Mittwoch, 23. April 2008

Der Tag X – Once again

Für Außenstehende meist unerträglich. Eine Mischung aus Schaudern, doch aber mit einer gewissen Form von Faszination. Geht halt auch nicht ohne.
Tja, die Liebe ist ein einziger Musikclip. Bloß, über die jeweiligen Musikvorzüge lässt sich streiten.
Nach dem Eröffnungsfilm entsprechend auf den Frühling eingestimmt, überspringe ich einige Ebenen und finde mich auf dem Mediendeck, bei einem großen Hallo mit alten Bekannten wieder. Sozusagen ein Klassentreffen von Kulturschaffenden im positiven Sinn. Ansonsten ist im aufgeladenen Flirren noch Zurückhaltung geboten und vorerst sind nicht mehr als verstohlene Blicke zu erwarten.
Der Ausverkauf an Liebeserklärungen verteilt sich direkt über die Boxen auf die Menge, bis uns dann Extremcrooner Bruckmayr mit einem lauten
„Fuck You“ erlöst. bruckmayr
Beim Anblick jenes Muskelspieles hängen dann auch den werten Herren die Zungen bis zu den Knien. Jedoch war der werte Doktor für seine Verhältnisse auch eher zum Kuscheln aufgelegt, und entsprechend von der Rolle als ich mich meines Brustgeschirrs in Richtung Bühne entledige.
Unrelated wie ich bin (und wie ich mich, dem gleichnamigen Film entsprechend auch in weiterer Zukunft sehe), werde ich noch schnell vor der Nightline bei Otto vorbeischauen. Mit ihm in petto kann ja heute nix mehr schief gehen.
Na dann - gute Nacht!
Eure Anna Weniger

fyra

Liebe InterresentInnen!
Bevor die abendliche Nightline und ihre Begleiterscheinungen meine Erinnerungen an die
heute gesehenen Filme zusehr verblassen lässt, möchte ich noch ein paar Anmerkungen
loswerden. Die Dokumentation JOY DIVISION ist durchaus zu empfehlen, wenn auch die für
Manchester übliche Variante des Englischen, die zumeist gesprochen wird, für die eine
oder den anderen sicherlich Probleme bereiten wird. Untertitel gibts keine, FreundInnen
der Band sollten sich aber keinesfalls von einem Besuch des Films abhalten lassen. In
Kombination mit dem, vor kurzem im Moviemento gezeigten, Film CONTROL über Ian Curtis
gelangt man zu einem sehr abgerundeten Bild der Bandgeschicht sowie der Menschen hinter
den Musikern. Eine Frage blieb allerdings offen (danke Nici für die Anregung): Was wurde
aus Ian Curtis Tochter?
Und als Abschluss gebe ich noch eine Anregung weiter: Gefordert wurde ein Preis für die
Visuals bei BRUCKMAYR!
Die Erfüllung ihrer persönlichen Forderungen wünscht
Ihr DAN ROCKER

tres

Hochverehrtes Publikum!
Wie geplant eröffnete ich diesen, für mich ersten, Crossing Europe Tag mit [REC], einem Beitrag der NACHTSICHT Schiene. Und Puhh, ich muß zugeben dieser Streifen beindruckt, gerade am Vormittag genossen, nachhaltig. Mit der nun in mir wachsenden Skepsis gegnüber meinen BürokollegInnen muß ich leben lernen, doch glücklicherweise sind sie nicht so bissig wie die Protagonisten des catalaischen Zombiestreifens... Nachhaltig beeindruckt hat mich auch Didi BRUCKMAYR, der gestern mit seinem neuen Programm die Nightline 2008 eröffnete. Gemeinsam mit Alex Jöchtl wanderte er auf Pfaden der Pet Shop Boys und ließ das O.K. Mediendeck erzittern und die heimische Popkonkurenz blass aussehen. Der Publikumsandrang war, besonders für einen Dienstag enorm, bin schon gespannt wie sich die Lage an "traditionellen" Fortgehtagen wie Freitag oder Samstag entwickeln wird. Eindeutig verbessert hat sich eine andere Lage im Vergleich zu den Vorjahren, nämlich die geographische der Sanitäranlagen. Während sich der Weg, den selbst der verstorbene Kaiser eigenfüßig bewältigte, in den vergangen Jahren oft zur Odysee entwickelte, reicht es nun ein einziges Stockwerk abzusteigen um die, an der Bar erworbenen Seiterl wieder auszuscheiden.
Nun werde ich mich wieder weg von der Tastatur bewegen und mich erneut dem Festivalgeschehen zuwenden, es warten noch JOY DIVISION und LOVE, PEACE & BEATBOX, sowie eine neuerliche Nacht sowie weitere Hopfengetränke im Mediendeck auf mich.
Gute Leberwerte wünscht ihnen
Ihr DAN ROCKER

Nachtmähr

Die Mähr von der Nacht, die Nachtmähr, the Nightmare - Nachtsicht. So heißt die neue Programmschiene, die heute mit dem spanischen Horrorfilm [REC] gestartet ist. Ein wirklich grauslicher Film, den man nicht unbedingt aus der zweiten Reihe sehen sollte ;-) Zum einen, weil die Aufnahmen im Sinne der ungeschnittenen Fernsehreportage, die wir mit [REC] ja zu sehen bekommen, extrem verwackelt sind, was für die Augen rasch sehr anstrengend wird, und zum anderen, weil man die grässlichen Kreaturen (Zombie-Menschen) und das, was sie mit anderen Menschen tun, nicht unbedingt aus nächster Nähe sehen möchte. Trotzdem hatte der Film auch seine - teils beabsichtigten, teils wohl unabsichtlichen - komischen Szenen. Etwa wenn ... ach....... ich erzähl lieber nicht mehr weiter, der Film ist ja gerade erst angelaufen ;-)

