An Other Man
Hallo erst Mal an diesem schönen Nachmittag! Also schön langsam hab ich das Gefühl, auf diesem Festival wollen alle die selben Sachen sehen. Irgendwie hat jeder Unmade Beds gesehen und gut gefunden, ebenso war Dead Snow ein Pflichttermin bei den anderen Bloggern hier und auch Superhelden hab ich nicht alleine gesehen.
Und ob es Filme gibt, bei denen "Menschen um die 30 oder 40 Jugendliche massakrieren"? (Zitat Anna Weniger, voriges Posting) - Nun ja: kommt auf die Sichtweise drauf an. Zuerst Mal müsste wohl geklärt werden, ob die Mörder zwischen 30 oder 40 Jahren alt sein sollen, oder ob es darum gehen soll, dass 30 bis 40 Jugendliche getötet werden - von Menschen, versteht sich. Ich glaube, in der Filmgeschichte lassen sich für Beides Beispiele finden - auf jeden Fall, wenn man Kriegsfilme mitberücksichtigt ;-)
Aber nun scher ich hoffentlich Mal ein bisschen aus dem bisherigen Filmschau-Schema aus. Habe nämlich heute - bereits um 11.30! - Un autre homme / Another Man vom Schweizer Lionel Baier gesehen. Die Kurzbeschreibung im Programm verspricht eine satirisch angehauchte Geschichte von einem Neo-Filmjournalisten, der seine Filmkritiken einfach aus einer anderen, vermeintlich kaum gelesenen Filmzeitschrift abschreibt. Doch viel mehr geht es darum, dass er seine Freundin, mit der er eine Wohnung teilt, zugunsten einer Branchenkollegin, auf die er bei Film-Previews in Lausanne aufmerksam wird, vernachlässigt und fallen lässt. Diese Branchenkollegin, genannt Rosa Rouge, ist jedoch ein heißes Eisen, an dem man sich leicht verbrennt. Sie wickelt ihm sofort um den Daumen: Sie macht ihn an, lässt ihn abblitzen, hat dann aber doch Sex mit ihm, mitten im Kino, und schließlich ist er zumindest für einen Tag ihr Sexsklave in einem Hotel in Lausanne - wo er ohne Kleidung, die sie angeblich gespendet hat, gefangen ist.
Doch noch viel mehr geht es im Film um eine Sage bzw. Märchen aus dem Mittelalter, nämlich Renard (bzw. Renart?) - also "Fuchs". Darin geht es um einen Fuchs, der was von einer Henne will, und alle Warnungen, die ihm vorgebracht werden ignoriert. Ich glaube das Märchen ist auch hierzulande gut bekannt, ich glaube mich dumpf an so eine Geschichte in der Kindheit erinnern zu können. Jemand von euch kann sicher besser eine Kurzzusammenfassung von der Geschichte wiedergeben.
Dieser Märchenhintergrund wurde zumindest mir erst nach dem Film wirklich bewusst. Zwar erzählte der Hauptdarsteller bereits im Film etwas von dieser Geschichte, allerdings in schnellem französisch mit ebenso schnellen Untertiteln auf englisch, wodurch ich letztlich nicht viel verstanden hab. Der Film soll allerdings auch mit deutschen Untertiteln in österreichische Kinos kommen, wie Baier nach dem Film verkündet hat. Vielleicht auch ins Moviemento? Auf jeden Fall sehr empfehlenswert!
Ebenfalls deutete Baier noch einige Szenen im Film, sodass sie als Märchenbezogen erkannt werden können: Rosa, die dominante Karrierefrau, unterwirft Francois, den Kritiker. Sie ist der Vogel, der hoch oben (im obersten Stock des Hochhauses ihrer Zeitung ist ihr Büro) ihre Umwelt betrachtet und den Fuchs, der geduckt immer nahe am Boden unterwegs ist, im Griff hat. Sie mag es nicht, wenn man ihre Haare berührt (und macht sich in so einem Fall sofort einen Friseurtermin zum Haarewaschen aus, unter dem Vorwand, einen positiven Bericht über den Salon schreiben zu wollen). Francois wiederum überfährt, nachdem er die erste Kritik abgeschrieben hat, einen Fuchs - also quasi sein eigenes Gewissen. Er schmeißt ihn in den tiefen Schnee, aus dem er erst im Frühling wieder auftaucht - und seine verdrängten Probleme und Konflikte eskalieren. Für weitere Deutungen bin ich allerdings nicht zu gebrauchen, da ich nicht genug kapiert hab, wegen den Untertiteln, und auch das Märchen nicht gut genug im Kopf hab.
Und zuguterletzt ist der Film auch eine Mediensatire: Die Filmkritiker schreiben bloß in abgehobener, poetischer Sprache. Ob ein Film gut oder schlecht bewertet wird, liegt zum Teil an mathematischen Formeln ("mir hat der Film gefallen, aber sein letzter Film erhielt gute Kritiken, also ist dieser nun schlecht" - Zitat Rosa Rouge, sinngemäß). Baier packt da auch viel von seinen eigenen Erfahrungen oder Ansichten hinein: etwa, dass Filmkritiker heutzutage nur darüber schreiben, ob ihnen der Film gefallen hat oder nicht - statt den Film in seiner Machart zu untersuchen. Wer mehr wissen will: Anschauen sehr empfehlenswert!
