Die Schweiz zu Gast - ein kleiner Rückblick
Endlich kriegt auch das in Österreich gerne vernachlässigte, kleinere (zum Teil) deutschsprachige Nachbarland, die Schweiz, zumindest am diesjährigen Crossing Europe, die Aufmerksamkeit, die ihr zusteht. Zwar sieht es umgekehrt häufig auch nicht viel besser aus, doch springt etwa in der Medienlandschaft die NZZ, die Neue Zürcher Zeitung, gerne Mal der kargen österreichischen Qualitätszeitungslandschaft unterstützend bei, wenn es darum geht, österreichische Politik kritisch und nüchtern zu betrachten und unsere Kunst und Kultur zu promoten. Eine zugegeben einseitige Leistung, da die Schweiz in Österreich einen ähnlichen Verbündeten lange suchen könnte - und nicht finden würde.
Im Bereich des Films sieht es da, zumindest historisch betrachtet, etwas anders aus. Als Österreich bereits seine Blütezeit der Produktion und internationalen Verbreitung seiner Filme hinter sich hatte, nämlich Mitte der 20er-Jahre, befand sich das Schweizer Filmschaffen noch in einer Art Steinzeit. Lediglich in der Westschweiz ließen sich ab und zu Mal ein Belgier (Jacques Feyder) und ein Franzose (Jean Choux) blicken, um ein paar ambitionierte, künstlerische Filme zu machen. Jenes Grüppchen Schweizer, die auch gerne Filme machen wollten, aber mangels Infrastruktur nicht konnten, flüchteten entweder in Landschaftsaufnahmen- und Wochenschauproduktionen oder suchten, je nach Sprache, in Paris oder Berlin Zuflucht.
Doch dann erbarmte sich Österreich, wo es nach der Filmkrise nur so von arbeitssuchenden Regisseuren, Schauspielern, Drehbuchautoren, Kameramännern usw. wimmelte, der Schweiz. Genauer gesagt war es ein Galizianer, Lazar Wechsler, der den Initialschuss für kontinuierliche, professionelle Filmproduktion in der Schweiz zündete. Zur Erinnerung: Galizien war jener, heute zu Polen und der Ukraine gehörende Teil Österreich-Ungarns, wo es vor allem eins gab: Emigranten. Eine in der Zeit der Nationalisierung unvorteilhafte Mischung aus Polen, Ukrainern (Ruthenen), Juden, Deutschen, Ungarn und Armeniern brachte der Region Ende des 19. Jahrhunderts viel Ärger - und Österreich, genauer gesagt Wien, der damaligen Hauptstadt des Reiches, viele Talente in Kunst, Kultur und Wissenschaft. Um nur wenige zu nennen: Die noch heute aktive Listo-Film war eine Gründung galizischer Auswanderer und auch Billy Wilder, als "österreichischer", vielfacher Oscarpreisträger hoch verehrt, wurde in Galizien geboren.
Eine Ausnahme von dieser "Regel", nämlich nach Wien (oder in die USA) zu emigrieren bildete wohl Lazar Wechsler. Jener Mann, der im Ersten Weltkrieg in die Schweiz flüchtete, 1923 die österreichische Staatsbürgerschaft gegen eine Schweizer tauschte und 1924 die Praesens-Film, die erfolgreichste Schweizer Filmgesellschaft aller Zeiten, gründete. Die etwa 20 Jahre dauernde Blütezeit des Unternehmens, in welche auch mehrere Oscar-Auszeichnungen fielen, begann Mitte der 30er-Jahre, als rund um den vom Zürcher Schauspielhaus geholten Leopold Lindtberg ein hoch begabtes, professionelles Filmteam zusammengestellt wurde. Lindtberg war Wiener, der wie viele seiner Kollegen in Berlin beim Film arbeitete. 1933 wurde er - und wiederum viele seiner Kollegen - von den Nazis vertrieben; Lindtberg verschlug es nach Zürich - wo das Schauspielhaus für einige Jahre eine Art Flüchtlingslager für Theater- und Filmschaffende wurde - und das Haus erlebte seine international meistbeachtete Phase. Wechsler, seine Praesens-Film und dadurch wiederum der Schweizer Film als Ganzes, profitierten von diesem Arbeitspool großer Fische, die sich für ein paar Jahre im Schauspielhaus tummelten.
