Samstag, 26. April 2008

Aufstand

Was erblickten meine Augen heute Morgen im Spiegel? Nix! Nachhaltig inspiriert von Inside haben meine Sehsensoren eine Meuterei angekündigt und sind aufs andere Ende meines Kopfes gewandert, nur nicht rundherum sondern mitten durch! Glücklicherweise konnte ich mit dem nötigen Gesichtsbeton meiner revolutionierenden Anatomie kurzfristig eine Diktatur aufzwingen. Kein Wunder bei einem derartig t/vollen Programm!
Im Kino gibt’s keine Tageszeit. Und in der Nacht sind auch alle Kühe schwarz. Also sause ich los und finde mich keuchend im Kinosessel wieder.
Übrigens; in Serbien war’s echt sehr fein. Habe den äußerst charismatischen und lustigen Typen namens Kenedi kennen gelernt. Dasselbe gilt für Zelmimir Zilnik. Weil’s sich noch gut ausging, hab ich in Hamburg/Osdorf bei Maja Classen und ihren Jungs vorbei geschaut. So viel Testosteron an einem Tag muss man(n) mal aushalten. Am Abend hat dann Warrior Queen gezeigt wie's funktioniert. Mit der Fliegenklatsche ausgestattet geht’s nun ab zu Bad Blood. Oder doch Joy Division...
Eure Anna Weniger

seven

Kinder, seit ihr alle da!?!
Uups, heute hat mein Körper auf den Schlafmangel aufgrund des grossartigen Nightlineprogramms von gestern seinen Tribut gefordert und mich am rechtzeitigen Erwachen für mein tägliches Horrorfrühstück gehindert - Wecker ausgeschalten und sofort wieder eingeschlafen... Über FRONTIÈRE(S) von Xavier Gens kann ich daher nicht berichten. Schade. Um 15.30h war ich dann wieder fit genug, um mich ins City-Kino zu schleppen - GHOSTS stand auf dem Programm. Eine sehr berührende Spielfilmdoku über das Leben und Leiden, in diesem Falle, chinesischer ArbeitsmigrantInnen. Anschliessend begab ich mich in die KAPU um bei gut gekühltem (und günstigem) Krusovice ÜBRIGGEBLIEBENE AUSGEREIFTE HALTUNGEN von Peter Ott zu geniessen. Diesmal ein Film über die Goldenen Zitronen, mit dem die Band auch selbst zufrieden ist und der die verschiedenen Facetten dieser Popinstutition beleuchtet. Von trashigen Funpunk der Anfangstage bis zum Trendsetting heute.
Porsche, Genscher, Hallo HSV wünscht
Ihr DAN ROCKER

für König Ludwig (in hope he is still alive)

The concept of the 'patron saint' has been much-discussed back home in Britain this week, as April 23rd was St George's day - the day on which (some) English people celebrate the life and achievements of a Cappadocia-born soldier in the Roman army who never, it is reckoned, went anywhere near what's now the United Kingdom. The current debate is about whether the UK should have a saint to represent the whole country, in addition to George, Andrew (Scotland), David (Wales) and Patrick (who does double-duty for both Northern Ireland and the Republic of Ireland).

St Aidan would be the bookies' favourite for the "job", and as I'm from north-east England - where Aidan is already well-known and venerated - I should in theory be enthusiastic about his chances. Trouble is, the whole concept of the "patron saint" rubs me up the wrong way, combining two concepts - religion and nationalism - which I find myself increasingly opposed to the older I get.

Then again, I do think that an event like Crossing Europe should have a kind of a "patron saint": a guiding – and totally secular - spirit to whom we can all turn when times get rough (i.e. when we arrive late for an unexpectedly sold-out screening; misplace our favourite scarf in Moviemento 1; accidentally cause a revered Lithuanian auteur to fall down a flight of stairs - that kind of thing).

