Freitag, 2. Mai 2014

crossing europe behind, crossing europe ahead

geehrte crosser,

und wieder ist der zeitpunkt gekommen, wo es vorbei ist. richtig schmerzlich ist mir das bei meinem kroko-besuch heute bewusst geworden - banner weg, leute weg, stimmung anders. schade, jedes jahr wieder. crossing europe bringt einen ganz besonderen flair in die stadt, internationalität, künstler, interessierte, partybesucher und viele mehr. einmal mehr eine herzliche gratulation an das gesamte team und ein riesiges hut ab! nicht zu vergessen die großartige christine dollhofer, die es an vorderster front jedes jahr wieder schafft, viel qualität zu bringen und auch unter den widrigen umständen nicht aufgibt.

XE14

man will sich gar nicht vorstellen, was mit dieser stadt geschieht, wenn sich die gewählten noch mal verspekulieren, das kulturbudget noch mal um die hälfte gesenkt wird oder sich der größte arbeitgeber auf steuerflucht begibt... vielleicht gibt es ja auch dazu bald einen film, vielleicht im nächsten jahr bei crossing europe? ich jedenfalls freue mich aus vollstem herzen drauf!

herzlichst
eure madita

Mittwoch, 30. April 2014

Love Steaks

werte festivaler,

der letzte festivaltag ist fast vorüber und eine letzte filmbesprechung hab ich noch für euch - auch wenn mein letzter film schon gestern stattfand. es war dies "Love Steaks" von Jakob Lass, ein äußerst kurzweiliger film über ein ungleiches liebespaar in einem deutschen hotelkomplex. ohne zu wissen, dass dies mein letzter film sein würde, hab ich da eine super entscheidung getroffen - man folgt den beiden protagonisten durch ihre psychischen unzulänglichkeiten und gewinnt beide lieb - so frisch, tollpatschig und lustig führen sie einen durch dieses machwerk.
auch wenn es kein film mit schwierigem hintergund ist, der die sozailen probleme unserer zeit aufgreift, so ist es doch immer wieder schön zu sehen, dass auch unterhaltungskino - keinesfalls aber seichtes - seinen weg aufs crossing europe findet.
herr lass, vielen dank für dieses ausgezeichnete entertainment!

mir bleibt nun nicht mehr viel zu sagen: mit viel motivation berichte ich morgen noch von einem texta-auftritt bei der nightline. wäre auch eine schöne klammer vom film am ersten tag zum konzert am letzten. mal sehen....

hochachtungsvoll,
eure madita

cinematografia

Passend zur Stimmung am letzten Festivaltag die, in die frühen Morgenstunden verlegte Nachtsicht-Vorstellung: LES RENCONTRES D’APRÈS MINUIT/YOU AND THE NIGHT von Yann Gonzalez, eine amüsant-melancholische französiche Kopforgie, mit einem herrausragendem Ex-Fussballprofi (Eric Cantona) in einer der Hauptrollen und einer beachtenswerten Anzahl männlicher Genitalien im gesamten Film. Eher auf weibliche Nacktheit setzte Dario Argento in DRACULA 3D, ließ dabei aber Menschen beiderlei Geschlechts aufspiesen, köpfen oder von Wölfen ausweiden und selbstreden von den Kreaturen der Nacht ausbluten. Persönlich werde ich bestimmt kein Freund der 3D Technik mehr werden, auch in DRACULA meiner Ansicht nach ein eher sinnfreies Stilmittel. 99% des Films sehen aus wie ein Aufklappbuch und auf den einen Wolfskopf und die beiden Speere die aus der Leinwand auf die BetrachterInnen losfliegen hätte ich durchaus verzichten können.
Gänzlich auf technischen Schabernak verzichtete Andrei Gruzsniczki in QUOD ERAT DEMONSTRANDUM. Er drehte seinen, im Rumänien Nicolae Ceaușescus spielenden Politkrimi stimmig in Schwarz-Weiss und setzte auf gemächliche Einstellungen und eine Stimmige, in drei Handlungssträngen verlaufende Story.
Ebenfalls filmtechnisch simpel aber effizient TIR von Alberto Fasulo. In einer Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm gibt er Einblicke in den familienfeindlichen Alltag der vielgeschimpften Berufsgruppe der FernlastwagenfahrerInnen. Wobei in diesem Film ausschließlich männlich LKW-Kapitäne vorkommen, mit dem Binnen "I" möchte ich aber einer "Frauen werden ausgelassen"-Diskussion vorbeugen. Eine Diskussion der sich übrigen Dieter Strauch in einem Q&A zu TEXTA IN & OUT stellen musste, fehlte doch einer BesucherIn in seinem Film über 5 männliche Hip Hoper, die seit 20 Jahren miteinander musizieren, die weibliche Seite.
Nun ja, dann bleibt mir nur noch auf KAFKA, KIFFER & CHAOTEN (mit Frauen auf der Leinwand, aber Obacht, manchmal nackt!) heute um 20:30h und auf die Männerband TEXTA (vermutlich bekleidet) bei der letzten Nightline 2014 hinzuweisen.
Yo brothers & sisters!
Ihr
Dan Rocker

Dienstag, 29. April 2014

100% DAKAR - MORE THAN ART

ein weiteres highlight gestern war die weltpremiere von "100% Dakar - More than Art" von sandra krampelhuber. seit jahren passionierte dakar-reiserin ging die regisseurin der kulturszene in der senegalesischen stadt nach. als interviewpartner kommen videokünstler, rapper, modeschöpfer, sprayer, tänzer zu wort & beschreiben einerseits ihr arbeitsumfeld, aber andererseits auch den flair ihrer stadt, die aufbruchsstimmung, den stolz auf ihre herkunft. eindrücklich vermittelt diese doku eine stadt, in der man sein möchte, die ihren eigenen weg findet & das mit viel vehemenz & stolz.

