Die 10 Local Artist-Langfilme
Nachdem ich vorgestern schon einen ersten Blick auf das äußerst umfangreiche Local Artist-Programm geworfen habe, möchte ich heute fortsetzen. Es bleiben ja immerhin noch 39 Produktionen (und nicht wie vorgestern fälschlicherweise erwähnt 34), deren Inhalte unterschiedliche kaum sein können.
Unter den 10 Local Artist-"Langfilmen", also über 20 Minuten langen Filmen, fielen mir mehrere Produktionen als besonders interessant auf. Als erstes blieb ich beim Essay-Film Sag es mir Dienstag hängen - übrigens der einzige dieser 10 Filme mit "richtigem" Vertrieb (also nicht im Eigenvertrieb), nämlich der auf Kurz- und Experimentalfilme spezialisierten Wiener sixpackfilm. In diesem Werk der aus Linz kommenden Schauspielerin und Filmkünstlerin Astrid Ofner geht es um vier Tage, über die wir nichts wissen, außer dem, was davor und danach geschah. Es sind jene vier gemeinsamen Tage des Schriftstellers Franz Kafka und seiner engen Freundin Milena Jesenská, dessen Ereignisse nur anhand derer Briefwechsel vor und nach dem Treffen erahnt werden können. Einem Briefwechsel, den Kafka als "geschriebene Küsse" bezeichnete. Astrid Ofner nähert sich diesen vier Tagen durch bildliche Assoziationen mit den Briefinhalten an.
Ebenfalls eine Auseinandersetzung mit Worten liefert uns Uwe-Daniel Kopps seven-hundred-forty-five, in dessen Zuge 745 Zitate aus Hollywood-Drehbüchern vorgelesen und mit unscharfen, der möglichen Filmkulisse nachempfundenen, Bildern kombiniert werden. In diese Bilder interpretiert sich der Zuschauer dann anhand des Textes selbst die Handlung hinein.... Eine mögliche Zukunftsperspektive für den österreichischen Film? Die Produktionskosten hielten sich zur Freude der staatlichen Filmförderung wohl in Grenzen und dürften rasch hereingespielt werden, da das Publikum garantiert nur das sehen würde, was es will ;-)
Den zweitlängsten Local Artist-Film dieses Jahres liefern uns heuer Die Fabrikanten, eine seit 1990 bestehende Linzer Medienkunstvereinigung. Sie zeigen uns Bilder eines "trivialen Europas" und durchbrechen damit die klischeehaften Bilder, die unsere Vorstellung von anderen Ländern und Städten dominieren. In Trivial Europe, so der Titel, sehen wir während 60 Minuten nächtliche Stadtwanderungen durch Novi Sad (Serbien), Thessaloniki (Griechenland), Essen (Deutschland), Liverpool (England) und auch durch Linz, wo uns Einheimische ihre Lieblingsplätze zeigen.
Neben den bereits vorgestern erwähnten "Squatter-Filmen" Lost Spaces und Table Bed Chair zählen noch die (bildende) Kunst- und Künstlerportraits Beni Altmüller, Da-Sein und Kunst im Süden zu den Local Artist-"Langfilmen". Diese interessieren mich allerdings weniger, da ich eher der darstellenden und geschriebenen Kunst als der gemalten und bildenden zugeneigt bin. Die thematische Gliederung des heurigen Local Artist Programms erleichtert dann auch die Auswahl der Filmprogramme. Eben erwähnte Kunst- und Künstlerfilme sind beispielsweise in den Programmen 6 (Performance / Essay) und 7 (Artist Docs) zu finden.
Ob ich mich für Programm 5 (Fiction) erwärmen kann ist dann allerdings trotzdem keine leichte Frage. Dort finden sich nämlich die beiden in meiner Aufzählung noch verbliebenen "Langfilme" Brachland und Vater Morgana. Denn während Brachland (mit 67 Minuten übrigens der längste Local Artist-Film dieses Jahr) nach einer einigermaßen spannungsfreien Geschichte einer Bergfreundschaft klingt, die eher durch eine schöne Bildsprache fesseln dürfte als durch eine abwechslungsreiche Handlung, macht Vater Morgana mit seiner vagen Inhaltsbeschreibung eines "Vater-Sohn-Konflikts irgendwo in Europa" (was in der englischen Beschreibung als Schachspielfeld in einem Linzer Park präzisiert wird ;-)), wo der Vater aufgefordert wird, in die Heimat zurückzukehren, neugierig. Denn wo diese Heimat ist, ist nicht mehr eindeutig. Ein Film der in Jugoslawien geborenen Linzer Kunstuni-Absolventin Sinisa Vidovic, der die Frage des "Hingehörens" am Beispiel seit langem in Linz lebender Zuwanderer aufwirft.
