Dienstag, 28. April 2015

für lei(n)wand - gegen oasch

Passend zum Ende des Filmfestivals brach heute eine Schlechtwetterfront über Linz herein. Der Platz vor dem Festivalzentrum war wie ausgestorben. Und schon ist auch die zwölfte Ausgabe des Festivals wieder vorüber. Zeit für ein kleines Resümee.

Zunächst einmal möchte ich meine vollste Zufriedenheit mit der diesjährigen Nightline, also dem kostenlosen, täglichen Konzert- und DJ-Programm am O.K-Mediendeck, kundtun. Dank eines neuen Notausgangs (praktischerweise wurden die nach diversen Sponsoren benannten Stahl- und Holztürme über den Dächern des O.K. dank neuer Wegführung zusätzlich auch zu Fluchtwegen für das Mediendeck umfunktioniert) durften dieses Jahr 150 Personen mehr am nächtlichen Ausklang teilnehmen als in den Jahren zuvor. Dadurch herrschte dieses Mal keine gähnende Leere am Freideck, wenn die Scharen zum Konzert ins oberste Geschoß zogen. Gleichzeitig war es nie wirklich überfüllt, aber auch nirgends menschenleer.

Die Programmierung der Bands und DJs war wie jedes Jahr hervorragend. Man merkt, dass auf Abwechslung geachtet wurde. Die Bands vermochten - man kann sich schon längst darauf verlassen - erneut, mit neuen wie alten Einfällen, Kombinationen verschiedener Einflüsse und Musikstile, das Publikum zu faszinieren. Ganz besonders möchte ich hier das letzte Konzert des diesjährigen Festivals, die Band Pollyester aus München, hervorheben, die dem ganzen quasi die Krone aufgesetzt haben. Obwohl Linz - frei nach einem israelischen Sprichwort* - die Stadt ist, in der eher gearbeitet wird (erkennbar daran, dass Sonntagnacht nach dem Konzert alle ziemlich schnell nach Hause mussten und das DJ-Programm vorzeitig (!) um 2:30 mangels Publikum beendet werden musste), schaffte es Pollyester in der Nacht darauf nocheinmal das "verbliebene" Publikum vollständig in ihren Bann zu ziehen und trotz nur halb gefüllten Saals eine Stimmung zu entfachen, wie sie die ganze Festivalwoche nur selten erreicht wurde.

Pollyester
nightline-pollyester

Das Filmprogramm selbst war wie immer unglaublich dicht und unbewältigbar für eine Einzelperson. Aber trotzdem hab ich es geschafft, ein paar Hightlights herauszupicken, zu denen u.a. der (Mit-)Gewinner des Hauptwettbewerbs zählt: der serbische Film Varvari / Barbarians. Diesen Film würde ich zu jenen paar Schmankerln des Programms zählen, denen ich auch in freier Wildbahn - also abseits eines Filmfestival-Rahmens - gute Chancen geben würde. Bleibt zu hoffen, dass sich hierfür ein Verleih findet - und vielleicht auch von der serbischen Community aufgegriffen wird.

Zu den Filmen, die ich unbedingt sehen wollte, es aber bis zuletzt nicht geschafft habe, zählen die Wettbewerbsfilme "Chrieg" und "Hide and Seek", aber auch der französische Film "Brooklyn". Von der Story her - und der Publikumsandrang spricht eigentlich für sich - würde ich Hide & Seek auch gute Chancen beim (Programm)Kino-Publikum in Österreich einräumen.

Fazit

Überhaupt sollte der europäische Film mehr Stellenwert in Österreichs Kinos erhalten. Aber genau deswegen gibt es dieses Festival ja. Der Bewusstseinsbildungs-Prozess hat hoffentlich längst eingesetzt. Bis aber auch bei den Publikumsmassen größeres Interesse an Filmen entsteht, von denen die meisten wahrscheinlich nie gehört haben und nie hören werden, wird noch viel Wasser die Donau hinunterfließen müssen.

Eines der größten Hindernisse für den europäischen Film - abseits von inhaltlichen Fragen - ist und bleibt nunmal leider die fehlenden bzw. lächerlich kleinen Werbe-Budgets, die die kleinen Verleiher und Vertriebe für "ihre" Filme aufbringen können. Und damit ist man der Hollywood-Konkurrenz nunmal hoffnungslos ausgeliefert. Ganz egal ob "Shrek", Teil 7, oder "Saw", Teil 38 - diese Filme schöpfen aus dem vollen Sortiment zeitgemäßger PR- und Werbe-Möglichkeiten. Plakate, Radio, TV-Spots, (gekaufte) Filmankündigungen in den großen Tages- und Wochenzeitungen, Interviews mit (Star-)Hauptdarstellern oder auch einfach nur (prominent ausgewählten) Synchron-SprecherInnen. Ja sogar die Zeit im Bild "empfiehlt" jede Woche den neuesten Release aus Hollywood - ganz egal, worum es geht. Sobald ein Filmstar vorkommt, ist der "Nachrichtenwert" gegeben. Aber welcher europäische Schauspieler, welche Schauspielerin, könnte schon behaupten, eine europaweite oder gar weltweite Anziehungskraft auszustrahlen? Seit Brigitte Bardot? Und Gérard Depardieu hat auch längst viel an Strahlkraft verloren ...

Und ja, ich kenne Christoph Waltz. Soweit mir bekannt ist, erlangte dieser seine Berühmtheit und Popularität erst mit seiner ersten Hollywood-Rolle, während vorher nur wenige von seiner Existenz Kenntnis genommen hatten. Oder anders gesagt: Europäische Filmstars gibt es praktisch nur noch in Hollywood. Und das ist auch nichts neues. Die Frage müsste aber lauten: Wie viele hundert Jahre denn noch?

Nun, was bleibt mir anderes übrig, als festzustellen, dass das Crossing Europe aktuell und wichtig ist wie in den ersten Tagen und dass noch viel zu tun ist, dem europäischen Film jene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wie es ihm - in Europa - nunmal gebühren würde. Wer sonst soll europäische Geschichten aus europäischen Perspektiven erzählen oder aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen kritisch und filmisch hinterfragen, wenn nicht europäische Filmschaffende? Und wie sonst sollen diese Filme vom Publikum wahrgenommen werden, wenn nicht durch (noch) größere Anstrengungen, die besten europäischen Filme ins ihnen gebührende Rampenlicht zu rücken?

Insofern: Auf viele weitere Jahre Crossing Europe - und auf mutigere Verleihe, Kinobesitzer und zuguterletzt: auf ein mutigeres Kinopublikum, das Filme nicht (nur) zur Flucht aus der Realität und zur Zerstreuung "gebrauchen" möchte, sondern (auch) als Mittel zur Reflektion von sich selbst, aber auch der Gesellschaft, in der wir leben, begreift.

