Montag, 28. April 2008

Das Kreuz mit Europa

Wie kommt man in diese Festung hinein? Hält es das was es verspricht? Viele träumen davon, die Wirklichkeit sieht aber dann ganz anders aus. In Welcome Europa wurden Männer bei ihrer Reise durch Europa, auf der Suche nach Arbeit und dem täglichen Kampf ums Überleben begleitet, ohne sie ihrer Würde zu berauben oder neugierigen Blicken auszuliefern. Während die großen Kinosäle überfüllt waren und die Masse Schlange stand, war der kleine Saal im City Kino halb voll. Nach dem Rummel äußerst angenehm, aber doch bedenklich – und bezeichnend - wie gering das Interesse an dieser Thematik hierzulande ausfällt. Das muss ich erst noch verdauen.
Eure Anna Weniger

Sonntag, 27. April 2008

Charlys Love and other Sentiments

Die Preise sind vergeben, das Buffet ist geleert, die Partys sind vorbei und der letzte Film ist auch bereits am auslaufen. Das war Crossing Europe 2008. Die Wettbewerbsgewinner stehen fest. Aus meiner Sicht erfreulich ist hierbei, dass ich fast alle Filme, die einen der Preise oder eine Lobende Erwähnung bekommen haben, gesehen habe. Das ist allerdings nur auf den ersten Blick ein kurioser Zufall - auf den zweiten Blick beweist das eine gute Vorauswahl meinerseits ;-)

Im Vorfeld des Festivals hab ich mir im Programm alle Kurzbeschreibungen durchgelesen und jene Filme markiert, die besonders vielversprechend und interessant klingen. Von den 10 Wettbewerbsfilmen waren dies 3, die ich unbedingt sehen wollte: Charly, Love and other Crimes und Regarde-moi. Charly hat bekanntlich den Wettbewerb gewonnen und Love and other Crimes hat den Publikumspreis erhalten :-) Da ich allerdings nur diese 2 Filme gesehen habe (die ausgewählte Regarde-moi-Vorstellung war ausverkauft) fehlt mir leider der Vergleich mit den anderen Filmen. Ich kann allerdings sagen, dass Charly ein äußerst langatmiger Film nach jenem Muster ist, dass 90 % der Zeit nichts passiert, außer das irgendjemand irgendwohin geht, in die Luft schaut oder schläft. Ich weiß, eine Zeit lang waren solche Filme ziemlich angesagt, aber persönlich können mich solche Filme mittlerweile nur noch selten überzeugen.

Ein gutes Beispiel, wo dieses Konzept funktioniert hat, ist zum Beispiel Elephant (der vom "Columbine"-Schulmassaker inspirierte Film über jugendliche Attentäter, der die selben paar Stunden des Tags des Anschlags immer wieder, aus der Sicht verschiedener involvierter Personen, zeigt - wobei diese die meiste Zeit irgendwohin gehen, rumstehen oder rumsitzen. Der Film ist trotzdem relativ spannend, da man jedes mal um eine Perspektive reicher wird und man sehr gut mit den Personen "mitfiebern" kann - was sie wohl tun werden, was man selbst tun würde, was geschehen wird, geschehen sollte, etc...) Bei den vielen langatmigen "Geh-Szenen" von "Charly" vermisse ich higegen irgendeine Spannung oder ein sonstiges, Interesse erzeugendes Moment... Der Film bekommt erst mit den chaotischen Diskussionen der beiden eigenwilligen Hauptcharaktere etwas Witz. Offenbar sind es aber gerade die den Film dominierenden minimalistischen Szenen, in denen einfach nichts geschieht, die den Film als Gewinner im Vergleich mit den anderen 9 Wettbewerbsfilmen qualifiziert.

Sehr gut kann ich jedenfalls den Publikumspreis für "Love and other Crimes" nachvollziehen. Dieses Drama versprüht zwar nicht gerade gute Laune im Publikum - eher im Gegenteil ist der Film dermaßen emotional, dass man immer wieder den Tränen nahe kommen kann. Was den Film wohl als Publikumsliebling auszeichnet, ist, dass er trotz all seiner Tragik sehr schön erzählt ist und - ähnlich wie auch "Revanche" - immer wieder Hoffnung aufkommen lässt und tragische Szenen durch geschickt eingebaute humorvolle Kleinigkeiten aufheitert.

Bei den Local Artists hat der Gewinnerfilm (Market Sentiments von Barbara Musil) - den ich ebenfalls gesehen habe - wohl vor allem durch seine perfekt auf die animierte Rasterung der Landkarten abgestimmte, orchestralische Musikuntermalung für Aufmerksamkeit gesorgt. Einzige Schwachstelle war wohl, dass man als unbedarfter Zuschauer absolut keine Ahnung hatte, worum es eigentlich geht (nämlich um den Immobilienboom in Estland, worauf sich die Landkarten bezogen und die realen Grundstückseinteilungen nachanimiert wurden, wie man in der anschließenden Publikumsdiskussion erfahren durfte).

Was ich persönlich vom Festival mitnehmen werde, sind die vielen Diskussionen mit den Regisseuren. Egal, was man von den Filmen, die man gesehen hat, hält - die anschließenden Diskussionen mit den Regisseuren geben einem auf jeden Fall einen wichtigen Erkenntnisgewinn. Und als fleißiger "Wikipedianer" freut mich in diesem Zusammenhang auch sehr, dass ich Hafsia Herzi, Götz Spielmann, Thomas Heise und Stefan Arsenijevic (dessen Artikel ich auch gleich angelegt habe) vor die Linse bekommen habe - und die Wikipedia bzw. die ganze Welt damit um uneingeschränkt nutzbare, urheberrechtslose Bilder dieser Personen bereichert habe ;-) Auch das Crossing Europe profitiert aufgrund der Nennung als Ort, wo die Fotos geknippst wurden, auch mit einer weiteren Bekanntheits und Renommée-Steigerung ;-)

My name ist Ann!

