ende der Vorstellung verteilte Shagrir noch kleine Präsente - darunter israelischer Wein - an seine Produktionspartner Roland Freinschlag und Alenka Maly.
Weltpremiere von Upper Austrians Without Borders: Regisseur Micha Shagrir mit Moderatorin

Den Abschluss des Crossing Europe-Tages lieferte letztlich DJ Ravissa aus Wien mit saftig-breakigen-knalligen-wummernden-rasenden-stotternden-minimal-maximalen-Techno-Electronic-Beats-und-Breaks-und-Synths-und-so. Sehr unterhaltsam :)
Otto Normalcrosser - 22. Apr, 01:26
Wie angekündigt habe ich den Vormittag zur Nacht gemacht und den ersten "richtigen" Festivaltag mit dem (gestrigen) Nachsicht-Film JCVD von Marbrouk El Mechri begonnen. Ein sehr amüsanter Film über einen, doch sehr sympatischen Actionfilmhelden, der sogar unschuldig im Häfn glücklich ist, wenn er die Liebe seiner Tochter zurückgewinnen kann. Jean-Claude, mein Respekt!
Weiter gings mit dem LOCAL ARTISTS 2 Programm, herausragend sicher THE MAMAS OF THE PAPAS REHEARSE & ROLL von Reinhold Bidner, die beiden SYSTEM JAQUELINDE Beiträge und der Linzer Schauspiel Export Ines Schiller als unschuldig-eiskalte Gretel in HÄNSEL & GRETEL von Iris Hekel und Heinz Sambs. Die wahre Überraschung lieferten allerdings die 4ten Klassen der Hauptschule Steinerkirchen mit ihrem Film ROMEO UND JULIA ab, nicht umsonst der einzige Film heute Nachmittag, der spontanen Publikumsapplaus bekam. Weitermachen! Fordert Ihr Dan Rocker
danRocker - 21. Apr, 15:27
Two things.
1.
Involuntary, the Swedish competition entry by Ruben Östlund, which I saw at the 11.30 screening this morning at Moviemento, is something pretty special. It'll be a pleasant surprise if I see a more impressive feature this week (Dario Argento triple-bill excepted, of course). The second screening is on Sunday at 4pm. Book now to avoid disappointment.
2. Speaking of Swedish things, sort of, Iggy Pop is 62 today. According to IMDb, 94 films have featured his songs, though I suspect the true figure is higher. Real name: James Newell Österberg, Jr. Dad, of Irish/English descent, was adopted by a Swedish-American family. Mother was of Danish and Norwegian ancestry. As a family tree, not a bad example of "Crossing Europe", eh? Anyway, happy birthday, Mr Pop. Or rather, "Pöp."
Neil Young - 21. Apr, 14:35
Bei der gestrigen Nachbetrachtung von HOME habe ich einen ganz wichtigen Aspekt zu erwähnen vergessen: das großartige Spiel mit Sounds bzw. Stille mit dem Ursula Meier ihrem Film Leben einhaucht. Auch der Soundtrack, von NINA SIMONE bis zu den YOUNG GODS gehört lobend erwähnt. Etwas weniger Lob von mir erhält die Auswahl des gestrigen Nightline Live Acts BUNNY LAKE. Ich nehme an, dass der direkte Bezug der Band zum Festival die Entscheidung der Kuratoren diese Gruppe einzuladen mitbeeinflusst hat, konnten BUNNY LAKE doch nicht im geringsten an das gewohnte musikalische Niveau der CROSSING EUROPE NIGHTLINE anschliessen. Naja was solls, BENGA heute abend wird diesen musikalischen Albtraum bestimmt vergessen machen hofft Ihr Dan Rocker.
danRocker - 21. Apr, 10:34