* "Haifa arbeitet, Jerusalem betet, Tel Aviv feiert" - übersetzt ins österreichische würde das in etwa bedeuten: Linz arbeitet, Salzburg betet, Wien feiert

aus pietätsgründen hier kein ramones titel

nur einige fakten zum historischen hintergrund von BLOKADE von sergei loznitsa. leningrader blokade durch die nationalsozialistische wehrmacht. dauer:8.9.1941 bis 27.1.1944
16.470 zivile bombentote
ca. 1. mio zivile tote durch unterernährung
930.000 tote soldaten rote armee
725.000 tote soldaten wehrmacht

kommentarlos verbleibt
Ihr
dan rocker

EUROPA DURCHQUEREN

geschätzte crosser,

ein paar erwähnenswerte dinge:

* die kameraführung, bei dem eine gopro auf den schultern des protagonisten fixiert scheint, ist immens in. gefällt mir, um ins geschehen zu kommen, bei zu viel laufen sind halt nur noch farbflächen zu erkennen.

* warum zeigte die uhr am amaturenbrett in "tussen 10 en 12" eigentlich 14 uhr irgendwas? sollte das nicht, naja, irgendwas zwischen 10 und 12 sein?

* kann ich als xe-bloggerin überhaupt den publikumspreis gewinnen? weil ehrlich leute, ich hab schon hunderte solche zettel ausgefüllt....

* mehr splatter für die nachtsicht! ich denk immer noch gern an red vs. dead 2!!

* dass die trendige filmlänge sich von 140 min wieder auf etwa 80 reduziert hat, dafür danke ich dem trend & allen filmemachern!

* "padrone e sotto" ist NICHT das selbe kartenspiel wie "präsident & arschloch"

* trumer ist nicht mein liebelingsbier

einen verregneten kinotag wünscht,
eure madita

GERMAN ANGST

werte nachtsicht-liebhaber,

das war wohl das schlechteste seit langem - und so schließe mich zu 100% meinem kollegen an. beim 1. teil war ich inhaltlich noch halbwegs dabei, zumindest mein grauslichkeiten-verlangendes herz kam auf seine kosten. aber schon hier pflanzten sich leise bedenken ob der miesen sprechstimme & dem allzu stoischen spiel. beim 2. teil, dessen nazi-schergen-polen-hasser-klischee-story ich nicht weiter kommentieren möchte, stiegen aber bereits aggressionen ob der wirklich auffallend miesen schauspielleistung in mir hoch. der 3. porno-rammstein-ukrainischeprostituierte-teil ließ dann aber keine fragen mehr offen.

resumee: schlechte stories, schlechte schauspielleistungen, schlechte musik - wäh. ernsthaft, wer macht sowas?

thumbs down,
eure madita

i believe in miracles

GERMAN ANGST von, naja eigentlich egal. 2 teilfilme habe ich durchgestanden, beim 3., der nach wie vor läuft, habe ich aufgegeben. durch die bank grottenschlecht gespielt, fallen die 3 teilfilme vom inhaltlichen niveau kontinuierlich ab. billigste cliches, mieserable musik und bestenfalls drittklassige optische umsetzung. dann schon lieber "die angst des tormanns beim elfmeter "
doch nun zu erfreulichen dingen: ich möchte hier meinen ausdrücklichen respekt vor und dank an die mitarbeiterInnen der gastrobetriebe aussprechen. den dauerstress der letzten tage souverän und immer freundlich durchzustehen ist eine meisterleistung.
genug energie für den endspurt wünscht
Ihr
dan rocker

THE LONG WAY HOME

liebe cineasten,

ein dritter wettbewerbsfilm hat es gestern noch in mein persönliches programm geschafft: "El Camíno Más Largo Para Volver A Casa" des katalanischen regisseurs Sergi Pérez. ohne die hintergründe zu erläutern, beobachtet der zuseher einen gebrochenen mann, der zusehends den boden unter den füßen verliert & mit aller macht das vergessen sucht.

elcamino

ein intensiver film mit einem großartigen protagonisten Borja Espinosa, der die frage aufwirft, wie sehr sich der eigene kosmos verengt, wenn die welt zusammenbricht. was tut persönlicher verlust mit dem eigenen selbst? zählt dann nur noch man selbst in der trauer oder gibt es doch noch raum für menschliches verhalten?

großartig auch die Q&A mit 4 machern dieses werkes, weniger wegen des infogehalts als vielmehr bewusstseinserweiternd ob der sprachbarrieren :)

und nun endlich splatter?
es bittet herzlich darum,
eure madita

cretin hop

"Du hast deinen maximal zur Verfügung stehenden Plattenplatz überschritten." Gut, dann eben kein Bild mehr...

MONUMENTI von Eva Hausberger portraitiert, wie auch dem Programmheft zu entnehmen ist, den albanischen Küntler und Bronzegießer Ladi Metani. Der Film gibt dabei neben (was für einen Portraitfilm wenig verwunderlich ist) Einblicken in die Arbeitsweisen sowie die Gedankenwelt des Hauptprotagonisten auch die Chance einen Eindruck vom alltagsleben dieses, nach wie vor vielen hierzulande fremden, Adriaanrainerstaates und bleibt mit seinen 72 Minuten angenehm kompakt.
MÜHLHEIM TEXAS - HELGE SCHNEIDER HIER UND DORT von Andrea Roggon portraitiert, wie auch dem Programmheft zu entnehmen ist, den deutschen Jazzmusiker und Küntler Helge Schneider. Der Film gibt dabei (was für einen Portraitfilm wenig verwunderlich ist) Einblicke in die Arbeitsweisen sowie die Gedankenwelt des Hauptprotagonisten. MÜHLHEIM TEXAS wird Helge Schneider Fans bestimmt auch nach dem Festivals in den Kinos und zuhause vorm DVD-Player begeistern, für mich persönlich - der ich bis gestern ca. 20h Hr. Schneider gegenüber völlig neutral eingestellt war - war äußerst spannend und überraschend zugleich zu sehen, was für ein Arschloch dieser Herr sein kann. Ob er sich nun dabei beobachten lässt, wie er seine Musiker bei Proben fertig macht, oder völlig unpassende "Witzchen" über die Beine der Filmemacherin macht, gratuliere Helge, zumindest einen Gegner hinzu gewonnen!
Nichtsdestotrotz wünscht ihnen einen schönen und filmreichen letzten Festivaltag
Ihr
dan rocker

Montag, 27. April 2015

AND THE SNOW GLOBE GOES TO....

verehrte gemeinde,

und die gewinner von xe 2015 sind:

preise

ich natürlich traditionell daneben... aber auch wenn alles sicherlich seine berechtigung hat, hätte ich mir von herzen einen preis für CHRIEG gewünscht. mein absolutes festival-highlight. schade!

morgen letzter tag: ein letzter versuch splatter zum frühstück zu kriegen, doch noch ins movie 3 zu kommen, im regen dann doch drin zu essen im kroko. und natürlich resumee zu ziehen. und kein hopfenspiel mehr zu trinken (schmeckt übrigens ohne häme seitens herrn rocker besser...).

auf auf, da geht noch was!!

nächtliche wünsche,
eure madita

PUBLIKUMSBEFRAGUNG - BITTE MITMACHEN!