Rechtzeitig zum Festivalausklang kommt die Sonne raus. Okay, okay, das Leben außerhalb von dunklen Kinosälen und Partys bis zum Morgengrauen ist auch ganz passabel. Der ideale Sonntag um mit Freunden die Woche noch mal Revue passieren zu lassen.
Ich werde bei Ankunft meiner Hirnreise bei Welcome Europe aus checken. Zuvor aber noch die letzte Change nutzen, die Ausstellung im OK zu sehen! Dafür hab ich die ganze Woche kein geeignetes Zeitfenster öffnen können. Zudem werde ich mir noch zwei Local Artists Vorstellungen reinziehen. Vielleicht hat man ebenso wie bei der Master Class die Möglichkeit diese Filme auch noch nach den Festival zu sehen. Running Sushi von Mara Matuschka war dabei das Highlight. Anschließend hat sie auch gleich die Moderation übernommen und mir ihrer sympathischen Art weitere Bilder in die Köpfe der BesucherInnen gezaubert.
Wie das halt bei Festivals so üblich ist, bekommt man zu Ende hin immer einen Kulturstress. Die Sucht hat einen längst gepackt. Der Rhythmus ist gefunden. Die eigenen Favorites entdeckt. Aber der Tag ist noch nicht zu Ende...
Eure Anna Weniger

Samstag, 26. April 2008

Aufstand

Was erblickten meine Augen heute Morgen im Spiegel? Nix! Nachhaltig inspiriert von Inside haben meine Sehsensoren eine Meuterei angekündigt und sind aufs andere Ende meines Kopfes gewandert, nur nicht rundherum sondern mitten durch! Glücklicherweise konnte ich mit dem nötigen Gesichtsbeton meiner revolutionierenden Anatomie kurzfristig eine Diktatur aufzwingen. Kein Wunder bei einem derartig t/vollen Programm!
Im Kino gibt’s keine Tageszeit. Und in der Nacht sind auch alle Kühe schwarz. Also sause ich los und finde mich keuchend im Kinosessel wieder.
Übrigens; in Serbien war’s echt sehr fein. Habe den äußerst charismatischen und lustigen Typen namens Kenedi kennen gelernt. Dasselbe gilt für Zelmimir Zilnik. Weil’s sich noch gut ausging, hab ich in Hamburg/Osdorf bei Maja Classen und ihren Jungs vorbei geschaut. So viel Testosteron an einem Tag muss man(n) mal aushalten. Am Abend hat dann Warrior Queen gezeigt wie's funktioniert. Mit der Fliegenklatsche ausgestattet geht’s nun ab zu Bad Blood. Oder doch Joy Division...
Eure Anna Weniger

seven

Kinder, seit ihr alle da!?!
Uups, heute hat mein Körper auf den Schlafmangel aufgrund des grossartigen Nightlineprogramms von gestern seinen Tribut gefordert und mich am rechtzeitigen Erwachen für mein tägliches Horrorfrühstück gehindert - Wecker ausgeschalten und sofort wieder eingeschlafen... Über FRONTIÈRE(S) von Xavier Gens kann ich daher nicht berichten. Schade. Um 15.30h war ich dann wieder fit genug, um mich ins City-Kino zu schleppen - GHOSTS stand auf dem Programm. Eine sehr berührende Spielfilmdoku über das Leben und Leiden, in diesem Falle, chinesischer ArbeitsmigrantInnen. Anschliessend begab ich mich in die KAPU um bei gut gekühltem (und günstigem) Krusovice ÜBRIGGEBLIEBENE AUSGEREIFTE HALTUNGEN von Peter Ott zu geniessen. Diesmal ein Film über die Goldenen Zitronen, mit dem die Band auch selbst zufrieden ist und der die verschiedenen Facetten dieser Popinstutition beleuchtet. Von trashigen Funpunk der Anfangstage bis zum Trendsetting heute.
Porsche, Genscher, Hallo HSV wünscht
Ihr DAN ROCKER

für König Ludwig (in hope he is still alive)

The concept of the 'patron saint' has been much-discussed back home in Britain this week, as April 23rd was St George's day - the day on which (some) English people celebrate the life and achievements of a Cappadocia-born soldier in the Roman army who never, it is reckoned, went anywhere near what's now the United Kingdom. The current debate is about whether the UK should have a saint to represent the whole country, in addition to George, Andrew (Scotland), David (Wales) and Patrick (who does double-duty for both Northern Ireland and the Republic of Ireland).

St Aidan would be the bookies' favourite for the "job", and as I'm from north-east England - where Aidan is already well-known and venerated - I should in theory be enthusiastic about his chances. Trouble is, the whole concept of the "patron saint" rubs me up the wrong way, combining two concepts - religion and nationalism - which I find myself increasingly opposed to the older I get.

Then again, I do think that an event like Crossing Europe should have a kind of a "patron saint": a guiding – and totally secular - spirit to whom we can all turn when times get rough (i.e. when we arrive late for an unexpectedly sold-out screening; misplace our favourite scarf in Moviemento 1; accidentally cause a revered Lithuanian auteur to fall down a flight of stairs - that kind of thing).

And who better than Ludwig Wittgenstein, perhaps the 20th century's greatest philospher, who (famously) spent several years at school in the city. Was there a cinema in Linz in 1905? Let's imagine that there was, and that it was here that young Ludwig developed the passion for the movies that was to sustain him throughout his troubled life:
“Wittgenstein was always exhausted by his lectures. He was also revolted by them. He felt disgusted with what he had said and with himself. Often he would rush off to a cinema immediately after the class ended. As the members of the class began to move their chairs out of the room he might look imploringly at a friend and say in a low tone, ‘Could you go to a flick?’ On the way to the cinema Wittgenstein would buy a bun or cold pork pie and munch it while he watched the film”from Ludwig Wittgenstein: A Memoir, by Norman Malcolm (Oxford University Press, 1958)

Wittgenstein's cinephilia is well known - as are his particular habits while inside the auditorium itself:
in the 1930s, whenever he felt exhausted and drained from his classes at Cambridge, Ludwig Wittgenstein would go to the cinema with a friend or some student. Ray Monk tells us that he would always sit in the front row, where he could probably immerse himself more completely in the stream of images and sound, and he preferred either westerns or musicals starring
the Portuguese-Brazilian Carmen Miranda.


Even now, several crossing Europeans keep the Wittgenstein spirit well and truly alive, always sitting front-and-centre, even if this means they're only a couple of feet away from the screen (CityKino 1!), even if it's a subtitled film which requires them to swivel their heads as if they're watching a particularly ferocious tennis match at Wimbledon. Myself, I favour the philosophy espoused by The Drifters, who in 1964 sang
Saturday night at the movies
Who cares what picture you see
When you're hugging wih your baby in the last row in the balcony


and then in 1974:
Kissin' in the back row of the movies on a Saturday night with you
Holding hands together you and I, holding hands together, ooh yeh
Smoochin' in the back row of the movies on a Saturday night with you
We could stay forever you and I, we could stay forever you and I
Smoochin' and a-kissin' in the back row of the movies


A consistency which even Ludwig W would surely applaud - from the front row, of course.

NY

http://www.youtube.com/watch?v=Z7_MYrVzU-Y

Friderday Day Fever

Samstag ist, und in 7 Stunden gibts bereits die Preisverleihung. Zeit für ein erstes Resümee :)

Hab von den Wettbewerbsfilmen bisher erst Love and other Crimes von Stefan Arsenijevic gesehen - leider. Denn gestern wollte ich Regarde-moi (Ain't scared) von Audrey Estrougo sehen, doch der Film, der im großen Movie 1-Saal lief, war bereits "ausgebucht", als ich eine halbe Stunde vor Filmbeginn eine Karte besorgen wollte. Ich werd mir den Film vielleicht noch am Sonntag um 13 Uhr ansehen - vorausgesetzt es gibt noch Karten. Auch Charly werd ich mir morgen um 15 Uhr evtl. noch ansehen.