Und ob es Filme gibt, bei denen "Menschen um die 30 oder 40 Jugendliche massakrieren"? (Zitat Anna Weniger, voriges Posting) - Nun ja: kommt auf die Sichtweise drauf an. Zuerst Mal müsste wohl geklärt werden, ob die Mörder zwischen 30 oder 40 Jahren alt sein sollen, oder ob es darum gehen soll, dass 30 bis 40 Jugendliche getötet werden - von Menschen, versteht sich. Ich glaube, in der Filmgeschichte lassen sich für Beides Beispiele finden - auf jeden Fall, wenn man Kriegsfilme mitberücksichtigt ;-)
Aber nun scher ich hoffentlich Mal ein bisschen aus dem bisherigen Filmschau-Schema aus. Habe nämlich heute - bereits um 11.30! - Un autre homme / Another Man vom Schweizer Lionel Baier gesehen. Die Kurzbeschreibung im Programm verspricht eine satirisch angehauchte Geschichte von einem Neo-Filmjournalisten, der seine Filmkritiken einfach aus einer anderen, vermeintlich kaum gelesenen Filmzeitschrift abschreibt. Doch viel mehr geht es darum, dass er seine Freundin, mit der er eine Wohnung teilt, zugunsten einer Branchenkollegin, auf die er bei Film-Previews in Lausanne aufmerksam wird, vernachlässigt und fallen lässt. Diese Branchenkollegin, genannt Rosa Rouge, ist jedoch ein heißes Eisen, an dem man sich leicht verbrennt. Sie wickelt ihm sofort um den Daumen: Sie macht ihn an, lässt ihn abblitzen, hat dann aber doch Sex mit ihm, mitten im Kino, und schließlich ist er zumindest für einen Tag ihr Sexsklave in einem Hotel in Lausanne - wo er ohne Kleidung, die sie angeblich gespendet hat, gefangen ist.
Doch noch viel mehr geht es im Film um eine Sage bzw. Märchen aus dem Mittelalter, nämlich Renard (bzw. Renart?) - also "Fuchs". Darin geht es um einen Fuchs, der was von einer Henne will, und alle Warnungen, die ihm vorgebracht werden ignoriert. Ich glaube das Märchen ist auch hierzulande gut bekannt, ich glaube mich dumpf an so eine Geschichte in der Kindheit erinnern zu können. Jemand von euch kann sicher besser eine Kurzzusammenfassung von der Geschichte wiedergeben.
Dieser Märchenhintergrund wurde zumindest mir erst nach dem Film wirklich bewusst. Zwar erzählte der Hauptdarsteller bereits im Film etwas von dieser Geschichte, allerdings in schnellem französisch mit ebenso schnellen Untertiteln auf englisch, wodurch ich letztlich nicht viel verstanden hab. Der Film soll allerdings auch mit deutschen Untertiteln in österreichische Kinos kommen, wie Baier nach dem Film verkündet hat. Vielleicht auch ins Moviemento? Auf jeden Fall sehr empfehlenswert!
Ebenfalls deutete Baier noch einige Szenen im Film, sodass sie als Märchenbezogen erkannt werden können: Rosa, die dominante Karrierefrau, unterwirft Francois, den Kritiker. Sie ist der Vogel, der hoch oben (im obersten Stock des Hochhauses ihrer Zeitung ist ihr Büro) ihre Umwelt betrachtet und den Fuchs, der geduckt immer nahe am Boden unterwegs ist, im Griff hat. Sie mag es nicht, wenn man ihre Haare berührt (und macht sich in so einem Fall sofort einen Friseurtermin zum Haarewaschen aus, unter dem Vorwand, einen positiven Bericht über den Salon schreiben zu wollen). Francois wiederum überfährt, nachdem er die erste Kritik abgeschrieben hat, einen Fuchs - also quasi sein eigenes Gewissen. Er schmeißt ihn in den tiefen Schnee, aus dem er erst im Frühling wieder auftaucht - und seine verdrängten Probleme und Konflikte eskalieren. Für weitere Deutungen bin ich allerdings nicht zu gebrauchen, da ich nicht genug kapiert hab, wegen den Untertiteln, und auch das Märchen nicht gut genug im Kopf hab.
Und zuguterletzt ist der Film auch eine Mediensatire: Die Filmkritiker schreiben bloß in abgehobener, poetischer Sprache. Ob ein Film gut oder schlecht bewertet wird, liegt zum Teil an mathematischen Formeln ("mir hat der Film gefallen, aber sein letzter Film erhielt gute Kritiken, also ist dieser nun schlecht" - Zitat Rosa Rouge, sinngemäß). Baier packt da auch viel von seinen eigenen Erfahrungen oder Ansichten hinein: etwa, dass Filmkritiker heutzutage nur darüber schreiben, ob ihnen der Film gefallen hat oder nicht - statt den Film in seiner Machart zu untersuchen. Wer mehr wissen will: Anschauen sehr empfehlenswert!
Otto Normalcrosser - 24. Apr, 19:20