Liebe Freundinnen und Freunde von Crossing Europe!
Wir brauchen euer Feedback und bitten euch, laden euch herzlich ein, an unserer Publikumsbefragung teilzunehmen, die in Kooperation mit dem FÖFF – Forum österreichischer Filmfestivals durchgeführt wird.
Als kleines Dankeschön verlosen wir unter den TeilnehmerInnen einen Festivalpass für CROSSING EUROPE 2016 sowie zwei Eintrittskarten für die Festivaleröffnung des IFFI – Int. Filmfestival Innsbruck, das heuer von 2. bis 7. Juni bereits zum 24. Mal stattfinden wird.
HIER GEHT´S ZUR ONLINE-UMFRAGE: http://www.crossingeurope.at/survey2015
Es gibt aber auch Papierformulare beim Festival ... :-)

MASTER & SERVANT

geschätzte sonnenbad-widersteher,

aus der prallen sonne des wunderbaren krokos verabschiedete ich mich bereits um 13:30 uhr richtung movie 2, um "Padrone e Sotto" des schweizers - mit italienischen wurzeln - Michele Cirigliano zu sehen.

padrone

der regisseur, dessen eltern aus dem süditalienischen dorf tricarico stammen, erzählt herrlich unaufgeregt über das leben in dem ort, wo nicht viel zu tun ist. neben dem spiel, dessen regeln entweder in den genen liegen oder aber - meine vermutung - je nach stimmung erfunden werden im baralltag die machtverhältnisse immer wieder ausgestritten. laut, schäbig, grob geht es hier zu, entbehrt aber nicht eines gewissen charmes. als frau möchte man da aber nicht wirklich leben....

summa summarum: endlich ein film, dem ich nicht völlig erschüttert entschwand!

sonnig,
eure madita

Angels of Revolution - Aufstand in der Sowjetunion

Der russische Film Angels of Revolution (2014) von Regisseur Alexey Fedorchenko befasst sich mit dem sogenannten Kazym-Aufstand Mitte der 1930er-Jahre in Stammesgebieten von Naturvölkern in der damals im Aufbau begriffenen Sowjetunion.

Die Urvölker der Chanten und Nenzen sollen "zivilisert" werden - die Kinder werden in neu errichtete Internate gesteckt und ihnen wird die eigene Sprache verboten. Nach den ersten Aufständen soll eine Gruppe "Bohemiens" die sozialistische Revolution in der Gegend auf Kurs bringen. Mit "Avantgarde" und wissenschaftlichen Errungenschaften versucht die von der Regierung entsandte Gruppe, das "Herz" der lokalen Stämme zu gewinnen. Oder vielleicht doch eher "nur" das Hirn. Was offenbar zu kurz greift.

Trotz guten Willens mangelt es den sowjetischen "Zivilisatoren" aber an Respekt. Auf einer Insel im See soll eine Göttin leben - eine Kultstätte ist dort angebracht. Fischen ist im See verboten. Die Gesandten des Staates begeben sich aber trotz Verbotes auf die Insel und entweihen die Kultstätte, in dem sie dort angebrachte Masken sich selbst aufsetzen, damit herumtanzen und Filmaufnahmen davon anfertigen, die sie später auch noch vorführen werden ... Die Absicht dahinter scheint eher jene gewesen zu sein, den "Primitiven" zu "beweisen", dass es keine Götter, und auch keine Göttin, gibt. Keine gute Idee.

Heiligtümer werden entweiht ...
angels-of-revolution

Nachdem über eine Stunde lang die (sowjetischen) Protagonisten vorgestellt und dem Zuschauer/der Zuschauerin verständlich gemacht wurden, endet der Film, dessen Verlauf lange Zeit offen bleibt, relativ plötzlich. Nach einem rituellen Fest (mit Beteiligung und Einbindung der Gesandten), bei dem alle Stammesangehörige Holz-Masken tragen, liegen (fast) alle sechs ProtagonistInnen des Films als Leichen in einer Hütte auf dem Boden (der letzte erschießt sich selbst).

Die Rache lässt nicht lange auf sich warten - und wird nur angedeutet. Nun liegen die StammesbewohnerInnen als Leichen auf dem Boden (ein paar Kinder sind scheinbar auf sich alleine gestellt dem Massaker entkommen).

Andeutungen auf systematische Morde an Minderheiten gab es bereits zum Beginn des Films, als litauische Schauspieler wegen "Verdachts auf einen Aufstand" prophylaktisch ermordet werden. Dem jüdischen Regisseur am Theater wird unmissverständlich klar gemacht, dass auch für ihn der Tag noch kommen werde. "Jede Frucht hat ihre Saison", sagt eine Sowjet-Offizierin im Film zu ihm, nachdem die litauischen Schauspieler - nur die Männer - von der Bühne geholt und hingerichtet wurden.

Bis heute haben die (verbliebenen) Angehörigen der Naturvölker im heutigen Russland mit dem Raub ihrer Kultur zu kämpfen - und mit der vollen Anerkennung ihrer Souveränität. Viele wurden in Holzhaus-Siedlungen umgesiedelt, andere ziehen als Nomaden immer weiter in den Norden, um der Umweltzerstörung durch die Erdölindustrie zu entkommen.

Sehr gut gemachter Film mit viel Diskussionsanspornen ...

teenage lobotomy

der allmorgentliche ausflug in den wahnsinn entführte mich heute ins baltikum. THE MAN IN THE ORANGE JACKET von aik karapetian vereinigt elemente des klassischen gewerkschafts-splatters mit bildsprachlichen anspielungen aus dem genre des nekrophilen psychothrillers. herausragend in ihrer nebenrolle, die gailer-zwillinge. ein erotisch aufgeladenes ableben wünscht ihnen
Ihr
dan rocker

today your love, tomorrow the world

femme-brutal

Mit FEMME BRUTAL von Liesa Kovacs und Nick Prokesch gelang es mir nun doch auch einen Beitrag zur neuen Programmschiene Cinema Next Europe zu sehen. Die beiden Filmemacherinnen widmen sich in ihrer gelungenen und leichtfüssigen Dokumentation der Wiener queeren Burleskszene. Die Künstlerinnen erhalten viel Raum um überihren Zugang zu Nacktheit, Identität und politisches wie sexuelles Selbstverständnis zu erzählen. Natürlich kommen die künstlerischen Performances auch nicht zu kurz. Etwas schade fand ich, dass die ebnefalls in Wien existierende Boylesqueszene im Film nicht vorkommt (1) und es für unbedarfte FilmkonsumentInnen so erscheint, als könnten sich nur Frauen gepflegt aus ihrer Kleidung schälen. "Runter mit der Wäsch!" fordert
Ihr
dan rocker

(1) Ich hoffe, das dieses Thema nicht ausgerechnet in jenen 5 Minuten, in denen ich Biernachschub holen war, behandelt worden ist...

REALITY

wunderschönen montag morgen,

nachtrag zum gestrigen kinotag - der surprise film war wirklich eine wunderbare überraschung: "Réalité" von Quentin Dupieux. zur allgemeinen einstimmung ein hübsches musikstück:

https://www.youtube.com/watch?v=OL2FazadHoQ

und wenn euch diese musikempfehlung absurd erscheint, dann seht euch erst diesen film an! um die grundhandlung - ein gelangweilter kameramann will sein 1. filmprojekt realisieren & erhält den zuschlag, sofern er das perfekte stöhnen mit oscaraussichten findet - ranken sich episoden, die lose verstrickt sind.

