Samstag ist, und in 7 Stunden gibts bereits die Preisverleihung. Zeit für ein erstes Resümee :)
Hab von den Wettbewerbsfilmen bisher erst
Love and other Crimes von Stefan Arsenijevic gesehen - leider. Denn gestern wollte ich Regarde-moi (Ain't scared) von Audrey Estrougo sehen, doch der Film, der im großen Movie 1-Saal lief, war bereits "ausgebucht", als ich eine halbe Stunde vor Filmbeginn eine Karte besorgen wollte. Ich werd mir den Film vielleicht noch am Sonntag um 13 Uhr ansehen - vorausgesetzt es gibt noch Karten. Auch
Charly werd ich mir morgen um 15 Uhr evtl. noch ansehen.
Im Panorama hab ich ebenfalls Abstriche gemacht. Zum einen wegen der schrecklichen Nahverkehrssituation, die mir gestern
This is England um 22.45 verunmöglichte (hatte keine Lust Auto zu stoppen und jeden Tag ein (AST-)Taxi kann und will ich mir nicht leisten) und zum anderen wegen den frühen Spielzeiten (zugegeben: 11.30 ist wirklich nicht besonders früh, aber ich müsste dann um 9.30 aufstehen ... und nachdem heute ein sehr langer Tag wird (Saturday Night) wollte ich mal ausschlafen) Dafür hab ich mir
Revanche, das gestern um 11.30 lief, nicht nehmen lassen - und ich habs, wie bereits berichtet, alles andere als bereut.
Was ich jedoch gestern noch gesehen habe war die Kenedi-Trilogie (zumindest teilweise) und das "Must-Have", das
Squatter Docs-Kurzfilmprogramm. Zu Kenedi: Den ersten Teil hab ich nach etwa 20 Minuten wieder verlassen, da ich nach Revanche keine Dokumentation über abgeschobene (gut integrierte, sprich in Deutschland geborene oder seit bis zu 16 Jahren dort lebende) Serben und Roma ertragen wollte. Das erinnerte mich auch zu sehr an die österreichische "Ausländer raus"-Politik wo das erste, was ein in Österreich (von ausländischen Eltern geborenes) Kind vom Staat bekommt, eine Ausweisung ist. Oder wo Schüler nach 9 Jahren Schulbildung in Österreich ins erste Flugzeug in die "Heimat", sprich Kosovo, gesetzt werden - fehlt nur noch, dass unsere Regierung das nicht als "Entwicklungshilfe" anrechnet und vom Entwicklungshilfe-Budget abzieht (von dem ja auch der Bundesheer-Einsatz im Tschad finanziert wird), mit der Behauptung, Österreich leiste Entwicklungshilfe indem Österreicher (und so muss man Menschen bezeichnen, die ihre gesamte Schulzeit, sprich ihr ganzes Leben außer vielleicht Geburt und erste 2, 3 Jahre, in Österreich aufwachsen und leben) ins Ausland - ein Land, das ihre Eltern, nicht aber die Kinder kennen - abgeschoben werden. Vielleicht ist es auch eine Art Imperalismus-Politik, dass Östereich versucht die Gebiete der ehemaligen Monarchie mit deutschsprachigen, mit österreichischer Identität geprägten, Personen zu besiedeln... Wir sind Kaiser - oder?
Also aus vielleicht verständlichen Gründen konnte ich mir diese Dokumentation Zilniks nicht fertig ansehen. Ich kam dann zum 3. Teil der Kenedi-Trilogie wieder. Ich sah mir den Film auch fertig an, aber wirklich begeistert war ich ehrlich gesagt nicht. Ich hatte mir mehr erwartet. Auch Zuseher, die die ersten Teile gesehen haben, fanden, dass der 3. Teil von der bisher dokumentarischen Machart abwich und fanden dies nicht gerade positiv. Zwar ist Kenedi ein witziger, wenn auch zugegeben ungeschickter und etwas einfältiger, Mensch, der sich seine Zukunftschancen, die er sich immer wieder erkämpft, auch unnötigerweise selbst verbaut. Aber die Machart, dass die Ereignisse der letzten 1 oder 2 Jahre nachgespielt werden (also eine "Spieldoku" oder wie man das nennt) gibt dem Film einen merkwürdigen Charakter.
Einen positiven Abschluss fand der Abend dann aber mit dem Local Artist Filmprogramm 3 "Squatter Docs", das leider nicht mehr gespielt wird. Leider daher, da sich gestern etwa 70 Leute um die 45 Plätze im "Kapu-Kino" rissen. Ich weiß nicht wie voll die erste Vorstellung war, aber vermutlich wär eine dritte Vorstellung oder Vorstellungen in größeren Sälen besser gewesen - aber das kann man natürlich im Vorhinein schlecht erahnen. Es ist jedenfalls auch positiv zu sehen, das so großes Interesse an den Local Artists herrscht (auch die Music/Animation/Shorts-Vorstellung am Donnerstag war sehr gut besucht, und die Linz Docs am Mittwoch im (zugegeben sehr kleinen) Movie 3-Saal war ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt).

Es herrschte jedenfalls sehr gute Stimmung in der Kapu, und interessant war im Anschluss auch die Diskussion mit den beiden Regisseuren der Dokus über besetzte Häuser in Amsterdam (
Table Bed Chair, Robert Hack) und Rotterdam (
Lost Spaces, Martin Music), da beide Dokumentationen wesentliche Unterschiede in ihrer Machart aufwiesen - Music' Doku war eher ruhiger und mit etwas distanziertem Blick (was auch seine Reize hat), Hack hingegen berichtete eher als "Insider", mit geschichtlichen Rückblicken und euphorischer Musikunterstützung bei "Action-Szenen" wie den Straßenschlachten in den 70ern/80ern. Also grundverschieden, aber sehr aufschlussreich, sehr interessant - und auch witzig. Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut ;-)
Otto Normalcrosser - 26. Apr, 13:53