Verwaltungsgliederung_-C3-96sterreichEs gibt ohnehin genügend anderes vom Eröffnungstag zu erzählen. Bereits die Eröffnung war ein kleines Spektakel, als die österreichische Verwaltungspyramide mit ranghohen oder -höchsten Vertretern jeder Ebene von unten nach oben abgearbeitet wurde. Zuerst kam Kulturstadtrat Erich Watzl zu Wort, gefolgt von Landeshauptmann Josef Pühringer und schlussendlich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Allesamt lobten sie die Organisation und die Bedeutung des Festivals, bewiesen mit glaubwürdigen Anekdoten, dass sie Ahnung haben, wovon sie reden und versicherten, dass das Festival auch 2009 und 2010 "finanziell gesehen sicher statt finden wird" (Watzl).

Spontanität wurde Watzl und Gusenbauer dann noch von einer kleinen, bunt als "Freak Show" verkleideten Aktivistengruppe namens "Migrawood" abverlangt. Eine der etwa drei bis fünf Frauen stürmte nach Beendigung von Watzls Rede auf die Bühne zum Mikrofon. Es ging offensichtlich um Immigrations- bzw. Integrationsfragen, wobei mir von den eilig vorgetragenen Worten nur noch in Erinnerung blieb, dass die Frau schon verheiratet sei, worauf Watzl konterte, er zum Glück auch schon... (wer den genauerern Wortlaut noch in Erinnerung hat möge diesen doch als Kommentar hier wiedergeben :-))

Gusenbauer im Gespräch mit einer "Migrawood"-AktivistinAuch Gusenbauer bewies im Umgang mit unerwarteten Zwischenfällen wesentlich mehr Feingefühl als etwa Sarkozy an der französischen Landwirtschaftsmesse (wo er einen provozierenden Besucher mit "armer Trottel" oder so ähnlich beschimpft hat). Nachdem Gusenbauer vom Rednerpult herabstieg, wurde er von der selben, verkleideten, schwarzen Frau gestellt und gefragt, wie das mit der Integration bzw. Immigration denn genau funktioniere (sinngemäß, habs nicht genau verstanden). Er, flankiert von seinen unauffälligen Bodyguards (die nur daher auffielen, da sie in dieser Situation plötzlich neben seinen Schultern auftraten, ansonsten aber wohl als Politberater oder dergleichen durchgegangen wären) stellte sich eine Weile den Fragen einer offenbar um korrekte Integration, so wie die Politik dies wünscht - wenn bloß klar wäre, was sie sich wünscht - bemühten Immigrantin, bis schließlich der weitere Veranstaltungsablauf eine Beendigung dieses Gesprächs vor der Bühne notwendig machte.

Hafsia-Herzi_2Nach der Eröffnungszeremonie, bei der auch die Hauptdarstellerin von La Graine et le Mulet, Hafsia Herzi (ist sie nicht herzig? ;-) -----------> das Publikum mit einigen Worten begrüßte, gabs ein innovatives Buffet in der Etage unter dem Mediendeck, wo die schätzungsweise sicher 300 Eröffnungsbesucher noch die eine oder andere Stunde verplauderten. Die anderen waren bereits in einer der Eröffnungsvorstellungen oder am Weg dorthin.

Ein kleiner Stimmungsdämpfer noch gegen Beginn der Nightline um 22 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt wurden alle Auf- und Abgänge, also beide Treppenhäuser, abgesperrt. Der Grund dafür ist mir etwas schleierhaft, zumal ich mich erinnern kann, letztes Jahr die Nightlines noch durch das Treppenhaus verlassen zu haben. Jedenfalls sorgte dies für den "Treppenwitz" des Abends. Im oder vor dem Lift herrschte ungläubiges schmunzeln über das Verwirrspiel. Kam nach 3 bis 5 Minuten Wartezeit (in der man auch als Greis das Treppenhaus zumindest ein Mal auf- und abgehen hätte können) endlich mal der Lift, fuhr er häufig erst mal genau in die "falsche" Richtung, blieb auch in jedem Stock stehen und sammelte immer mehr Leute, die eigentlich gar nicht Lift fahren wollen und schon gar nicht in diese Richtung. Ein paar deutsche Gäste meinten halb amüsiert und genervt an der Liftwand lehnend, dass sie nun gleich "die ganze Runde" gefahren seien, obwohl sie nur ins Erdgeschoss wollten. Andere Leute - wie ich etwa - meinten, dass zweite Treppenhaus (an der Dametzstraße) sei sicher geöffnet (wie letztes Jahr) und gingen erwartungsvoll alle vier Etagen nach unten. Statt einer geöffneten Tür versperrte uns dort jedoch eine Frau den Weg, die uns wieder nach oben zum anstellen beim Lift schickte... Jetzt verstand ich auch den alten Mann, der mir beim runtergehen entgegenkam und meinte "wo gehts denn da raus?" (ich dachte ja eigentlich unten ... und nicht oben, wo er hin ging...)

Lange Rede, kurzer Sinn: muss das sein? Die gerne mal 10 Minuten, die man sich durch Irrwege im Treppenhaus und Wartezeiten im und vor dem Lift "aufreißt", würden viele sicher lieber anders nutzen... Ich fühlte mich plötzlich wie in [REC] - eingesperrt in einem Haus, ohne zu wissen warum...

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Crossing Europe Filmfestival Linz // 22.-27. April 2008

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