Alain-Chat-dans-Realite-de-Quentin-Dupieux

mit fortschreitender handlung wird die grenze zwischen realität & fiktion zusehends verschwommener. und das auf herrlich amüsante weise. wunderbar auch die filmidee des gelangweilten kameramannes: tv-geräte töten mittels wellen (titel des film: "WAVES") die menschheit. ja genau, weil fernsehen blöd macht!!

go see this, folks!
herzlich,
eure madita

Sonntag, 26. April 2015

lonely hearts

geschätzte crosser,

was für ein kino-tag! ausschließlich über die maßen sehenswerte filme, großteils schwer zu ertragen.

CHRIEG von Simon Jaquemet ist laut seinem schaffer "ein schreckliches märchen in den schweizer bergen". eine allzu wahre ankündigung. wegen jugendlich rebellischen benehmens wird ein 16jähriger in ein boot camp in die berge verschleppt - jeder "re-sozialisierender" maßnahmen entbehrend.

chrieg

TUSSEN 10 EN 12 von Peter Hoogendoorn hingegen zeigt den prozess der kenntnisnahme eines furchtbaren schicksalsschlages durch die einzelnen familienmitglieder.

tussen

rührt der eine film an gesellschaftliche verrohung und ausflucht in gewalt, so steht dem der individuelle schock im trauerfall gegenüber. warum sie dennoch so viel gemeinsam haben in meiner wahrnehmung? in beiden ist die einsamkeit ein vorherrschender & bedrückender faktor.

matteo, protagonist in "chrieg" und beeindruckend gespielt von Benjamin Lutzke, fühlt sich in seinem "normalen" leben allein gelassen & kompensiert dies mit absurden hilfeschreien wie dem nach hause bringen einer prostituierten oder dem kurzzeitigen entführen seines baby-bruders. in keinerlei zusammenhang steht die ohnmacht seiner eltern, die ihn mitten in der nacht in ein besserungscamp abholen lassen. schon da bricht das zuseher-herz gemeinsam mit matteos. in den bergen angekommen wird er angekettet, in einen gitterkäfig gesperrt, muss draußen schlafen, scheiße fressen. und wird schlussendlich in die irren-gemeinschaft aufgenommen, die nachts in discos schlägert, drogenkäufer fesselt, autos anzündet & schlussendlich matteos vater krankenhausreif schlägert. zu den eltern zurückgeholt, läuft er zu fuß ins bergdomizil zurück, wo niemand mehr ist. das ende des films. wahnsinn. klar, ein film endet, wo ein film endet, aber denkt dieses konstrukt mal zu ende. was wird wohl nun aus matteo? fügt sich sicher blendend wieder in die gesellschaft ein....

chrieg2

eine andere einsamkeit erleben die mitglieder der familie der verstorbenen tochter. die aufnahme der nachricht und der anschließende schock gehört ihnen ganz allein. großartige schauspielleistungen aller in diesem stillen film. großartige regieleistung. diese minuten nach dem erkennen, was da nun geschehen ist, verbringen sie am rücksitz eines poizeiautos. völlig still. gebrochen. und als zuseher gibt es keine möglichkeit, sich diesen gedanken zu entziehen. die stille lässt die eigenen gedanken auf unerträgliche art denken, was man denken würde.

voller herzschmerz,
eure madita

poison heart

CHRIEG von simon jaqumet war der für mich bislang am schwersten zu verdauende film des diesjährigen crossing europe. ein 16jähriger delinquent findet sich in einem sozialarbeiterischem bootcamp wieder, wird dort extremst sadistischen praktiken ausgesetzz, seine persönlichkeit erfolgreich gebrochen und - gelungene soziale arbeit - in die verbrecherischen und gewalttätigen aktionen der gang involviert. ach ja, gescheiterte liebe und aussichtsloses ende inklusive. verstört verbleibt
Ihr
dan rocker

Buy Buy St. Pauli

Mit Buy Buy St. Pauli, Angels of Revolution und A Blast hab ich gestern einen besonders intensiven Kino-Tag hinter mich gebracht. Vom Konzert von L//NES hab ich nur noch die letzten paar Stücke mitgekriegt. Vor dem DJ-Team Kommune 22 hab ich dann irgendwann "flüchten" müssen. Nichts gegen Queen, ABBA und den Ghostbusters-Soundtrack - aber irgendwie hab ich mir hinter dem Pseudonym der DJanes doch etwas radikaleres vorgestellt.

Dem Publikum hats jedenfalls gefallen - vor allem bei Queen's "Don't stop me now" sind die Leute regelrecht durch die Decke gegangen. Das Rauchverbot war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr haltbar - "having a good time" - eine Ketten(raucher)reaktion machte sich im Saal breit (was ich in diesem Fall wirklich für entschuldbar halte).

Der Kampf um die Esso-Häuser in Hamburg-St. Pauli

Da es ja, wie Kollege Rocker schon angemerkt hat, leider keine Presse-PCs mehr gibt auf dem Festival-Areal und meine Smartphone-Tastatur bereits twittern zur Qual macht, komm ich leider erst heute dazu, die gestrigen Film-Highlights nochmal Revue passieren zu lassen.

Vor allem Buy Buy St. Pauli verdient eine nähere Betrachtung. Der Film knüpft im Prinzip dort an, wo Empire St. Pauli (2009), der 2010 schon am Crossing Europe gezeigt wurde, aufhört. Damals ging es um die Gentrifizierung des Schanzenviertels und den Widerstand durch KünstlerInnen, denen es widerstrebte, selbst zur Gentrifizierung beizutragen. Ich habe schon damals ausführlich dazu gebloggt.

Im neuen Film des Regie-Duos Irene Bude und Olaf Sobczak geht es um die Entstehung und Entwicklung einer BürgerInnen-Initiative, um nicht zu sagen: Widerstandsbewegung, die sich am geplanten Abriss der "Esso-Häuser" in Hamburg-Mitte entzündet.

buy-buy-2

Die Esso-Häuser wurden in den 50er-Jahren errichtet und waren zwei Beton-Wohnblöcke mit kleinen Balkonen, der namensgebenden Tankstelle im Erdgeschoss und großzügigen Grünflächen. Trotz aller Abgeranztheit der Häuser verband die BewohnerInnen viel mit diesem einst "zukunftsweisenden" Gebäudekomplex. Das Erdgeschoss zum Spielbudenplatz hin verfügte über eine über die Jahrzehnte gewachsene Bar- und Gewerbezeile, die natürlich auch eine soziale Funktion als Treffpunkt, Stammlokale und Identifikationsorte erfüllten.

Der Widerstand gegen den Abriss durch den neuen Eigentümer, Bayerische Hausbau, lag aber nicht so sehr darin begründet, dass die BewohnerInnen nötige Investitionen abstreiten würden. Im Gegenteil: Jahrzehntelang wurden die Instandhaltungspflichten des Eigentümers vernachlässigt. Renovierungen wären längst überfällig. Doch wie sich bald rausstellt, ist es dafür bereits zu spät. Abriss und Neubau erscheint dem neuen Eigentümer deutlich lukrativer - und nach einem Gutachten über den Zustand der Gebäude gehen den Sanierungs-BefürworterInnen bald die Argumente aus.