Im Panorama hab ich ebenfalls Abstriche gemacht. Zum einen wegen der schrecklichen Nahverkehrssituation, die mir gestern This is England um 22.45 verunmöglichte (hatte keine Lust Auto zu stoppen und jeden Tag ein (AST-)Taxi kann und will ich mir nicht leisten) und zum anderen wegen den frühen Spielzeiten (zugegeben: 11.30 ist wirklich nicht besonders früh, aber ich müsste dann um 9.30 aufstehen ... und nachdem heute ein sehr langer Tag wird (Saturday Night) wollte ich mal ausschlafen) Dafür hab ich mir Revanche, das gestern um 11.30 lief, nicht nehmen lassen - und ich habs, wie bereits berichtet, alles andere als bereut.

Was ich jedoch gestern noch gesehen habe war die Kenedi-Trilogie (zumindest teilweise) und das "Must-Have", das Squatter Docs-Kurzfilmprogramm. Zu Kenedi: Den ersten Teil hab ich nach etwa 20 Minuten wieder verlassen, da ich nach Revanche keine Dokumentation über abgeschobene (gut integrierte, sprich in Deutschland geborene oder seit bis zu 16 Jahren dort lebende) Serben und Roma ertragen wollte. Das erinnerte mich auch zu sehr an die österreichische "Ausländer raus"-Politik wo das erste, was ein in Österreich (von ausländischen Eltern geborenes) Kind vom Staat bekommt, eine Ausweisung ist. Oder wo Schüler nach 9 Jahren Schulbildung in Österreich ins erste Flugzeug in die "Heimat", sprich Kosovo, gesetzt werden - fehlt nur noch, dass unsere Regierung das nicht als "Entwicklungshilfe" anrechnet und vom Entwicklungshilfe-Budget abzieht (von dem ja auch der Bundesheer-Einsatz im Tschad finanziert wird), mit der Behauptung, Österreich leiste Entwicklungshilfe indem Österreicher (und so muss man Menschen bezeichnen, die ihre gesamte Schulzeit, sprich ihr ganzes Leben außer vielleicht Geburt und erste 2, 3 Jahre, in Österreich aufwachsen und leben) ins Ausland - ein Land, das ihre Eltern, nicht aber die Kinder kennen - abgeschoben werden. Vielleicht ist es auch eine Art Imperalismus-Politik, dass Östereich versucht die Gebiete der ehemaligen Monarchie mit deutschsprachigen, mit österreichischer Identität geprägten, Personen zu besiedeln... Wir sind Kaiser - oder?

Also aus vielleicht verständlichen Gründen konnte ich mir diese Dokumentation Zilniks nicht fertig ansehen. Ich kam dann zum 3. Teil der Kenedi-Trilogie wieder. Ich sah mir den Film auch fertig an, aber wirklich begeistert war ich ehrlich gesagt nicht. Ich hatte mir mehr erwartet. Auch Zuseher, die die ersten Teile gesehen haben, fanden, dass der 3. Teil von der bisher dokumentarischen Machart abwich und fanden dies nicht gerade positiv. Zwar ist Kenedi ein witziger, wenn auch zugegeben ungeschickter und etwas einfältiger, Mensch, der sich seine Zukunftschancen, die er sich immer wieder erkämpft, auch unnötigerweise selbst verbaut. Aber die Machart, dass die Ereignisse der letzten 1 oder 2 Jahre nachgespielt werden (also eine "Spieldoku" oder wie man das nennt) gibt dem Film einen merkwürdigen Charakter.

Einen positiven Abschluss fand der Abend dann aber mit dem Local Artist Filmprogramm 3 "Squatter Docs", das leider nicht mehr gespielt wird. Leider daher, da sich gestern etwa 70 Leute um die 45 Plätze im "Kapu-Kino" rissen. Ich weiß nicht wie voll die erste Vorstellung war, aber vermutlich wär eine dritte Vorstellung oder Vorstellungen in größeren Sälen besser gewesen - aber das kann man natürlich im Vorhinein schlecht erahnen. Es ist jedenfalls auch positiv zu sehen, das so großes Interesse an den Local Artists herrscht (auch die Music/Animation/Shorts-Vorstellung am Donnerstag war sehr gut besucht, und die Linz Docs am Mittwoch im (zugegeben sehr kleinen) Movie 3-Saal war ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt).

Table-Bed-ChairEs herrschte jedenfalls sehr gute Stimmung in der Kapu, und interessant war im Anschluss auch die Diskussion mit den beiden Regisseuren der Dokus über besetzte Häuser in Amsterdam (Table Bed Chair, Robert Hack) und Rotterdam (Lost Spaces, Martin Music), da beide Dokumentationen wesentliche Unterschiede in ihrer Machart aufwiesen - Music' Doku war eher ruhiger und mit etwas distanziertem Blick (was auch seine Reize hat), Hack hingegen berichtete eher als "Insider", mit geschichtlichen Rückblicken und euphorischer Musikunterstützung bei "Action-Szenen" wie den Straßenschlachten in den 70ern/80ern. Also grundverschieden, aber sehr aufschlussreich, sehr interessant - und auch witzig. Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut ;-)

