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Mittwoch, 15. April 2009

Schweiz Spezial

Die Schweiz ist die kommende Festivalwoche gleich mehrfach vertreten. Zum einen im Rahmen des Panorama Special, das den nicht-EU-Ländern Türkei (die wir ja vorgestern durchgenommen haben), Schweiz und Norwegen gewidmet ist, wobei die Schweiz mit einer Auswahl des Fantoche - Internationales Festival für Animationsfilm vertreten ist. Zweitens sind beide Tributes des heurigen Festivals Schweizern gewidmet: Lionel Baier und Ursula Meier (nicht verwechseln! Es sind definitiv zwei Tributes für zwei Personen!) und zuguterletzt gibt es auch noch ein Schweizer DJ-Team in der Nightline am Mittwoch: The Goldfinger Brothers, die für funky Beats, häufig mit nicht gerade unbekannten Samples unterlegt, sorgen werden.

Doch fangen wir bei Baier & Meier an; sie sind sozusagen das A & E des Schweizer Films an diesem Festival. Sie stellen neben Vincent Pluss (der mit Du bruit dans la tête übrigens im Wettbewerb vertreten ist!) und Jean-Stéphane Bron die Gallionsfiguren des jungen welschschweizer Kinos dar, das in den letzten Jahren nationale und internationale Beachtung fand. Lionel Baier, 1975 geboren, ist mit fast seinem gesamten Oeuvre in Linz vertreten: Sämtliche 3 Langfilme (Garçon Stupide, 2004, Comme des voleurs (à l'est), 2006 und Un autre homme, 2008) sowie zwei Kurz- (Mignon à croquer, 1999, Mon père, c’est un lion, 2002) und zwei Dokumentarfilme (Celui au pasteur, 2000, La Parade (notre Histoire), 2001) werden in der zweiten Wochenhälfte, von Donnerstag bis Sonntag, im City Kino gezeigt. Sein aktuellster Film, der Spielfilm Un autre Homme, wurde ohne Förderungen hergestellt, da er der zuständigen Bundesstelle nicht gefallen hat. Das, was die österreichische Kunst-, insbesondere die Filmszene, vor einigen Jahren mit Staatssekretär Morak durchgemacht hatte, scheinen Schweizer Filmkünstler nun mit ihrem Bundesbeamten Bideau durchstehen zu müssen. Dieser hätte gerne das Schweizer Filmschaffen in der Hand einiger weniger großer Produzenten, die dann wirtschaftlicher arbeiten und größere Filme herstellen sollten (vgl. Artikel im Zürcher Tagesanzeiger, Januar 2009). Baier zählt dann auch zu jenen Künstlern, die sich öffentlich gegen diese Filmpolitik wehren.

Ursula Meier, CH 2008, 97 min

Ursula Meier wiederum ist frischgebackene Trägerin des Schweizer Filmpreises Quartz (und damit ist nicht der "Name" des Kaisers von Österreich-Ungarn gemeint (wie Friedrich Torberg in einer Anekdote von Alfred Polgars Kaffeehausspiel "Der Erzherzog wird geprüft" erzählte) für den besten Spielfilm, der auch einer der diesjährigen Eröffnungsfilme ist: Home. Ein Film, in dem die bekannte französische Schauspielerin Isabelle Huppert die Hauptrolle spielt. Anders als in Österreich (und der deutschsprachigen Schweiz) sind Filme von Welschschweizern wie Baier und Meier zumeist Koproduktionen mit französischen oder belgischen Filmgesellschaften, mit Augenmerk auf den Hauptabsatzmarkt Frankreich (und Belgien). Statt deutschen Schauspielern, wie in vielen österreichischen Produktionen, sind es in diesen Fällen französische Schauspieler, die welschschweizer Filme bereichern - und eine Bereicherung ist es im Falle von Isabelle Huppert zweifellos (was man bei manchen Quoten-Deutschen in österreichisch-deutschen Koproduktionen nicht unbedingt immer sagen kann). Huppert spielt das Oberhaupt einer idyllischen fünfköpfigen Familie, die am Land direkt neben einer nie fertiggestellten Autobahn lebt - bis sie eben doch fertigestellt werden soll. Eine tragische Satire.

Ebenfalls sehr empfehlenswert und international viel beachtet und ausgezeichnet ist auch Meiers Film Pas les flics, pas les noirs, pas les blanc - auf "gut deutsch" also "keine Kieberer, keine Schwarzen, keine Weißen". Eine Dokumentation über das Verhältnis zwischen Polizei und (afrikanisch-stämmigen) Ausländern in Genf, zwischen denen ein ehemaliger Rechtsextremer und Polizist vermittelt. Vier Kurzfilme und ein weiterer Spielfilm, ihr Spielfilmdebüt des épaules solides über ein Mädchen, das unbedingt Spitzensportlerin werden will und sich dabei kein bisschen schont, sich aber schließlich fragen muss, was ihr das alles Wert ist, ob sie sich in dieser Gemeinschaft überhaupt beweisen kann oder muss, komplettieren die beeindruckende Werkschau Ursula Meiers.

Maja Gehrig, CH 2006, 10 min

Und zum Abschluss: statt österreichischen Animationsfilmprogrammen, wie in den letzten Jahren, gibt es dieses Mal ein Programm des Schweizer Animationsfilmfestivals Fantoche mit aktuellen Schweizer Trick- und Animationsfilmen sowie einer Gesamtschau, einem "Best of" des seit 14 Jahren bestehenden internationalen Festivals (Fantoche Reloaded).

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Crossing Europe Filmfestival Linz // 20. - 26. April 2009

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