Was dennoch stehen bleibt nach all den Jahren Widerstand im Kampf mit und gegen die Politik, ist der Fakt, dass die BewohnerInnen für vernachlässigte Eigentümerpflichten "büßen" müssen. Denn während Politik und Eigentümer gerne betonen, dass der Eigentümer nunmal "anschafft" wos langgeht, und die MieterInnen das nunmal "akzeptieren" müssten, fällt ein als Sprichwort bekannter Umstand unter den Tisch: "Eigentum verpflichtet". Aber wer kontrolliert die Instandhaltungspflichten? "Gibt es dafür keine Behörde?", fragt einer der (ehemaligen) Bewohner an einer Stelle in der Doku. Und fügt noch hinzu: "Für mein Auto muss ich alle 2 Jahre zum TÜV" - aber bei Wohnhäusern kann man jahrzehntelang ohne Konsequenzen dem Verfall zuschauen?

Als I-Tüpfelchen werden auch noch ein paar Zahlen - wunderbar dargestellt als animierte Karton- und Papier-Figuren - genannt. Nämlich, wie viel das ganze einst in den 50er-Jahren gekostet hat (6 Millionen D-Mark, also - ohne Inflation - 3 Millionen Euro) - um wieviel das ganze an die Bayrische Hausbau verkauft wurde (17-18 Mio. Euro) und wieviel Reichtum die Immobiliengesellschafts-Eigentümer in all den Jahren angehäuft haben, während man den delogierten AltbewohnerInnen gerade mal einen "Geschenkkorb" mit Gebrauchsgegenständen wie Zahnbürste und Duschgel zukommen lässt, quasi als "Entschädigung". Dass es überhaupt Ersatzquartiere gab, nach der nächtlichen Delogierung des gesamten Wohnblocks, ist auch nur zähen Verhandlungen mit der Bayrischen Hausbau zu verdanken, die wirklich jeden Cent zehn Mal umdreht - obwohl sie Millionengewinne erwirtschaftet.

buy-buy-3

Im Verlauf der Jahre - die der Dokumentarfilm bis 2014 abdeckt - hat nicht nur in den Esso-Häusern, sondern in ganz Hamburg und darüber hinaus ein Nach- und Umdenkprozess eingesetzt - mit noch unklaren Folgen.

Was jedoch gut zu sehen ist, wie die Politik, in Form des Bezirksvorstehers, im Laufe der Jahre immer mehr einknickt und sich immer mehr gezwungen sieht, sich mit den BewohnerInnen zu solidarisieren - auch, wenn ihm das nur schwer über die Lippen geht und er in Wahrheit stets das Neubauprojekt unterstützt hat. Dennoch. Bevor ein Neubau durchgeführt werden kann (der Abriss ist mittlerweile vollendete Tatsache), muss das Grundstück umgewidmet werden. Die Bezirksvorstehung hat bereits angekündigt, die klassische "Drittel-Lösung" (1/3 sozialer, 1/3 mittleres Segment, 1/3 Eigentumswohnungen) zu einer 50/50-Widmung umzuändern. Also 50% "sozialer Wohnraum" (wobei unklar bleibt, was man sich in Hamburg darunter genau vorstellen darf).

buy-buy-4

Die Forderung der ehemaligen BewohnerInnen der Esso-Häuser, die vielfach eine Option auf Rückkehr in den Neubau unterschrieben haben, ist jedoch: 100% sozialer Wohnbau. Dafür haben sie auch Berechnungen vorgelegt, wonach sich im Gegensatz zu den ursprünglichen Wünschen der Bayrischen Hausbau der Gewinn von knapp 20 Mio. € in 10 Jahren (?) auf 0,7 Mio. € reduzieren würde (hier ein Clip aus dem Film zur Veranschaulichung). Die Bayrische Hausbau ist darüber logischerweise "not amused". Überhaupt dürfte man den Widerstand deutlich unterschätzt haben - und die Geschichte ist auch noch nicht zu Ende.

buy-buy-1

Ein Container - eine Art öffentliches Planungsbüro, genannt Planbude - zur Information, aber auch zur Beteiligung und zum einreichen von Vorschlägen und Wünschen, wurde 2014 vor der Brache aufgestellt. Nun wird eifrig experimentiert, wie Stadtteilbevölkerungen möglicherweise auch in Zukunft bereits von Anfang an besser in (große) Bauvorhaben eingebunden werden können. "Demokratische Baustelle" lautet das Stichwort - "Stadtplanung nicht Investoren überlassen" die Losung.

Hier ist viel in Bewegung geraten und man darf gespannt sein, wie das ganze letztlich ausgeht - und ob es über Hamburg hinaus Vorbild-Effekte entfalten kann.

Heute um 20 Uhr lauft der Film zum zweiten und letzten Mal in der Kapu. Wer's nicht schafft, muss auf die DVD warten. Der Film wurde jedenfalls mit Creative Commons lizenziert, was die Verbreitung zusätzlich erleichtern sollte. Wer den Film in seiner eigenen Stadt vorführen möchte (was ich sehr empfehlen kann), soll sich einfach an die Regisseurin & den Regisseur wenden, am besten über die Webseite: http://www.buybuy-stpauli.de

my brain is hanging upside down

sodala, mein ausflug in die welt des punkrock ist beendet, nun kann ich mich wieder ganz dem festival und seinen filmen widmen. das obligatorische horrorfrühstück konnte heute mit einem überraschungsfilm aufwarten. REALITY von quentin dupieux stand auf der speisekarte. ein äußerst amüsanter daueralbtraum (ohne hopfenspiel) vor dem hintergrund der filmindustrie. ein geruhsames nachmittagsschläfchen wünscht
Ihr
dan rocker

FLOTEL EUROPA

sonntägliche festivaler,

kurz vorm surprise film der kategorie nachtsicht (*spannung*) ein update meines sehr unentschlossenen tages gestern: nach einigem hin & her entschied ich mich für "flotel europa" des serbisch/dänischen regisseurs Vladimir Tomic.