Freitag, 25. April 2008

šest

Guten Abend, die Madln, Servas, die Buam!
Puhah, Schauder, Räusper. Comiczeichner haben es leichter als Crossbloger Gefühlswallungen zu beschreiben. Unter solchen litt ich massiv, zumindest die ersten Minuten nach À L’INTERERIEUR/INSIDE. Doch die erwartungsvollen, vermutlich auf meine Gesichtsfarbe fokkusierten Blicke, der beim mittäglichen Cafe sitzenden KollegInnen im Stern, die den Film zum großteil bereits am Vorabend genießen durften, konnten mich wieder etwas beruhigen. Angeblich haben Julien Maury, Alexandre Bustillo und ihr Team beim der Produktion des Films sehr viel Spass gehabt, das Endergebniss lässt das Publikum dies jedoch kaum vermuten, es ist mit abstand das Ärgste das ich bisher auf einer Kinoleinwand gesehen habe. Dannach gings weiter zur Doppelvorstellung STAU - JETZT GEHT‘S LOS; MATERIAL / SPUREN von Thomas Heise. Ersteres eine Dokumentation über Neonazis aus Halle im Jahre 1992, phasenweise vielleicht etwas langatmig aber durchaus Aufschlussreich, wenn man sich für das Privatleben von brunzdummen Faschisten interessiert. MATERIAL / SPUREN im Anschluss war dafür das Sinnloseste das ich bisher auf einer Kinoleinwand gesehen habe: ungeschnittenes Rohmaterial, das zwar im Kopf Heises mitteinander in Zusammenhang stehen dürfte, bei mir und (hier getraue ich mich ausnahmsweise für andere zu sprechen) zumindest einem Großteil des Publikums nur Kopfschütteln hervorrief. Bei der zweiten Doppelvorstellung meines heutigen Crossing Europe Tags, NACIONALNI PARK; DARSMAT DHE PAMPERSAT handelte es sich um Filme, die vom DOKUCITY Festival in Prizen/Kosovo nach Linz geschickt wurden: Endlich einmal Bilder aus dieser Gegend, die nicht nur Krieg und Vertreibung sondern auch Lebensfreude zeigen.
Nicht vergessen möchte ich die gestrige Nightline, sowohl das TRAUMATIC TRUE MAGIC SUPASOUNDSYSTEM als auch die (Rest-)Italiener von RED WORMS FARM konnten nicht nur mich überzeugen!
Shake well heute Abend wünscht
Ihr DAN ROCKER

Große Empfehlung: Revanche

sodala ... habe grade Revanche von Götz Spielmann gesehen und nun bis zu Kenedy is getting married mal etwas Zeit :)

Goetz_Playman3-------------- Playman or Playboy? ----------->
Habe soeben das "Austrian Screening" Revanche von Götz Spielmann gesehen und bin sehr beeindruckt. Etwas gewundert hat mich, dass der Movie-Saal 2 mit etwa 50 Leuten nur halb gefüllt war. Vielleicht lags an der frühen Tageszeit (11.30), vielleicht wirkte aber auch die Spieldauer von 2 Stunden abschreckend. Ich weiß es nicht - Fakt ist, dass mindestens 50 Leute ordentlich was versäumt haben. Denn während manch anderer Film schon nach 50 Minuten, oder mancher Experimentalfilm schon nach 50 Sekunden ;-), langweilig wird, hat Revanche mit 120 Minuten keine Sekunde vergeudet oder Langeweile gestiftet. Könnte man im Vorhinein noch dazu geneigt sein, den Film als klassisches österreichisches Hardcore-Drama abzustempeln (Die New York Times hat ja mal geschrieben, "Austria is the world capital fo feel bad cinema"), muss man sich mit diesem Film - zum Glück - eines besseren belehren lassen.

Zugegeben, ich kannte bisher noch keinen von Götz Spielmanns Filmen, und weiß daher auch nicht, ob er in diese Schiene der "Austro-Dramen" einzuordnen wäre - aber wie auch immer - mit diesem Film ist er sehr geschickt und ganz bewusst diesem Muster entkommen. Der Film ist viel optimistischer, als man zuerst (und gerade bei Kenntnis klassischer österreichischer Filmdramen) erwarten würde, und auch als der Film selbst anfangs vortäuscht. Denn obwohl sich immer wieder Handlungsstränge zuspitzen, sodass katastrophale Ereignisse vorprogrammiert scheinen, gibt der Film seinen Akteuren um so viel mehr Verstand (und vielleicht auch Glück, statt üblicherweise Unglück) dass eben jene Katastrophen gerade nicht eintreffen. Schon im Bordell hätte alles eskalieren können, auch im Zuge des Banküberfalls hätte noch viel mehr schief gehen können, und in der Folge erwartet man eine bittere "Revanche" - allerdings baut der Film ja gerade darauf auf, dass plumpe Handlungsstränge, wie man sie als "geübter" Zuschauer oft erwarten würde (zb. Gewalteskalation, unglückliche/ungeschickte/tollpatschige Zufälle mit schweren Folgen, etc...) geschickt umgangen werden. Das einzige wahre Unglück - und darum gehts ja in dem Film - ist die Flucht nach dem Bankraub, bei dem die Geliebte des Bankräubers (die Prostituierte) ums Leben kommt.

Der Film heißt "Revanche" - also man kann schon ahnen, was dem unglücklichen Bankräuber nun in den Sinn kommt, als er erfährt, dass der Polizist und seine Frau in unmittelbarer Nachbarschaft seinen Großvaters am Land (dem er beim Holzhacken hilft) wohnen. Doch wer nun meint, sich den weiteren Verlauf denken zu können, irrt sich wieder gewaltig. Ich will nicht zu viel verraten, aber es kommt ganz anders, als es der Zuseher - und scheinbar auch die Charaktere im Film - erwarten würden. Nicht nur der Zuseher wird immer wieder überrascht, auch die Hauptpersonen überraschen sich gegenseitig immer wieder mit ungeahnten Aussagen und Handlungen, was dem Film auch einen gewissen Witz gibt.

Der Film ist einfach vorbildlich zusammengestrickt worden, und vermeidet eigentlich alle Fehler, die mir bei so einem Film einfallen würden. Fehler, wie ich sie etwa bei Filmen Hans Weingartners (Die fetten Jahre sind vorbei, Free Rainer - wirklich gute Filme, aber mit teils schweren dramaturgischen und anderen Fehlern, die dem Zuseher einfach weh tun müssen) oder auch Michael Glawoggers (noch bessere Filme, aber auch noch nicht so gut, wie das Potenzial der Geschichten wäre) kenne, erwartet und sucht man bei Revanche vergeblich. Das macht den Film so schön und spannend bis zur letzten Minute. Der beste Film den ich bislang am Festival gesehen habe, und der beste österreichische Film seit....?

PS: der Film startet am 16. Mai in Österreich

Splitter

Hhhhuuuuucccchhhhhh! Tief durchatmen und... Weiter geht’s.
Ja, es ist DAS einschneidende Filmerlebnis schlechthin! Selbst noch heute Morgen verspürte ich dieses komische Matschgefühl im Unterleib.
À L’Interérieur/Inside ist ein echt harter Brocken! Das Wissen um den Spaß während der Dreharbeiten, fließt bereits beim Vorspann den Abfluss runter. Mir ist kein Film in diesem Genre bekannt, der ähnlich vielzählig mit Reproduktions- und Kastrationsmetaphern bestückt ist wie dieser.
Rot ging’s dann auch weiter. Red Worm’s Farm haben ihre Instrumente geritten wie die Teufel! Meine Vorfreude endlich mal eine Frau auf der Bühne zu sehen, konnte ich aber leider bald in den Wind blasen. Mo Wador hat - aus scheinbar sehr wichtigen Gründen - ihren Gig absagen müssen. Die ausgehängten Infos dazu, hab ich aber in meinem Blutrausch nicht mehr aufnehmen können. Das werde ich heute nachholen. Und inzwischen warte ich gespannt, mit Blick auf http://profile.myspace.com/mowador, wo sie als nächstes live ihre Kunst zum Besten geben wird.
Mit dem noch immer anhaltenden Adrenalinschub von gestern Abend, werde ich den Rest des Festivals leicht ohne Schlaf auskommen und die Nächte durchtanzen. Vorher mach’ ich noch schnell einen Abstecher nach Serbien. Ich schreib’ eh! Eure Anna Weniger

