Freitag, 24. April 2009

An Other Man

Hallo erst Mal an diesem schönen Nachmittag! Also schön langsam hab ich das Gefühl, auf diesem Festival wollen alle die selben Sachen sehen. Irgendwie hat jeder Unmade Beds gesehen und gut gefunden, ebenso war Dead Snow ein Pflichttermin bei den anderen Bloggern hier und auch Superhelden hab ich nicht alleine gesehen.

Und ob es Filme gibt, bei denen "Menschen um die 30 oder 40 Jugendliche massakrieren"? (Zitat Anna Weniger, voriges Posting) - Nun ja: kommt auf die Sichtweise drauf an. Zuerst Mal müsste wohl geklärt werden, ob die Mörder zwischen 30 oder 40 Jahren alt sein sollen, oder ob es darum gehen soll, dass 30 bis 40 Jugendliche getötet werden - von Menschen, versteht sich. Ich glaube, in der Filmgeschichte lassen sich für Beides Beispiele finden - auf jeden Fall, wenn man Kriegsfilme mitberücksichtigt ;-)

Aber nun scher ich hoffentlich Mal ein bisschen aus dem bisherigen Filmschau-Schema aus. Habe nämlich heute - bereits um 11.30! - Un autre homme / Another Man vom Schweizer Lionel Baier gesehen. Die Kurzbeschreibung im Programm verspricht eine satirisch angehauchte Geschichte von einem Neo-Filmjournalisten, der seine Filmkritiken einfach aus einer anderen, vermeintlich kaum gelesenen Filmzeitschrift abschreibt. Doch viel mehr geht es darum, dass er seine Freundin, mit der er eine Wohnung teilt, zugunsten einer Branchenkollegin, auf die er bei Film-Previews in Lausanne aufmerksam wird, vernachlässigt und fallen lässt. Diese Branchenkollegin, genannt Rosa Rouge, ist jedoch ein heißes Eisen, an dem man sich leicht verbrennt. Sie wickelt ihm sofort um den Daumen: Sie macht ihn an, lässt ihn abblitzen, hat dann aber doch Sex mit ihm, mitten im Kino, und schließlich ist er zumindest für einen Tag ihr Sexsklave in einem Hotel in Lausanne - wo er ohne Kleidung, die sie angeblich gespendet hat, gefangen ist.

Doch noch viel mehr geht es im Film um eine Sage bzw. Märchen aus dem Mittelalter, nämlich Renard (bzw. Renart?) - also "Fuchs". Darin geht es um einen Fuchs, der was von einer Henne will, und alle Warnungen, die ihm vorgebracht werden ignoriert. Ich glaube das Märchen ist auch hierzulande gut bekannt, ich glaube mich dumpf an so eine Geschichte in der Kindheit erinnern zu können. Jemand von euch kann sicher besser eine Kurzzusammenfassung von der Geschichte wiedergeben.

Dieser Märchenhintergrund wurde zumindest mir erst nach dem Film wirklich bewusst. Zwar erzählte der Hauptdarsteller bereits im Film etwas von dieser Geschichte, allerdings in schnellem französisch mit ebenso schnellen Untertiteln auf englisch, wodurch ich letztlich nicht viel verstanden hab. Der Film soll allerdings auch mit deutschen Untertiteln in österreichische Kinos kommen, wie Baier nach dem Film verkündet hat. Vielleicht auch ins Moviemento? Auf jeden Fall sehr empfehlenswert!

Ebenfalls deutete Baier noch einige Szenen im Film, sodass sie als Märchenbezogen erkannt werden können: Rosa, die dominante Karrierefrau, unterwirft Francois, den Kritiker. Sie ist der Vogel, der hoch oben (im obersten Stock des Hochhauses ihrer Zeitung ist ihr Büro) ihre Umwelt betrachtet und den Fuchs, der geduckt immer nahe am Boden unterwegs ist, im Griff hat. Sie mag es nicht, wenn man ihre Haare berührt (und macht sich in so einem Fall sofort einen Friseurtermin zum Haarewaschen aus, unter dem Vorwand, einen positiven Bericht über den Salon schreiben zu wollen). Francois wiederum überfährt, nachdem er die erste Kritik abgeschrieben hat, einen Fuchs - also quasi sein eigenes Gewissen. Er schmeißt ihn in den tiefen Schnee, aus dem er erst im Frühling wieder auftaucht - und seine verdrängten Probleme und Konflikte eskalieren. Für weitere Deutungen bin ich allerdings nicht zu gebrauchen, da ich nicht genug kapiert hab, wegen den Untertiteln, und auch das Märchen nicht gut genug im Kopf hab.