CE15_WD_Flotel-Europa_01-K

leider die falsche entscheidung: ich fühlte mich lange 70min, als würde ich ein wirklich dickes fotoalbum einer mir emotional fern stehenden person an. kann klappen, hat es bei mir nicht.

und nun auf auf zu meiner lieblingsschiene :)
erwartungsvoll,
eure madita

Samstag, 25. April 2015

havanna affair

leider schaffte ich es nich im rahmen fes festivals THE LONG MARCH von philip huemer zu sehen. gestern kam ich um 16:33h aus TUSSEN 10 EN 12 aus dem saal, die weltpremiere begann um 16:30h... heute bin ich im auftrag meiner eigenen punkrock mafia ausserhalb des crossing europe staatsgebiet unterwegs. hoffentlich gute projektionen nachträglich wünscht
Ihr
dan rocker

i wanna be your boyfriend

fuerimmer

Was gibt es schöneres als einen Tag mit gefühlvollem homoerotischen Arschfick und gepflegtem Kannibalismus zu beginnen? AMOR ETERNO von Marçal Forés führt einen zum romantischten Plätzchens Barcelonas, einem Swingerhain nebst einem herrlichem Autobahn-Rastplatz, wo die Pfeile des Amors nur so durch die Luft schwirren. Selbst gebrochene Herzen finden hier ihren Platz und können ihre liebesbedingten Traumata auskurieren. Gut, für den einen oder anderen Herzensbrecher eine lethale Therapie, kleinlich braucht man in diesem Falle wirklich nicht zu sein... Die Redewendung "Ich finde dich zum Anbeißen süß!" erhält durch diese spanische Romantikkomödie, die unerklärlicherweise im Rahmen der Nachtsicht präsentiert wurde, eine völlig neue Bedeutung. Guten Appetit wünscht
Ihr
dan rocker

AMOR ETERNA

auf der suche nach immerwährender liebe mag es unzählige ratschläge & zugänge gegeben haben. neu ist mir der von Marçal Forés in "Amor Eterno / Everlasting Love":

* gebrochene herzen versammeln sich im lonely hearts club, deren einzige bedingung (außer natürlich dem herzschmerz) abgegessene gliedmaßen sind

*wer liebt, tötet & isst den andern auf

amor

in ständiger erwartung furchtbar grauslicher schlachterszenen im wald nahe barcelona ist es unmöglich, sich in diesem film nur eine sekunde zu fadisieren. überraschenderweise kippt es aber nie richtung splatter (naja, ganz kurz am schluss vieleicht ein bisschen), sondern läuft stringent auf das unausweichliche zu. wunderbar inszeniert, schön absurde story, perfekter tagesbeginn!!

amor2

ach und leute: wenn ihr in einem horrorfilm mitspielt, nehmt um himmels willen keine 4 jugendlichen mit in eure wohnung. kann nur schief gehen.....

blutrünstig,
eure madita

hopfenspiel, eine anmerkung...

man höre & staune, auch nach 2 tagen wissenschaftlich belegter abneigung gegen das hopfenspiel kann sich mein werter kollege herr rocker seiner anziehungskraft nicht völlig entziehen. wenn es auch zu erneuter ablehung führt:

IMG_2308

we want the airwaves

bmovie

Yes! Noch ein weiter Festivalhighlight und das gleich am zweiten Tag! B-MOVIE LUST & SOUND IN WESTBERLIN gestern in der KAPU ließ mein Herz aufgehen. Ausgehend von der Geschichte des Musikers, Labelbetreibers, Uniformenfetischisten und Lebemenschen Mark Reeder, derin den späten 70iger Jahren der nicht minder interessanten Stadt Manchester den Rücken kehrte um nach Westberlin zu ziehen, wird die Geschichte eines einzigartigen kulturellen wie politischen Biotops erzählt. Von Punk zu Techno, vom Kalten Krieg zu David Hasselhoff und nicht zuletzt vom Rauchern im Fernsehn bis hin zu stolzen Schamhaarträgerinnen. Sehen sie sich das an! Und zwar am Sonntag um 22:45h im Movie 1 empfiehlt mit Nachdruck
Ihr
dan rocker

P.S.: Als kleinen Appetithappen kann ich noch einen Link zum Trailer anbieten: https://vimeo.com/116847987

P.S. 2: Ein Häppchen gibts noch: https://www.youtube.com/watch?v=eSJgf3_3T74

Freitag, 24. April 2015

Kreditis Limiti - oder Crime of Credit?

Tag 2 am Crossing geht vorbei. Da ich für Hide & Seek leider kein Ticket mehr bekam, blieb es für mich heute beim Viewing von Kreditis Limiti / Line of Credit. Der georgische Film gewährt uns tiefen Einblick in das Familienleben der Protagonistin Nino, deren Familie stellvertretend für das Schicksal von insgesamt mehr als 170.000 (!) Familien (allein) in den Jahren 2009 bis 2013 steht.

Die ehemalige Sowjet-Republik, die seit ihrer Unabhängigkeit 1991 immer wieder in Konflikt mit dem großen russischen Nachbarn stand, wurde von den letzten kriegerischen Auseinandersetzungen 2008 besonders schwer getroffen. Mit Russland als Schutzmacht erklärten die georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien ihre "Unabhängigkeit" (der Anschluss der Krim und der blutige Krieg um die Ost-Ukraine sind gewissermaßen ein Déja-Vu). Der Krieg traf die Bevölkerung schwer, Wirtschafts- und Kaufkraft gingen zurück - und immer mehr Menschen gerieten in eine Schuldenspirale, aus der sie nicht mehr herausfanden.

Erstaunlich "cool" scheint Nino in diesem Film - quasi als Haushaltsvorsteherin, gemeinsam mit Mann, Mutter und Tochter im Haushalt lebend, die scheinbar am laufenden Band eintrudelnden Rechnungen und Mahnungen zu "managen". Dass das Gas abgedreht wird, verhindert sie sprichwörtlich in der letzten Sekunde mit dem Gang zum Pfandleiher. Ein Gang, den sie im Film in etwa so häufig antritt, wie unsereins einen Bankomaten aufsucht.

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Dass ein geplatzer Grundstücksverkauf mit einem - windigen - Kredit (10% Verzinsung pro Monat!) "überbrückt" werden sollte, hat der langfristigen Finanzplanung des Haushalts auch nicht gerade gedient. Der laufende Zinsensdienst - 1.000 US-Dollar im Monat (die lokale Währung wird bei größeren Geschäften scheinbar gemieden) - übersteigt längst den Gesamtwert des Kredits (10.000 $). Nino verkauft immer mehr Haushaltsgegenstände, Freunde der Familie werden angepumpt - und am Schluss scheint ihr ein alter Schulkollege, den sie bei einem Klassentreffen wiedertrifft, eine langfristige Lösung verschaffen zu können. Ein "besonders günstiger" Kredit (den Zinssatz erfährt der/die Zuseherin allerdings nie) - einzige Bedingung: Sie muss ihr Haus als Sicherheit einsetzen - also verpfänden.

Und ähnlich überraschend, wie es in Georgien allein bis 2013 schon 172.800 Familien getroffen hat, trifft es auch den Kinobesucher, als bereits in der nächsten Einstellung die (offenbar gut ausfinanzierte) staatliche "Enteignungsbehörde" (anders kann man diese "Gerichtsvollzieher-Polizei" nicht benennen) vor allen Türen steht und die Bewohner des Hauses mit dem Räumungsbescheid konfrontiert.

Zwischen diesen letzten beiden Szenen im Film liegt nur ein Jahr. Was dazwischen passiert ist, wissen wir nicht. Fin.