einfach abhauen

10:36...eigentlich viel zu früh. war die gestrige nightline-night ja doch etwas länger. vogelgezwitscher. anfangs noch am gelben krokodil geritten, rauf in den partydschungel. red worms farm, die haben gas gegeben. wow. obwohl ich ja eher auf der electroseite des lebens stehe. lustige begegnungen. und wer ist diese mo wador? prinzipiell ganz egal. schon wieder wie ein spiegel. wollte ich nicht auch schon lange einfach alles hinter mir lassen? 180gradwendung und rauf ins abenteuer. verwirrt. what the heck was that? nightline als psychotherapie? ...to be continued

Donnerstag, 24. April 2008

Zwischendurch

Am dritten Festival-Tag habe ich nun sechs Filme gesehen. Und kein Gefühl mehr für Zeit. Den vom Sitzen bereits tauben Beinen, wird allabendlich schnell wieder auf die Sprünge geholfen. Davon ist gestern mit Sicherheit keins ruhig geblieben! Man, haben uns die eingeheizt oder wie man bei uns so schön sagt: „de Wadln vire g’richt“!
Wie voraus gesehen, hab ich meinen Plan für den Rest des Festivals bereits über Bord geworfen. Mit verstärktem Augenmerk auf das Panorama werde ich nun meine Europareise fortsetzen. Love, Beat & Beatbox und die Local Artist Pr. 2 kann ich dabei wärmstens empfehlen. Und die Kapu ist ja bekanntlich auch ein Garant für delikate Selektion. Gähnattacke ausgeschlossen. Als ich während einer Wettbewerbsvorführung, den schon etwas älterer Herren neben mir, mit Kopf im Nacken und speerangelweit geöffneten Mund erblickte, wusste ich nicht so recht ob er nur jetzt oder für immer eingeschlafen ist. Das Ende des Filmes brachte ihn dann doch wieder ins Leben zurück. Naja - mich auch.
Damit der Kreislauf wieder in Schwung kommt und um Beziehungskisten endlich mal von einem anderen Blickwinkel zu betrachten, werde ich mir gleich noch vor der Nightline Inside geben. Im Falle eben jenes will sich den Weg in die Freiheit erkämpfen, bewaffne ich mich vorsichtshalber mit einem Kübel vom Treppenaufgang. Red Worm’s Farm mit Mo Wador werden danach sicherlich wieder alles einrenken. Und mehr noch...
Eure Anna Weniger

vijf

Sehr geehrte CrossblogerInnen!
Gestern Abend konnte ich dank der Dokumentation LOVE, PEACE & BEATBOX von Volker Meyer-Dabisch einen Einblick in die (deutsche) Beatbox-Szene gewinnen und mit Genugtung feststellen, dass es selbst in Berlin eine starke Gegenbewung im Hip Hop zum stupiden deutschprachigen Gangsterrap gibt. Der Titel des Films enspricht dem Lebensmotto der führenden deutschen Beatboxer, batteln auf der Bühne gehört dazu, im echten Leben herrscht aber Verbundenheit in der Szene. Die Nightline gestalteten dann FINO und der aus Frankreich angereiste VICIARIOUS BLISS teilweise gemeinsam an den Turntables. Electronische Beats aufgelockert durch Sex Pistols - sehr schön! Bin schon gespannt ob das TRAUMATIC TRUE MAGIC SUPASOUNDSYSTEM das heute toppen kann...
Den heutigen Tag leitet für mich OTTO; OR, UP WITH DEAD PEOPLE ein, mehr Slapstik als Horror, aber meines Wissens der erste Film über schwule Zombies. Leider fehlte mir aber der Adrenalinschub, den gestern mittag [REC] ausgelöst hat, so pausierte ich bis 18.00h, um dann eine fast überrannte Vorstellung von THIS IS ENGLAND zu besuchen. Ein Film von Shane Meadows über das Heranwachsen im England der frühen 80iger. Bei diesem Streifen wären allerdings Untertitel hilfreich gewesen, da der englische Skinhead-Slang teilweise nur schwer zu verstehen war.
Babelfisch für alle wünscht
Ihr DAN ROCKER

The shortes way, but not legal

Attention all CrossingEuropeans! Were you in Linz on the 26th of October, 2006? It was a Thursday, if that helps your memory. No good? Well, unless your name happens to be Mary Pierce, and you are a professional tennis player (unlikely, I know), you’d be forgiven for “drawing a blank.”
Pierce was playing in a tournament here in Linz on that date, against Vera Zvonareva, when she suffered a particularly nasty injury. In the spirit of the original weblogs, which often consisted of just a list of webpages the blogger had visited that day, I now direct you to it at http://de.youtube.com/watch?v=WcG0RylJ8yE
It was posted by an individual calling themselves “Picsaver”, who rather heartlessly describes its contents thus: Mary Pierce tored [sic] her cruciate ligaments in the match against Wera Swonarewa at the WTA tournament in Linz. She cries in agony like hell. Awesome !!!”
There are evidently rather a lot of sick and/or sadistic folks out there, as at the time of writing this clip has been viewed no fewer than 427,574 times. But this doesn’t actually hold the record for the most popular Linz–related clip on the internet. That honour instead belongs to the somewhat self-explanatory ‘Car in the Subway’ (‘The shortes [sic] way, but not legal’), posted by ‘BlueAngel2006’ on 24th March 2006:
http://de.youtube.com/watch?v=un5UbyGRf-o
It’s debatable whether this clip – the music is, as experts on old-school Hamburg hip-hop won’t need reminding, An Tagen Wie Diesen by Fettes Brot (with Finkenauer), sampling Falco’s uber-notorious single Jeanny – shows Linz in a more appealing light than the Mary Pierce incident. Is this how the younger Linzers get their kicks these days, by putting their own lives (quite literally), on the line?
Or should we take some degree of comfort from the fact that, even in this modern age where security and safety are so dominant, there still exists a rebel element within society who isn’t just going to break the rules, but is going to broadcast the fact to the world on the internet.
Of course, merely by viewing the clip it could be argued that by even looking at the clip you have added to the hit-count and thus have boosted the its prominence, and thus inadvertently encouraged others to engage in similarly foolish / reckless /antisocial acitivity.
Here we see, yet again, the pleasures and inescapable dangers of the moving image – worth remembering in this of all weeks. And in a way, Crossing Europe itself is a little like that speeding car: the way it zooms eyecatchingly, audaciously, intriguingly, unavoidably, though what is, for the rest of the year, a rather quiet, perhaps even sleepy city, leaving a variety of impressions, from openjawed admiration to blank–faced bemusement, in its noisy wake. We, of course, are the passengers: and we ride, and we ride.