And who better than Ludwig Wittgenstein, perhaps the 20th century's greatest philospher, who (famously) spent several years at school in the city. Was there a cinema in Linz in 1905? Let's imagine that there was, and that it was here that young Ludwig developed the passion for the movies that was to sustain him throughout his troubled life:
“Wittgenstein was always exhausted by his lectures. He was also revolted by them. He felt disgusted with what he had said and with himself. Often he would rush off to a cinema immediately after the class ended. As the members of the class began to move their chairs out of the room he might look imploringly at a friend and say in a low tone, ‘Could you go to a flick?’ On the way to the cinema Wittgenstein would buy a bun or cold pork pie and munch it while he watched the film”from Ludwig Wittgenstein: A Memoir, by Norman Malcolm (Oxford University Press, 1958)

Wittgenstein's cinephilia is well known - as are his particular habits while inside the auditorium itself:
in the 1930s, whenever he felt exhausted and drained from his classes at Cambridge, Ludwig Wittgenstein would go to the cinema with a friend or some student. Ray Monk tells us that he would always sit in the front row, where he could probably immerse himself more completely in the stream of images and sound, and he preferred either westerns or musicals starring
the Portuguese-Brazilian Carmen Miranda.


Even now, several crossing Europeans keep the Wittgenstein spirit well and truly alive, always sitting front-and-centre, even if this means they're only a couple of feet away from the screen (CityKino 1!), even if it's a subtitled film which requires them to swivel their heads as if they're watching a particularly ferocious tennis match at Wimbledon. Myself, I favour the philosophy espoused by The Drifters, who in 1964 sang
Saturday night at the movies
Who cares what picture you see
When you're hugging wih your baby in the last row in the balcony


and then in 1974:
Kissin' in the back row of the movies on a Saturday night with you
Holding hands together you and I, holding hands together, ooh yeh
Smoochin' in the back row of the movies on a Saturday night with you
We could stay forever you and I, we could stay forever you and I
Smoochin' and a-kissin' in the back row of the movies


A consistency which even Ludwig W would surely applaud - from the front row, of course.

NY

http://www.youtube.com/watch?v=Z7_MYrVzU-Y

Friderday Day Fever

Samstag ist, und in 7 Stunden gibts bereits die Preisverleihung. Zeit für ein erstes Resümee :)

Hab von den Wettbewerbsfilmen bisher erst Love and other Crimes von Stefan Arsenijevic gesehen - leider. Denn gestern wollte ich Regarde-moi (Ain't scared) von Audrey Estrougo sehen, doch der Film, der im großen Movie 1-Saal lief, war bereits "ausgebucht", als ich eine halbe Stunde vor Filmbeginn eine Karte besorgen wollte. Ich werd mir den Film vielleicht noch am Sonntag um 13 Uhr ansehen - vorausgesetzt es gibt noch Karten. Auch Charly werd ich mir morgen um 15 Uhr evtl. noch ansehen.

Im Panorama hab ich ebenfalls Abstriche gemacht. Zum einen wegen der schrecklichen Nahverkehrssituation, die mir gestern This is England um 22.45 verunmöglichte (hatte keine Lust Auto zu stoppen und jeden Tag ein (AST-)Taxi kann und will ich mir nicht leisten) und zum anderen wegen den frühen Spielzeiten (zugegeben: 11.30 ist wirklich nicht besonders früh, aber ich müsste dann um 9.30 aufstehen ... und nachdem heute ein sehr langer Tag wird (Saturday Night) wollte ich mal ausschlafen) Dafür hab ich mir Revanche, das gestern um 11.30 lief, nicht nehmen lassen - und ich habs, wie bereits berichtet, alles andere als bereut.