Dieses abrupte - traurige - Ende ist wohl kein Zufall. Regisseurin Salomé Alexis erklärt im anschließenden Publikumsgespräch, dass sie für den Film praktisch gar nicht recherchieren musste, da 14 % (!) der Bevölkerung betroffen waren. Ihrer Beobachtung zufolge haben viele überhaupt nicht wirklich verstanden, worauf sie sich eingelassen haben. Die kommunistische Ära, in der es ganz normal war, "kein Geld" zu haben, dürften ebenso zum Unverständnis kapitalistischer Enteignungs-Taktiken beigetragen haben wie die - uns im Westen wohl besser bekannte - "bürgerliche Fassade", die im ursprünglich wohlhabenden Haushalt von Nino eine große Rolle gespielt hat. Geburtstagsfeste, Klassentreffen - eine neue Handtasche. Nach außen hin hat sich Nino nichts anmerken lassen. Überrascht reagiert ein alter Schulkollege, dem sie sich anvertraut, dass sie längst "alles verkauft" hat.

Der Film lässt einen nachdenklich zurück. Nicht so sehr, weil die Geschichte des Abstieges einer wohlhabenden Familie etwas wäre, womit sich besonders viele identifizieren könnten. Mehr, weil bis zum Schluss eigentlich niemandem außer Nino klar ist, dass das ganze Kartenhaus nur noch Millimeter vor dem Zusammenbruch steht. Oder niemand es wahrhaben wollte. Niemand offen darüber reden wollte.

Zumindest das dürfte sich nun, hunderttausendfache Enteignungen später, ein Stück weit geändert haben.

Der Film wurde übrigens komplett aus eigener Tasche finanziert. Um die eher aus symbolischen Beträgen bestehende georgische Filmförderung hat sich das Team rund um Salomé Alexis gar nicht erst bemüht. Umso erfreulicher, dass so ein (professionell umgesetzter) Film in Georgien überhaupt entstehen konnte und es nach Linz geschafft hat.

¡REVOLUCION!

werte festivalgemeinde, liebe menschen,

manchmalfällt es mir wirklich schwer, an das gute zu glauben. so empfinde ich, wenn menschen in news-kommentaren über andere menschen herziehen, die auf einer verzweifelten flucht im mittelmeer ertrunken sind. oder wenn milliarden wo auch immer aufzutreiben sind, um banken zu retten, nicht aber für bildung, sozialausgaben oder kultur. oder wenn volksmusiker sich als hetero in einer bedauernswerten minderheit sehen. oder wenn griechische eltern ihre kinder auf kirchenstiegen legen, da sie sie nicht mehr ernähren können. oder wenn menschen für gewinn ihrer existenz beraubt werden im ach so fortschrittlichen merkel-europa.

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"A Quién Conmigo Va - Those Who Go With Me" der spanischen regisseurin Amparo Mejías zeigt die volle härte der spanischen immobilienblase und ihrer folgen anhand einiger frauen, die nicht im geringste lust haben, sich das gefallen zu lassen. ganz nah am geschehen begleitet der zuseher die betroffene lola und die kämpferin maria und gewährt berührende einblicke in ihr tun.

der film hat mich thematisch und bildsprachlich vollkommen gefesselt. und mal wieder in revolutionsstimmung versetzt. wie kann das sein? "ganz normale menschen" (und ich sage das nicht, um manche nicht normale abzuwerten, sondern um die wahllosigkeit aufzuzeigen) werden aus dem system geschoben, ihrer existenz beraubt und völlig sich selbst überlassen. alte menschen, die ein haus mit eigenen händen gebaut haben, sollen von der bank ausgetrickst werden, um ihren lebensabend nicht in eben jenem haus zu verbringen, sondern auf der straße?!

abrazo-madre

menschen, wo ist die menschlichkeit geblieben?

konsterniert,
eure madita

now i wanna sniff some glue

zum aktuellen stand der umfrage bezüglich des hopfentraums, ah hopfenspiels:

hopfenalbtraum

grauenhafte plörre: 82,3%
spitzenbier: 6,6%
weintrinkerIn: 10,2%
ungültige stimmen: 0,9%

we're a happy family

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und wieder mal vom smartphone...(1) bezüglich WELP von jonas govaerts kann ich mich nur vollinhaltlich meiner blogger kollegin frau m. anschließen, ganz netter film, der leider nicht recht weiss wo er hin will.
restlos begeistern hingegen konnte mich TUSSEN 10 EN 12 von peter hoogendoorn. zwei polizeibeamtInnen fällt die undankbare aufgabe zu, eine familie vom unfalltod ihrer tochter zu informieren. wundervoll simpel umgesetzt entwickelt sich der film durch großartige schauspielerische leistungen aller darstellerInnen zu meinem bisherigen festivalhighlight. sonntag um 17:45h gibt es die nächste chance! einen großen taschentuchvorrat empfiehlt
Ihr
dan rocker

(1) nachträglich zuhause aufgrund eines grösseren zeitfensters bearbeitet

POTEMKINO

werte crosser,

traditionell startet es sich in den tag am besten mit der nachtsicht. da das nicht nur ich so sehe, mutiert das city 2 um 11 uhr beinahe zum klassentreffen. und so traf ich heute um 11 uhr alte bekannte bei WELP des belgischen regisseurs Jonas Govaerts.

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ein pfadfinderlager im französischen wald, bei einer stillgelegten fabrik, wo angeblich eine grauenvolle figur namens kai haust. mit von der partie sam, ein junge mit gewaltvoller vergangenheit. tja, was könnte nun passieren?

der film war gut, aber nicht restlos überzeugend. viele spannende momente, bildgewaltige episoden, schräge verbindungen wurden hergestellt - nicht nur 1x hörte man ein erschrockenes "huch" im kinosaal... was mich störte, war eine gewisse inkonsistenz in der handlung: die zart aufgebaute verbindung zwischen sam und kai, die in einem tödlichen kampf zwischen den beiden endet. die zu wenig ausgenutzte unterirdische fabriksanlage. die ständig im raum stehende kippe hin zum splatter, die nicht erfüllt wurde. hm. vielleicht wären das alles aber auch pluspunkte? kann sein. ich fühle mich indifferent diesbezüglich.

aber leute, ehrlich, wenn ihr in einem finsteren, sagenumwobenen wald über eine schnur stolpert, der ein klicken folgt: bleibt keinesfalls an genau der stelle stehen, an der ihr euch grad befindet!

hochachtungsvoll,
eure madita

the clown in my dreams....

liebe festivalgemeinde des jahres 2015,

die 12. ausgabe des crossing europe-festivals ist quasi bereits mittendrin. beim eröffnungsempfang wurde von den rednern wiederholt auf die politische situation der festung europe eingegangen - würden die politischen würdeträger ihre reden 1:1 umsetzen, wäre die welt (oder zumindest europa & das mittelmeer) ein ort, dessen man sich aus menschlichkeit weniger schämen müsste. lasst uns hoffen!