achterbahn

ein paar stunden später. stiegen rauf, rauf, rauf, ums eck zurück an den selben ort. musik liegt in der luft, rosa freideck mit verlassenen stühlen, schwarzes nass, trockener himmel, trockener wein, flüssiges plaudern. sounds like a cosmic story. schockierende verwandlungen. wieder diese menge leute. faszinierend. die freude ist gross. mobilisierte masse. und fette beats. VICARIOUS BLISS. tanzen, springen, wirbeln, jubeln. oh baby, we definitely are pretty vacant! dann abwärts, langsam, mühsames fortbewegen. und wieder rauf, rauf, rauf, immer schneller im höhenflug. killing in the name of? immer dem dirigenten nach. plötzlich war dieser abend wie ein spiegel. ständiges auf und ab und hin und her und rundherum. im schwindel dann raus in die frische linzer stahlstadtluft, nach hause. heller tag, spannender tag, donnerstag. sonne geniessen. in freudiger erwartung auf die heutige nacht.
und bitte: mit viel pfeffer und minze!

und nun ein pfefferminz zum aufwachen

mit einem tag verspätung:
gestrige ergüsse - oh ja, ich meine den regen - hinter uns gebracht, ein paar stunden schlaf später mit etwas flauem magen und einer rauhen stimme: ein kleiner lesebeitrag zur nightline. obwohl filmfestival gibts hier nur senf zum abendprogramm. etwas verloren bereits um 10 am partydeck, sinnierend bei einem gläschen rotwein - der falsche ort zur falschen zeit im falschen universum. wo sind die menschen? ein wimpernschlag später, tausende gesichter im raum. lonely soldier among moviefanatics. hypnotisiert bewegte gliedmassen zu den rhythmen des DJs vor dem eigentlich schwarzen roten samtvorhang - nette abtanzende barmänner und heiße heiße luft. dann die frontale, alles aufsaugende bombardierung mit bruckmayr-sound. aufgabe der selbstkontrolle und einfach bewegen, bewegen, bewegen. altbekannte neubekannte unbekannte gesichter. city politics. questionmarks. alcohol and cigars. und irgendwann hörte es auf zu regnen.

Tag 2 is vorbei

Tja, Didi Bruckmayr blieb mir gestern verwehrt - habe ich doch kein Auto und ist das Nahverkehrsangebot im Großraum Linz nach wie vor auf ein Minimum beschränkt.... musste den letzten Zug der Mühlkreisbahn um halbelf erwischen :-/ Heute hab ich allerdings ein kleines Risiko gewagt und zu Gunsten der Nightline Auto gestoppt... (bei der Gelegenheit hab ich erfahren, dass es kaum 20 Jahre früher mit dem ÖPNV noch viel schlimmer ausgesehen hat... da standen in der Urfahraner Rudolfstraße, der Ausfallstraße ins westliche Mühlviertel, allabendlich bis zu 15 Leute (Schüler, Studenten) die nach Hause mussten, da der letzte Zug respektive Bus schon um halbsieben gefahren sein dürfte... daher wohl auch der bis heute nicht abgeschüttelte Begriff "Linz ist Provinz". Dem gesamten Linzer Kultur- und Nachtleben wäre sehr geholfen, wenn Busse und Züge nicht oft schon um 19 Uhr (einige Buslinien), 20 Uhr oder spätestens 23 Uhr (bis dahin übrigens im 1-Stunden-Takt, falls überhaupt!) fahren würden.

Naja aber nun wieder zurück zu erfreulicheren Seiten von Linz: das Crossing Europe etwa ;-) Hab heut zwar nicht wie geplant bereits ab 11 Uhr ein Kurzfilmprogramm und den Wettbewerbsfilm Charly gesehen (werds in den nächsten Tagen nachholen), dafür aber das erste mal im Gelben Krokodil gegessen, was auch ein sehr schönes Erlebnis ist :-) Hab dann am Abend das Kurzfilmprogramm Linz Docs gesehen - im kleinen, aber dafür restlos vollen Moviemento-Saal 3 - und gleich danach im Saal daneben Thomas Heises Stau bzw. Material/Spuren.

Trivial Europe, der Film, der den Hauptteil der Linz Docs ausmacht, eröffnete uns andere (bzw. überhaupt die ersten) Blicke auf fünf europäische Städte (Thessaloniki, Novi Sad, Linz, Essen, Liverpool) - und zwar aus der Sicht einiger Einheimischer, die mit bergmännischer Stirnlampe ausgestattet Lieblingsorte in "ihrer" Stadt zur Nachtzeit zeigen. Besonders gefallen haben mir hierbei die letzten etwa 15 bis 20 Minuten, wo man das tatsächliche Nachtleben zu sehen bekommt. Und natürlich nicht gerade jugendliche Diskos oder große Konzerte, sondern schlicht Lieblingsorte der "Guides". So sah man eine Gruppe von Leuten in Novi Sad mitten auf der Straße musizieren und tanzen, in Thessaloniki wurde zur Gitarre gesungen und in Liverpool führte uns ein Transvestit äußerst humorvoll in ihre/seine Lieblingsbar. Aus Linz und Essen gab es hingegen von keinen derartigen Ereignissen zu berichten... wir tanzen weder auf der Straße noch stimmen wir spontan Volkslieder zu Gitarrenmusik an, wenn man sich abends trifft... eigentlich schade, oder? ;-)

Mittwoch, 23. April 2008

Der Tag X – Once again

Für Außenstehende meist unerträglich. Eine Mischung aus Schaudern, doch aber mit einer gewissen Form von Faszination. Geht halt auch nicht ohne.
Tja, die Liebe ist ein einziger Musikclip. Bloß, über die jeweiligen Musikvorzüge lässt sich streiten.
Nach dem Eröffnungsfilm entsprechend auf den Frühling eingestimmt, überspringe ich einige Ebenen und finde mich auf dem Mediendeck, bei einem großen Hallo mit alten Bekannten wieder. Sozusagen ein Klassentreffen von Kulturschaffenden im positiven Sinn. Ansonsten ist im aufgeladenen Flirren noch Zurückhaltung geboten und vorerst sind nicht mehr als verstohlene Blicke zu erwarten.
Der Ausverkauf an Liebeserklärungen verteilt sich direkt über die Boxen auf die Menge, bis uns dann Extremcrooner Bruckmayr mit einem lauten
„Fuck You“ erlöst. bruckmayr
Beim Anblick jenes Muskelspieles hängen dann auch den werten Herren die Zungen bis zu den Knien. Jedoch war der werte Doktor für seine Verhältnisse auch eher zum Kuscheln aufgelegt, und entsprechend von der Rolle als ich mich meines Brustgeschirrs in Richtung Bühne entledige.
Unrelated wie ich bin (und wie ich mich, dem gleichnamigen Film entsprechend auch in weiterer Zukunft sehe), werde ich noch schnell vor der Nightline bei Otto vorbeischauen. Mit ihm in petto kann ja heute nix mehr schief gehen.
Na dann - gute Nacht!
Eure Anna Weniger