Und zuguterletzt ist der Film auch eine Mediensatire: Die Filmkritiker schreiben bloß in abgehobener, poetischer Sprache. Ob ein Film gut oder schlecht bewertet wird, liegt zum Teil an mathematischen Formeln ("mir hat der Film gefallen, aber sein letzter Film erhielt gute Kritiken, also ist dieser nun schlecht" - Zitat Rosa Rouge, sinngemäß). Baier packt da auch viel von seinen eigenen Erfahrungen oder Ansichten hinein: etwa, dass Filmkritiker heutzutage nur darüber schreiben, ob ihnen der Film gefallen hat oder nicht - statt den Film in seiner Machart zu untersuchen. Wer mehr wissen will: Anschauen sehr empfehlenswert!

Schattenspiel

Zuerst nächtliches Vergnügen dann intensives Kinoerlebnis. Der durch die Live-Darbietung zur Eröffnung kurzzeitig eingenistete Augen- und Ohrenkrebs, hat sich dank genialster Bass-Arragements von BENGA und DJ RAVISSA wieder in seinen Sumpf verzogen. DATAROCK haben in Sachen Spaßfaktor noch eins draufgelegt. Dem auf den Plattentellern servierten Menü fehlte es gestern – im Vergleich zu den Abenden davor – leider an Würze. Da mir mein Festivalschatten laufend abhanden kommt, widme ich mich lieber grandiosem Gefühlskino ohne Kitschfaktor.
Kein Film schafft das besser als UNMADE BEDS, der vom hochgeschätzten Moderator (und Blogger-Kollege) Neil Young mit lachender Miene als der „coolste Film des Festivals“ bezeichnet wurde. Schön, dass des für den freien Fall mit Schmetterlingen im Bauch keine Altersgrenze gibt und das Leben manchmal erstaunlich gut als Musikclip funktioniert. Entscheidend sind die (vermeintlichen) Zufälle. UNMADE BEDS ist definitiv einer der wenigen Filme, die man sich gar nicht oft genug ansehen kann! Der Regisseur selbst („he looks like an unmade bed“, zit. N.Y.) tritt kurz als Kameramann in Erscheinung. Die Vorankündigung von DJ Die auf dem Plakat in der Abschlussszene hat mich dann ganz dezent und mit einem Schmunzeln auf den Lippen in meine weiteren Programmpunkte eingeführt: DØD SNØ und die Nightline. DØD SNØ punktet mit sympathischen SchauspielerInnen, unzähligen Bezugsquellen ohne Plattitüde, schöne Filmstils und ein Farbenspiel das an die Ösi- oder Schweizer Berge denken lässt. Der am nächsten Morgen verspürten Zug in meinen Eingeweiden war auf die Lachenattacken zurück zuführen. RÜCKENWIND hingegen war mehr ein zartes Lüftchen an einem schwülen Nachmittag.
Ein ähnlich langsamer Film, aber mit großem Sympathiewert und überraschend witzigen Dialogen ist PAZAR – BIR TICARET MASALI. Die SUPERHELDEN geben einen guten Ein- und Überblick, aber leider fehlt dabei der letzte konsequente Sprung ins Schwarze. Kontrastreich ging’s dann mit SOMERS TOWN (S/W&Farbe) weiter. Eine überaus intelligente und vielschichtige Story mit meinem wunderbaren Ende! Der jugendliche Hauptdarsteller aus „This is England“ hat auch hier wieder mit seiner schauspielerischen Leistung brilliert. Die Gelegenheit diesen Film und seinen englischen Bruder UNMADE BEDS noch zu sehen, sollte (Sa./So.) auf keinen Fall verabsäumt werden!
Nachdem mir grad persönlich junge Menschen aus ihrer eigenen Unsicherheit und Feigheit heraus einen unnötigen Stress machen, hab ich zu dessen Abbau durch Übertreibung den Massiv-Teenager-Psychoterror-Film EDEN LAKE angesehen. Titel mit „Lake“ haben bekanntermaßen diese Woche Schockgarantie mit einem Trauma als Bonus. Jetzt wird’s aber mal Zeit für eine Kehrwende! Kennt jemand Filme, in denen Menschen um die 30 oder 40 Jugendliche massakrieren? Dafür gibt’s mit Sicherheit eine große Fangemeinde!
Mehr - oder besser Weniger – ein andermal.