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und wieder habe ich mich in den am öftesten gespielten film des festivals verliebt - den trailer von Katharina Gruzei. ganz anders dieses jahr und sehr spooky. ich bin sicher, dieser clown wird mich die kommenden tage in meinen träumen verfolgen.

noch jemand, der dabei an donnie darko denken muss?
donnie-darko

auf spannende tage freut sich mit euch,
eure madita

the kkk took my baby away

schastye-moe-plakat-ukraine
Nun denn, endich Zeit mich an (m)einem Rechner der öffentlichen Filmaufarbeitung zu widmen. 127 Minuten Счастье моё/Schastye Moe/My Joy von Sergei Loznitsa mussten gestern reichen, um meinen cineastischen Heißhunger fürs Erste zu stillen. Sergei Loznitsa entführt einen in seinem Spielfilmdebut in eine kalte, schwer kriegstraumatisierte, auf jegliche Empathie zu verzichten scheinende Geselschaft. Gleich die erste Einstellung, ein lebloser Körper wird von zwei emotionslos wirkenden Männern über den Boden geschleift und in einer Baugrube einbetoniert, weist den Weg den dieser Film einschlagen wird. Satzfragmente wie "There is no friendship here" oder "This road leads to nowhere" nehmen früh den letzten Rest der Hoffnung auf einen Twist aus der Dunkelheit, dennoch konnte mich Schastye Moe die gesamte (Über-)länge lang fesseln. Dienstags um 18:30h kann man diesesn - flapsig formuliert - postsowjetische Variante von Hundstage im Movie 2 noch- bzw. erstmals genießen.
Die verbleibende Zeit - heiße 21 Minuten - zum eigentlich von mir im Anschluß eingeplanten Varvari/Barbarians von Ivan Ikić, der wie mir aus gewöhnlich gut informierten Kreisen berichtet wurde sehr empfehlenswert sein muß, erschien dann allerdings zu kurz und ich widmete mich dem gesellschaftlichen Leben auf der Nightline. Herrausragend DJ Hooray, weniger herrausragend jener Kapperljohnny, der mir den Abend versaute. Möge der Bastard in Trumer Hopfenspiel ersaufen, hofft
Ihr
dan rocker

P.S.: Beim beigefügten Filmpaktat handelt es sich um die ukrainische Version, im Text wählte ich die russische Version, daher rührt die Diskrepanz in der Schreibweise des Filmtitels

Donnerstag, 23. April 2015

somebody put something in my...

ein kurzer zwischenbeitrag bevor morgen erste gedanken zu den filmen folgen werden: das bei der nightline kredenzte bier. trumer hopfenspiel, umstritten im geschmack. meine beiden begleiterinnen schwärmen für dieses getränk, persönlich finde ich es ziemlich ekelhaft.
mehr vielfalt in der bierauswahl wünscht
Ihr
dan rocker

ps: gerne hätte ich ein passendes bild zu diesem beitrag beigefügt, doch lässt mich dies mein smartphone browser nicht. ein königreich für eine laptoptasche!

hey ho lets go

nun denn bloggen vom handy, ein völlig neues erlebnis! die presserechner wurden eingespart... das passt ganz gut zur tatsache, dass ich direkt von einer, zumindest zahlenmäßig erfolgreichen demo gegen einsparungen im sozialbereich in oberöstereich komme, aber zurück zum thema: die eröffnungsgala läuft noch, als gast weiss man nun, dass linz das valie export archiv ankaufen wird und dass lh pühringer kein zeitfenster für die eröffnung fand. angenehme tage und eine geeignete laptoptasche wünscht
Ihr
dan rocker

Los gehts! Erste Empfehlungen zum Eröffnungstag

Es ist so weit! Die zwölfte (12.!) Ausgabe des Crossing Europe Filmfestivals Linz startet heute! Von Donnerstag bis Dienstag (28.4.) wird Linz mit (rein von der Menge her) einem Halbjahresprogramm aller österreichischen Kinos bespielt (jährlich gibts in Ö. über 300 Kino-Starts) - mit dem kleinen Unterschied, dass es sich zu etwa 90 % um Filme handelt, die in keinen anderen österreichischen Kinos gezeigt werden und keine einzige Hollywood- oder US-Produktion darunter zu finden sein wird (ganz im Gegensatz zur Gesamtsituation in Österreichs Kinos, wo 70 % aller Kinobesuche auf Hollywood-Filme entfallen!).

160 Kurz- wie Lang-Spiel- und Dokumentarfilme werden in 180 Vorstellungen an insgesamt sechs Tagen die Leinwände der Linzer Programmkinos Moviemento und City Kino, sowie des Ursulinensaals im Landeskulturzentrum (und weiterer, kleinerer Spielstätten) in allen Facetten des europäischen, aber auch des lokalen Filmschaffens erleuchten.

Da ich weder alle Filme im Vorhinein (verlässlich) beschreiben kann - und auch nicht in allen Kinosälen gleichzeitig sitzen kann, möchte ich hier ein paar erste, subjektive Empfehlungen für (Eröffnungs-)Filme abgeben.

Varvari - Barbarians

Zunächst wäre da die serbisch-montenegrinisch-slowenische Koproduktion Varvari (Barbarians), die ich bereits im letzten Eintrag angesprochen und empfohlen habe. Hier geht es um Jugendliche und Hooligans aus der Nähe von Belgrad, mit deren "Orientierungslosigkeit" sich der Spielfilm auseinandersetzt. Angesichts der Ausschreitungen beim EM-Qualifikationsspiel Albanien-Serbien, das sogar in Wien-Ottakring zu Nachahmungseffekten und einer Konfrontation hunderter serbischer und albanischer Jugendlicher auf der Ottakringer Straße geführt hat, ein mehr als aktuelles Thema mit überregionaler Bedeutung. Was in den Köpfen der Jugend in der vom Krieg und der Verrohung (die Kriege immer mit sich bringen) gezeichneten Region vorgeht, dürfte dieser Film etwas verständlicher machen.

Varvari / Barbarians wird bereits heute am Eröffnungstag um 22:45 im großen Saal des Moviementos gezeigt (Movie 1) - und morgen Vormittag um 11:30 Uhr im City 1 folgt die zweite und letzte Aufführung des im Hauptwettbewerb startenden Films!

Ausschreitungen in Wien-Ottakring nach Länderspiel-Eklat in Tirana, Albanien am 14. Oktober 2014:
ottakringer-strasse-2014

Also nicht verpassen, noch heute Restkarten sichern ;)

Evdeki Ses - 22m² Österreich

Mit der zweiten großen Bevölkerungsgruppe, die (neben (Ex-)Jugoslawiern) im Zuge der "Gastarbeiter"-Politik nach Österreich geholt wurden - und die politisch besonders häufig angefeindet wird - beschäftigt sich der Dokumentarfilm Evdeki Ses - 22m² Österreich des Linzer Regisseurs Ufuk Serbest. Vor über 40 Jahren kamen türkische Gastarbeiter nach Österreich, ihre Frauen und Kinder holten sie meist nach. Auf engstem Raum und in den bescheidensten Verhältnissen mussten sie damals leben. Stellvertretend für eine ganze Generation an "Gastarbeitern", für die Oberösterreich zur neuen Heimat wurde, erzählen drei türkischstämmige Frauen ihre Geschichte. Unverblümt und mit bemerkenswerter Leichtigkeit.

Der Film wird heute (23.4.) um 19:45 Uhr im Ursulinensaal gezeigt - sowie am letzten Festivaltag (28.4.) um 16:30 Uhr im Movie 2.

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Crossing Europe Filmfestival Linz // 23. - 28. April 2015

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