fyra

Liebe InterresentInnen!
Bevor die abendliche Nightline und ihre Begleiterscheinungen meine Erinnerungen an die
heute gesehenen Filme zusehr verblassen lässt, möchte ich noch ein paar Anmerkungen
loswerden. Die Dokumentation JOY DIVISION ist durchaus zu empfehlen, wenn auch die für
Manchester übliche Variante des Englischen, die zumeist gesprochen wird, für die eine
oder den anderen sicherlich Probleme bereiten wird. Untertitel gibts keine, FreundInnen
der Band sollten sich aber keinesfalls von einem Besuch des Films abhalten lassen. In
Kombination mit dem, vor kurzem im Moviemento gezeigten, Film CONTROL über Ian Curtis
gelangt man zu einem sehr abgerundeten Bild der Bandgeschicht sowie der Menschen hinter
den Musikern. Eine Frage blieb allerdings offen (danke Nici für die Anregung): Was wurde
aus Ian Curtis Tochter?
Und als Abschluss gebe ich noch eine Anregung weiter: Gefordert wurde ein Preis für die
Visuals bei BRUCKMAYR!
Die Erfüllung ihrer persönlichen Forderungen wünscht
Ihr DAN ROCKER

tres

Hochverehrtes Publikum!
Wie geplant eröffnete ich diesen, für mich ersten, Crossing Europe Tag mit [REC], einem Beitrag der NACHTSICHT Schiene. Und Puhh, ich muß zugeben dieser Streifen beindruckt, gerade am Vormittag genossen, nachhaltig. Mit der nun in mir wachsenden Skepsis gegnüber meinen BürokollegInnen muß ich leben lernen, doch glücklicherweise sind sie nicht so bissig wie die Protagonisten des catalaischen Zombiestreifens... Nachhaltig beeindruckt hat mich auch Didi BRUCKMAYR, der gestern mit seinem neuen Programm die Nightline 2008 eröffnete. Gemeinsam mit Alex Jöchtl wanderte er auf Pfaden der Pet Shop Boys und ließ das O.K. Mediendeck erzittern und die heimische Popkonkurenz blass aussehen. Der Publikumsandrang war, besonders für einen Dienstag enorm, bin schon gespannt wie sich die Lage an "traditionellen" Fortgehtagen wie Freitag oder Samstag entwickeln wird. Eindeutig verbessert hat sich eine andere Lage im Vergleich zu den Vorjahren, nämlich die geographische der Sanitäranlagen. Während sich der Weg, den selbst der verstorbene Kaiser eigenfüßig bewältigte, in den vergangen Jahren oft zur Odysee entwickelte, reicht es nun ein einziges Stockwerk abzusteigen um die, an der Bar erworbenen Seiterl wieder auszuscheiden.
Nun werde ich mich wieder weg von der Tastatur bewegen und mich erneut dem Festivalgeschehen zuwenden, es warten noch JOY DIVISION und LOVE, PEACE & BEATBOX, sowie eine neuerliche Nacht sowie weitere Hopfengetränke im Mediendeck auf mich.
Gute Leberwerte wünscht ihnen
Ihr DAN ROCKER

Nachtmähr

Die Mähr von der Nacht, die Nachtmähr, the Nightmare - Nachtsicht. So heißt die neue Programmschiene, die heute mit dem spanischen Horrorfilm [REC] gestartet ist. Ein wirklich grauslicher Film, den man nicht unbedingt aus der zweiten Reihe sehen sollte ;-) Zum einen, weil die Aufnahmen im Sinne der ungeschnittenen Fernsehreportage, die wir mit [REC] ja zu sehen bekommen, extrem verwackelt sind, was für die Augen rasch sehr anstrengend wird, und zum anderen, weil man die grässlichen Kreaturen (Zombie-Menschen) und das, was sie mit anderen Menschen tun, nicht unbedingt aus nächster Nähe sehen möchte. Trotzdem hatte der Film auch seine - teils beabsichtigten, teils wohl unabsichtlichen - komischen Szenen. Etwa wenn ... ach....... ich erzähl lieber nicht mehr weiter, der Film ist ja gerade erst angelaufen ;-)

Verwaltungsgliederung_-C3-96sterreichEs gibt ohnehin genügend anderes vom Eröffnungstag zu erzählen. Bereits die Eröffnung war ein kleines Spektakel, als die österreichische Verwaltungspyramide mit ranghohen oder -höchsten Vertretern jeder Ebene von unten nach oben abgearbeitet wurde. Zuerst kam Kulturstadtrat Erich Watzl zu Wort, gefolgt von Landeshauptmann Josef Pühringer und schlussendlich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Allesamt lobten sie die Organisation und die Bedeutung des Festivals, bewiesen mit glaubwürdigen Anekdoten, dass sie Ahnung haben, wovon sie reden und versicherten, dass das Festival auch 2009 und 2010 "finanziell gesehen sicher statt finden wird" (Watzl).

Spontanität wurde Watzl und Gusenbauer dann noch von einer kleinen, bunt als "Freak Show" verkleideten Aktivistengruppe namens "Migrawood" abverlangt. Eine der etwa drei bis fünf Frauen stürmte nach Beendigung von Watzls Rede auf die Bühne zum Mikrofon. Es ging offensichtlich um Immigrations- bzw. Integrationsfragen, wobei mir von den eilig vorgetragenen Worten nur noch in Erinnerung blieb, dass die Frau schon verheiratet sei, worauf Watzl konterte, er zum Glück auch schon... (wer den genauerern Wortlaut noch in Erinnerung hat möge diesen doch als Kommentar hier wiedergeben :-))

Gusenbauer im Gespräch mit einer "Migrawood"-AktivistinAuch Gusenbauer bewies im Umgang mit unerwarteten Zwischenfällen wesentlich mehr Feingefühl als etwa Sarkozy an der französischen Landwirtschaftsmesse (wo er einen provozierenden Besucher mit "armer Trottel" oder so ähnlich beschimpft hat). Nachdem Gusenbauer vom Rednerpult herabstieg, wurde er von der selben, verkleideten, schwarzen Frau gestellt und gefragt, wie das mit der Integration bzw. Immigration denn genau funktioniere (sinngemäß, habs nicht genau verstanden). Er, flankiert von seinen unauffälligen Bodyguards (die nur daher auffielen, da sie in dieser Situation plötzlich neben seinen Schultern auftraten, ansonsten aber wohl als Politberater oder dergleichen durchgegangen wären) stellte sich eine Weile den Fragen einer offenbar um korrekte Integration, so wie die Politik dies wünscht - wenn bloß klar wäre, was sie sich wünscht - bemühten Immigrantin, bis schließlich der weitere Veranstaltungsablauf eine Beendigung dieses Gesprächs vor der Bühne notwendig machte.