Olá!

Jesus fuckin Christ! Jetzt hätte ich mich fast angespieben, EDEN LAKE von James Watkins zum bzw. vorm Frühstück ist äusserst deftige Kost. Keine Zombies über die man lachen könnte, einfach sehr realistisch dargestellte Gewalt, die im Grunde jeden treffen könnte. Elemente der Happy Slapping (Un)Kultur, besonders das mitfilmen der Gewalt mittels Mobiltelefon, entlassen mich hilflos und verstört nach 90 Minuten Bad Vibrations aus dem Kinosaal in eine grausame Welt mit blauem Himmel.
Ziemlich gegensätzlich dazu die Good Vibrations, die DATAROCK aus Norwegen gestern bei der Nightline verbreitet haben, ich habe selten so eine kollektive Begeisterung gesehen! Eine Stimmung die Frau DJ CHRISTINA N im Anschluss halten konnte, was bei dieser Vorgabe keine leichte Aufgabe war - Shout it out loud!
SOMERS TOWN habe ich gestern dann doch noch von meiner Liste gestrichen, ich hoffe diesen Film Sonntags um 16h nachholen zu können. Für SUPERHEROS von Janek Romero reichte meine Energie aber noch. Ein Film über neue anarchistische Herangehensweisen an den Überlebenskampf der Prekarisierten. In anschliessenden Gesprächen habe ich gemerkt, dass die sehr hamburgspezifischen Aufnahmen von Polizeigewalt und legitimer Gegenreaktion bei LinzerInnen einen gekünstelten Eindruck hinterlassen haben. Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass die Darstellung der Demonstrations- und Riot-Kultur in SUPERHEROS der Realität der Hansestadt sehr, sehr nahe kommt. Shoplifters of the World unite! Hofft Ihr Dan Rocker

Ozean und Hafen

A couple of suggestions, one of them indoors, one of them (in honour of the still-shining sun) very much "out."

At 3pm today in Moviemento 3, there's a programme of shorts by "local artist" Dietmar Brehm. I had a shorts afternoon/early-evening yesterday, taking in 27 separate works over four programmes (Tromso Youth, Brehm, Karlsruhe, Inger Lise Hansen) and the pick of the bunch were a pair by Brehm: Ozeanand Verdrehten Augen Videoversion 2. More details on my crowded day can be found at my regularly-updated CE09 page at Jigsaw Lounge.

Meanwhile, if you have an hour or two spare and feel like seeing some hidden sides of Linz, I suggest you follow the river-path (on the "busier" side of the Danube, heading east) as it gently curves along the waterfront, to the Winterhafen. Keep going until the path ends, then double-back onto the other side of the peninsula - the "winter harbour" itself now visible on your left - and walk back towards the city and your next screening. You'll pass boatyards, busy ship-repair yards, odd little sporting-clubs, mysterious bunker-like constructions, and much else besides...Viel spaß!

Wir sind Superhelden!

Auch ich, Otto Normalcrosser, habe heute den Superhelden-Film (eine Doku und Teil der Arbeitswelten-Schiene) gesehen, jedoch Dan Rocker nicht erkannt oder getroffen :)

Wie bei bisher jedem Film, den ich gesehen habe, war der Saal (dieses Mal das Kapu-Obergeschoß) sehr gut gefüllt, wobei diesmal sogar noch ein paar Plätze frei gewesen wären. Ein neuer Besucherrekord scheint sich jedoch abzuzeichnen, und das nicht nur, weil das Festival heuer einen Tag länger dauert. Kann aber auch sein, dass ich einer Täuschung unterliege, da ich bisher womöglich vor allem jene Filme gesehen habe, die auch ein größeres Publikum ansprechen (Geschichte über Teenies und ihre Identitäts- und Liebesprobleme, noch dazu in der wilden Londoner Partyszene, kommen immer gut an (Unmade Beds), ebenso Nazi-Zombies in einem Teenie-Horror-Splatter im norwegischen Norden (Dead Snow; Movie 1 war gestern, obwohl zur späten Stunde (22.45 Uhr), komplett voll). Und auch oberösterreichisch-israelische Dokumentarfilme, vom noch dazu bei der Eröffnung vom Landeshauptmann ausgezeichneten Regisseur Micha Shagrir, verursachten einen lange vor der Vorstellung ausverkauften Saal. Ebenso war es beim Kurzfilmprogramm 3 (mit dem Dobuschido-Film) und bei Fantoche Reloaded (Best of des gleichnamigen Schweizer Animations- und Trickfilmfestivals), wo ich auf der Warteliste war, aber letztlich zugunsten längerem Ausschlafen auf eine Teilnahme an der Lotterie verzichtet habe.