Grob gesagt "erfanden" Wechsler und Lindtberg, beides mehr oder weniger Österreicher, den Schweizer Film - wenngleich Lindtberg für die beliebten Komödien rund um das Cabaret Cornichon Dolmetscher benötigte. Als Dank dafür berichtet die NZZ seither täglich über österreichische Politik und Kultur. Mehr über den Schweizer Film heute, wie er sich am Crossing Europe präsentiert, gibt es dann morgen.
Im Bereich des Films sieht es da, zumindest historisch betrachtet, etwas anders aus. Als Österreich bereits seine Blütezeit der Produktion und internationalen Verbreitung seiner Filme hinter sich hatte, nämlich Mitte der 20er-Jahre, befand sich das Schweizer Filmschaffen noch in einer Art Steinzeit. Lediglich in der Westschweiz ließen sich ab und zu Mal ein Belgier (Jacques Feyder) und ein Franzose (Jean Choux) blicken, um ein paar ambitionierte, künstlerische Filme zu machen. Jenes Grüppchen Schweizer, die auch gerne Filme machen wollten, aber mangels Infrastruktur nicht konnten, flüchteten entweder in Landschaftsaufnahmen- und Wochenschauproduktionen oder suchten, je nach Sprache, in Paris oder Berlin Zuflucht.
Doch dann erbarmte sich Österreich, wo es nach der Filmkrise nur so von arbeitssuchenden Regisseuren, Schauspielern, Drehbuchautoren, Kameramännern usw. wimmelte, der Schweiz. Genauer gesagt war es ein Galizianer, Lazar Wechsler, der den Initialschuss für kontinuierliche, professionelle Filmproduktion in der Schweiz zündete. Zur Erinnerung: Galizien war jener, heute zu Polen und der Ukraine gehörende Teil Österreich-Ungarns, wo es vor allem eins gab: Emigranten. Eine in der Zeit der Nationalisierung unvorteilhafte Mischung aus Polen, Ukrainern (Ruthenen), Juden, Deutschen, Ungarn und Armeniern brachte der Region Ende des 19. Jahrhunderts viel Ärger - und Österreich, genauer gesagt Wien, der damaligen Hauptstadt des Reiches, viele Talente in Kunst, Kultur und Wissenschaft. Um nur wenige zu nennen: Die noch heute aktive Listo-Film war eine Gründung galizischer Auswanderer und auch Billy Wilder, als "österreichischer", vielfacher Oscarpreisträger hoch verehrt, wurde in Galizien geboren.
Eine Ausnahme von dieser "Regel", nämlich nach Wien (oder in die USA) zu emigrieren bildete wohl Lazar Wechsler. Jener Mann, der im Ersten Weltkrieg in die Schweiz flüchtete, 1923 die österreichische Staatsbürgerschaft gegen eine Schweizer tauschte und 1924 die Praesens-Film, die erfolgreichste Schweizer Filmgesellschaft aller Zeiten, gründete. Die etwa 20 Jahre dauernde Blütezeit des Unternehmens, in welche auch mehrere Oscar-Auszeichnungen fielen, begann Mitte der 30er-Jahre, als rund um den vom Zürcher Schauspielhaus geholten Leopold Lindtberg ein hoch begabtes, professionelles Filmteam zusammengestellt wurde. Lindtberg war Wiener, der wie viele seiner Kollegen in Berlin beim Film arbeitete. 1933 wurde er - und wiederum viele seiner Kollegen - von den Nazis vertrieben; Lindtberg verschlug es nach Zürich - wo das Schauspielhaus für einige Jahre eine Art Flüchtlingslager für Theater- und Filmschaffende wurde - und das Haus erlebte seine international meistbeachtete Phase. Wechsler, seine Praesens-Film und dadurch wiederum der Schweizer Film als Ganzes, profitierten von diesem Arbeitspool großer Fische, die sich für ein paar Jahre im Schauspielhaus tummelten.
Grob gesagt "erfanden" Wechsler und Lindtberg, beides mehr oder weniger Österreicher, den Schweizer Film - wenngleich Lindtberg für die beliebten Komödien rund um das Cabaret Cornichon Dolmetscher benötigte. Als Dank dafür berichtet die NZZ seither täglich über österreichische Politik und Kultur. Mehr über den Schweizer Film heute, wie er sich am Crossing Europe präsentiert, gibt es dann morgen.
Otto Normalcrosser - 14. Apr, 21:05