Unter den 10 Local Artist-"Langfilmen", also über 20 Minuten langen Filmen, fielen mir mehrere Produktionen als besonders interessant auf. Als erstes blieb ich beim Essay-Film Sag es mir Dienstag hängen - übrigens der einzige dieser 10 Filme mit "richtigem" Vertrieb (also nicht im Eigenvertrieb), nämlich der auf Kurz- und Experimentalfilme spezialisierten Wiener sixpackfilm. In diesem Werk der aus Linz kommenden Schauspielerin und Filmkünstlerin Astrid Ofner geht es um vier Tage, über die wir nichts wissen, außer dem, was davor und danach geschah. Es sind jene vier gemeinsamen Tage des Schriftstellers Franz Kafka und seiner engen Freundin Milena Jesenská, dessen Ereignisse nur anhand derer Briefwechsel vor und nach dem Treffen erahnt werden können. Einem Briefwechsel, den Kafka als "geschriebene Küsse" bezeichnete. Astrid Ofner nähert sich diesen vier Tagen durch bildliche Assoziationen mit den Briefinhalten an.
Ebenfalls eine Auseinandersetzung mit Worten liefert uns Uwe-Daniel Kopps seven-hundred-forty-five, in dessen Zuge 745 Zitate aus Hollywood-Drehbüchern vorgelesen und mit unscharfen, der möglichen Filmkulisse nachempfundenen, Bildern kombiniert werden. In diese Bilder interpretiert sich der Zuschauer dann anhand des Textes selbst die Handlung hinein.... Eine mögliche Zukunftsperspektive für den österreichischen Film? Die Produktionskosten hielten sich zur Freude der staatlichen Filmförderung wohl in Grenzen und dürften rasch hereingespielt werden, da das Publikum garantiert nur das sehen würde, was es will ;-)
Den zweitlängsten Local Artist-Film dieses Jahres liefern uns heuer Die Fabrikanten, eine seit 1990 bestehende Linzer Medienkunstvereinigung. Sie zeigen uns Bilder eines "trivialen Europas" und durchbrechen damit die klischeehaften Bilder, die unsere Vorstellung von anderen Ländern und Städten dominieren. In Trivial Europe, so der Titel, sehen wir während 60 Minuten nächtliche Stadtwanderungen durch Novi Sad (Serbien), Thessaloniki (Griechenland), Essen (Deutschland), Liverpool (England) und auch durch Linz, wo uns Einheimische ihre Lieblingsplätze zeigen.Neben den bereits vorgestern erwähnten "Squatter-Filmen" Lost Spaces und Table Bed Chair zählen noch die (bildende) Kunst- und Künstlerportraits Beni Altmüller, Da-Sein und Kunst im Süden zu den Local Artist-"Langfilmen". Diese interessieren mich allerdings weniger, da ich eher der darstellenden und geschriebenen Kunst als der gemalten und bildenden zugeneigt bin. Die thematische Gliederung des heurigen Local Artist Programms erleichtert dann auch die Auswahl der Filmprogramme. Eben erwähnte Kunst- und Künstlerfilme sind beispielsweise in den Programmen 6 (Performance / Essay) und 7 (Artist Docs) zu finden.
Ob ich mich für Programm 5 (Fiction) erwärmen kann ist dann allerdings trotzdem keine leichte Frage. Dort finden sich nämlich die beiden in meiner Aufzählung noch verbliebenen "Langfilme" Brachland und Vater Morgana. Denn während Brachland (mit 67 Minuten übrigens der längste Local Artist-Film dieses Jahr) nach einer einigermaßen spannungsfreien Geschichte einer Bergfreundschaft klingt, die eher durch eine schöne Bildsprache fesseln dürfte als durch eine abwechslungsreiche Handlung, macht Vater Morgana mit seiner vagen Inhaltsbeschreibung eines "Vater-Sohn-Konflikts irgendwo in Europa" (was in der englischen Beschreibung als Schachspielfeld in einem Linzer Park präzisiert wird ;-)), wo der Vater aufgefordert wird, in die Heimat zurückzukehren, neugierig. Denn wo diese Heimat ist, ist nicht mehr eindeutig. Ein Film der in Jugoslawien geborenen Linzer Kunstuni-Absolventin Sinisa Vidovic, der die Frage des "Hingehörens" am Beispiel seit langem in Linz lebender Zuwanderer aufwirft.

Otto Normalcrosser - 14. Apr, 23:59