Aber es gibt auch noch Filme, bei denen man problemlos Plätze kriegt. Les Grandes Personnes ist so einer. Eine französisch-schwedische Produktion über ein 16/17-jähriges Mädchen und ihren alleinerziehenden Vater, die Paris zugunsten eines Schweden-Urlaubs verlassen, dort in einem Ferienhaus auf zwei Mitt-Vierziger-Frauen, ebenfalls aus Frankreich, treffen, was etwas Wirbel in den sonst so aalglatten Tagesablauf der Kleinfamilie bringt. Ein durchaus amüsanter Film, der jedoch etwas mehr Nähe zu den Personen vermisst. Eine Nähe, wie sie Unmade Beds, der, wie ich in Gesprächen im Publikum gehört habe, nicht nur für mich zu den besten Filmen des Festivals zählt, auf wunderbare Weise hergestellt hat.

Superhelden

Und dann war da heute Abend natürlich noch Superhelden, eine absolut empfehlenswerte Dokumentation über eine Gruppe antikapitalistischer Mitt-Zwanziger, die Gourmet-Restourants und Feinkostläden stürmen, um Luxuslebensmittel an die Unterschicht zu verteilen. Diese Gruppe, die "Superhelden", gab es wirklich und sie trieb in Hamburg ihr Unwesen. In billigen, aber sympathischen "Spiderman" und "Super-Flex"-Kostümen sorgten sie für todernste Berichterstattung in Zeitungen, Radio und Fernsehen, die von ihnen als eine Art terroristische Organisation sprachen. Anhand einer jungen Mutter, die von etwa 800 Euro im Monat zwei Kinder ernähren muss, führt der Film durch eine politisierte Generation von Dauer-Praktikanten und arbeitlosen Akademikern, führt uns zum G8-Gipfel in Heiligendamm und zeigt uns Ausschnitte von Selbstorganisation und wie man den Frust auf eine Gesellschaft kanalisiert und abbaut, in der es für viele (trotz augezeichneten Uni-Abschlüssen) fast unmöglich ist, Fuß zu fassen, und ein finanziell abgesichertes Leben zu begründen.

Kritisieren könnte man an dem Film - wie meistens, wenn es um dieses Thema geht - dass er Widerstand, Demonstrationen und Blockadeaktionen inklusive Polizei-Krawallen, wie etwa am G8-Gipfel, mit mitreißender Musik unterlegt und dadurch eine sypmathisierende Haltung zu gewaltvollen Auseinandersetzungen fördert. Andererseits muss man sich bewusst sein - und das ermöglicht dieser Film durch authentische Dokumentation - dass es eine große Schicht durchaus motivierter, arbeitswilliger Jugendlicher, häufig Studenten mit abgeschlossenem Studium, gibt, die vom Arbeitsmarkt bloß als Praktikanten ausgebeutet und weitergereicht werden. An eine eigene Existenz, an die Gründung einer Familie, ist da unmöglich zu denken. Man will seiner Frustration Ausdruck verleihen - etwa an Demos von kapitalistischen Parade-Veranstaltungen wie etwa G8-Gipfeln. Hier will man den Mächtigen der Welt zeigen, wer die Menschen sind, die den Reichtum einer Wirtschafts- und Politikelite ermöglicht. Die Polizei, als deren "bewaffneter Arm" ist in diesem Fall der legitime Gegner für eine Auseinandersetzung, besonders, wenn die Aggression, wie am G8-Gipfel Heiligendamm bei einem Konzert und Kundgebung, von der Polizei ausgeht, die die Masse einzuengen versucht und Einzelne herauspickt und verhaftet.

Doch jeder kann sich selbst Gedanken zur gegenwärtigen Gesellschaft und den Herausforderungen, denen die Jugend beim Versuch, in den Arbeitsmarkt einzusteigen, gegenüber stehen machen. Der Film eignet sich bestens als Anregung zur Selbstreflexion über diese Themen.

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Crossing Europe Filmfestival Linz // 20. - 26. April 2009

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