Was ich jedoch gestern noch gesehen habe war die Kenedi-Trilogie (zumindest teilweise) und das "Must-Have", das Squatter Docs-Kurzfilmprogramm. Zu Kenedi: Den ersten Teil hab ich nach etwa 20 Minuten wieder verlassen, da ich nach Revanche keine Dokumentation über abgeschobene (gut integrierte, sprich in Deutschland geborene oder seit bis zu 16 Jahren dort lebende) Serben und Roma ertragen wollte. Das erinnerte mich auch zu sehr an die österreichische "Ausländer raus"-Politik wo das erste, was ein in Österreich (von ausländischen Eltern geborenes) Kind vom Staat bekommt, eine Ausweisung ist. Oder wo Schüler nach 9 Jahren Schulbildung in Österreich ins erste Flugzeug in die "Heimat", sprich Kosovo, gesetzt werden - fehlt nur noch, dass unsere Regierung das nicht als "Entwicklungshilfe" anrechnet und vom Entwicklungshilfe-Budget abzieht (von dem ja auch der Bundesheer-Einsatz im Tschad finanziert wird), mit der Behauptung, Österreich leiste Entwicklungshilfe indem Österreicher (und so muss man Menschen bezeichnen, die ihre gesamte Schulzeit, sprich ihr ganzes Leben außer vielleicht Geburt und erste 2, 3 Jahre, in Österreich aufwachsen und leben) ins Ausland - ein Land, das ihre Eltern, nicht aber die Kinder kennen - abgeschoben werden. Vielleicht ist es auch eine Art Imperalismus-Politik, dass Östereich versucht die Gebiete der ehemaligen Monarchie mit deutschsprachigen, mit österreichischer Identität geprägten, Personen zu besiedeln... Wir sind Kaiser - oder?

Also aus vielleicht verständlichen Gründen konnte ich mir diese Dokumentation Zilniks nicht fertig ansehen. Ich kam dann zum 3. Teil der Kenedi-Trilogie wieder. Ich sah mir den Film auch fertig an, aber wirklich begeistert war ich ehrlich gesagt nicht. Ich hatte mir mehr erwartet. Auch Zuseher, die die ersten Teile gesehen haben, fanden, dass der 3. Teil von der bisher dokumentarischen Machart abwich und fanden dies nicht gerade positiv. Zwar ist Kenedi ein witziger, wenn auch zugegeben ungeschickter und etwas einfältiger, Mensch, der sich seine Zukunftschancen, die er sich immer wieder erkämpft, auch unnötigerweise selbst verbaut. Aber die Machart, dass die Ereignisse der letzten 1 oder 2 Jahre nachgespielt werden (also eine "Spieldoku" oder wie man das nennt) gibt dem Film einen merkwürdigen Charakter.

Einen positiven Abschluss fand der Abend dann aber mit dem Local Artist Filmprogramm 3 "Squatter Docs", das leider nicht mehr gespielt wird. Leider daher, da sich gestern etwa 70 Leute um die 45 Plätze im "Kapu-Kino" rissen. Ich weiß nicht wie voll die erste Vorstellung war, aber vermutlich wär eine dritte Vorstellung oder Vorstellungen in größeren Sälen besser gewesen - aber das kann man natürlich im Vorhinein schlecht erahnen. Es ist jedenfalls auch positiv zu sehen, das so großes Interesse an den Local Artists herrscht (auch die Music/Animation/Shorts-Vorstellung am Donnerstag war sehr gut besucht, und die Linz Docs am Mittwoch im (zugegeben sehr kleinen) Movie 3-Saal war ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt).

Table-Bed-ChairEs herrschte jedenfalls sehr gute Stimmung in der Kapu, und interessant war im Anschluss auch die Diskussion mit den beiden Regisseuren der Dokus über besetzte Häuser in Amsterdam (Table Bed Chair, Robert Hack) und Rotterdam (Lost Spaces, Martin Music), da beide Dokumentationen wesentliche Unterschiede in ihrer Machart aufwiesen - Music' Doku war eher ruhiger und mit etwas distanziertem Blick (was auch seine Reize hat), Hack hingegen berichtete eher als "Insider", mit geschichtlichen Rückblicken und euphorischer Musikunterstützung bei "Action-Szenen" wie den Straßenschlachten in den 70ern/80ern. Also grundverschieden, aber sehr aufschlussreich, sehr interessant - und auch witzig. Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut ;-)

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Crossing Europe Filmfestival Linz // 22.-27. April 2008

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