Hafsia-Herzi_2Nach der Eröffnungszeremonie, bei der auch die Hauptdarstellerin von La Graine et le Mulet, Hafsia Herzi (ist sie nicht herzig? ;-) -----------> das Publikum mit einigen Worten begrüßte, gabs ein innovatives Buffet in der Etage unter dem Mediendeck, wo die schätzungsweise sicher 300 Eröffnungsbesucher noch die eine oder andere Stunde verplauderten. Die anderen waren bereits in einer der Eröffnungsvorstellungen oder am Weg dorthin.

Ein kleiner Stimmungsdämpfer noch gegen Beginn der Nightline um 22 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt wurden alle Auf- und Abgänge, also beide Treppenhäuser, abgesperrt. Der Grund dafür ist mir etwas schleierhaft, zumal ich mich erinnern kann, letztes Jahr die Nightlines noch durch das Treppenhaus verlassen zu haben. Jedenfalls sorgte dies für den "Treppenwitz" des Abends. Im oder vor dem Lift herrschte ungläubiges schmunzeln über das Verwirrspiel. Kam nach 3 bis 5 Minuten Wartezeit (in der man auch als Greis das Treppenhaus zumindest ein Mal auf- und abgehen hätte können) endlich mal der Lift, fuhr er häufig erst mal genau in die "falsche" Richtung, blieb auch in jedem Stock stehen und sammelte immer mehr Leute, die eigentlich gar nicht Lift fahren wollen und schon gar nicht in diese Richtung. Ein paar deutsche Gäste meinten halb amüsiert und genervt an der Liftwand lehnend, dass sie nun gleich "die ganze Runde" gefahren seien, obwohl sie nur ins Erdgeschoss wollten. Andere Leute - wie ich etwa - meinten, dass zweite Treppenhaus (an der Dametzstraße) sei sicher geöffnet (wie letztes Jahr) und gingen erwartungsvoll alle vier Etagen nach unten. Statt einer geöffneten Tür versperrte uns dort jedoch eine Frau den Weg, die uns wieder nach oben zum anstellen beim Lift schickte... Jetzt verstand ich auch den alten Mann, der mir beim runtergehen entgegenkam und meinte "wo gehts denn da raus?" (ich dachte ja eigentlich unten ... und nicht oben, wo er hin ging...)

Lange Rede, kurzer Sinn: muss das sein? Die gerne mal 10 Minuten, die man sich durch Irrwege im Treppenhaus und Wartezeiten im und vor dem Lift "aufreißt", würden viele sicher lieber anders nutzen... Ich fühlte mich plötzlich wie in [REC] - eingesperrt in einem Haus, ohne zu wissen warum...

Dienstag, 22. April 2008

Lesereise

Über Filme lesen ist so eine Sache. Man hat sofort ein Bild vor Augen. Aber da haben wir’s ja schon: Ein Bild von einem Film machen...
Nein - das Filmmuseum ist was anderes!
Also hab ich mir kurzerhand von jeder Rubrik ein „Must See“ ausgewählt, von Panorama Europa und den Wettbewerbsfilmen etwas mehr, der Rest wird spontanen Empfehlungen von Cineasten meines Vertrauens überlassen. Lediglich die Nightline wird ein Fixstern am nächtlichen Festival-Himmel sein. Bin schließlich auch bei den körpereigenen Funktionen für gerechte und sinnige Arbeitsaufteilung. Zudem erwarte ich mit ängstlicher Spannung die blutigen Aussichten der neuen Nachtsicht-Schiene.
Letzte Vollmondnacht vorm OK wurde mir zur Einführung bereits von einer liebestollen Töle ans Bein gepinkelt. Hab sie kurzerhand mit der Automatik-Funktion meines Knirpses in die finstere Ecke, aus der sie raus gekrochen kam, zurückgepustet. werweniger1
Den braucht man übrigens auch in den nächsten Tagen. Die Wetterprognose für diese Woche ist perfekt um es sich im Kinosessel bequem zu machen!
Es ist kalt und schüttet wie aus Eimern. Erst ab Freitag werden wir in den
Pausen unseren Koffeinbedarf wieder
im Gastgarten zuführen können.
Für den persönlichen Festival-Timetable gilt auf jeden Fall: entspannt angehen und nicht zu viel vornehmen. Dann sieht man oft mehr als ursprünglich geplant. Auf die rechtzeitige Reservierung sollte aber trotzdem nicht verzichtet werden.
Weniger ist mehr! Das Mehr kommt
dann von ganz alleine.
Muss mal kurz telefonieren...
Eure Anna Weniger

Montag, 21. April 2008

Das erste Mal

In der Mitte auseinander, Nase rein und einen tiefen Zug nehmen, aaaahhhhhh...!
Wer kennt das nicht von warmen, ofenfrischen Semmeln auf den Frühstückstisch.
Die Rede ist hier vom (noch beinahe) druckfrischen Festival-Katalog. Ohne mir weiter Sorgen über meinen Fetisch zu machen, beginne ich mit dem Textmarker im Anschlag mein strebsames Unterfangen einen groben Überblick zu skizzieren. Zuerst kommt das Glücksgefühl, gefolgt von einem Schwindelanfall!
Ich war schon immer fasziniert von Science Fiction und der Vorstellung des Klonens. Tja, das haben sie leider noch immer nicht auf die Reihe gekriegt. Dann greif ich mal zurück auf den Old School, und den guten alten Stundenplänen die man am ersten Schultag zum ausfüllen bekommt.
Aber gibt’s da nicht mittlerweile so’nen praktischen Eierbecher mit Kalender-, Uhr-, Kamera-, Internet- und Telefonfunktion, der einen überall hin navigiert, egal ob Kino, Cafe, Party, Bett oder Klo? Tja, Ostern war schon, Kohle hab ich keine, aber Zeit - und die ist diese Woche viel wert!

So, das war mal mein erster schmerzloser Beitrag. Mal seh’n ob das auch mit der Erfahrung besser wird. In diesem Sinne: Weniger ist mehr!

Eure Anna Weniger

crossblog

Crossing Europe Filmfestival Linz // 22.-27. April 2008

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