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mit stark beschränkten mitteln gelang der regisseurin hier ein interessanter einblick in eine spannende szene einer stadt, die man meist nur als endpunkt einer autoralley wahrnimmt. noch eine große empfehlung!

beeindruckt,
eure madita

jesus, maria & josef stalin!

geschätzte cineasten,

ich oute mich hiermit als neu gewonnener fan der nachtsicht. und das absolute highlight war eindeutig "Død Snø 2 - Dead Snow 2 - Red vs. Dead" von Tommy Wirkola - besser kann man einen tag nicht beginnen:

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ich spar mir eine inhaltsangabe, aber lasst euch gesagt sein, für kurzweilige unterhaltung mit grandiosen einfällen ist gesorgt. best quote: "jesus, maria und josef stalin!" auch wichtig zu wissen: mit dem angenähten arm eines norwegischen nazi-zombies keinesfalls herzmassage versuchen! und der amerikanische zombie-squad definiert professionalität neu...

nicht begeistern konnte mich der wettbewerbsfilm "Les Apaches" von Thierry de Peretti. während mein werter kollege herr rocker durchaus über die gezeigte banalität ins schwärmen kam, empfand ich alles schwer belanglos. klar, eine gruppe jugendlicher tötet völlig sinnlos einen der ihren & ja, sowas geschieht sicherlich auch in dieser banalität, aber nichts hier konnte mich fesseln. nicht schlecht, also kein verriss, aber irgendwie wurscht.

über "Global Shopping Village" von ulli gladik wurde ja bereits einiges geschrieben - herrn reis verdanken wir auch eine recht ausführliche inhaltliche beschreibung. für mich war diese doku herausragend! städtische fehlplanung, bestechung, freunderlwirtschaft & die absolute vorherrschaft des kapitals zeigen hier die funktionsweise unserer welt. als einziger weiter an das gute im menschen glauben lässt mich herr walter brune, architekt des ersten großen einkaufszentrums in deutschland & nun erbitterter & fundierter gegner dieser vorortklitschen. thumbs up!

wieder retour bei den wettbewerblern hab ich mir heut noch den hochgelobten "TIR" von Alberto Fasulo zu gemüte geführt & kann das lob nur bestätigen. der film folgt einem LKW-fahrer & seiner mitunter tristen existenz. beinahe beiläufig & damit umso einträglicher werden die unerträglichen arbeitsbedingungen in diesem business erwähnt - nämlich in völlig selbstverständlichen aufforderungen des arbeitgebers, bei der fahrtdoku zu betrügen. wunderbar inszeniert mit fantastischen schauspielern (Branko Završan!!). könnte den wettbewerb gern gewinnen. oder die damen in palermo. so, jetzt wisst ihr das auch.....

angetan,
eure madita

Electro Chaabi - Block Party auf ägyptisch

Heute, am bereits vorletzten Tag der diesjährigen Festivalausgabe (Preisverleihungen ab 21 Uhr im Ursulinensaal!), möchte ich die Gelegenheit nutzen einen Film zu erwähnen, den ich aufgrund der Dichte des Programmes bisher aufschieben musste: Electro Chaabi von der französischen Regisseurin Hind Meddeb, die uns mit ihrer Kamera in die große unbekannte Welt von Kairos Armenvierteln eintauchen lässt. Die Regisseurin war zur Österreich-Premiere des Films in Linz für ein Gespräch mit dem Publikum anwesend.

Regisseurin Hind Meddeb bei der Österreich-Premiere von Electro Chaabi in Linz, 26.4.2014
Regisseurin Hind Meddeb bei der Österreich-Premiere in Linz. Alle Fotos von den Q & A's am diesjährigen Crossing Europe gibts übrigens in diesem flickr-Festival-Album!

Dort fristen Millionen, von Gesellschaft, Politik und Medien vergessene bzw. bewusst ignorierte Jugendliche, ihr Dasein - und fröhnen zum "richtig abschalten" auf "Mahragan" genannten Partys dem Electro Chaabi - einer traditionellen nordafrikanischen Musikrichtung, frisiert mit knackigen Beats und Bässen zeitgemäßer Musikprogramme. Wer sich jetzt nicht wirklich was darunter vorstellen kann, dem seien die virtuosen Keyboard-Künste von Islam Chipsy, mit akustischen Trommeln live begleitet, aufs Wärmste empfohlen! (Filmausschnitt):



Eintauchen in Kairos Armenviertel ...

Wacklige Bilder sind es, die uns auf den Fersen der MCs Ortega und Oka sowie ihrem Keyboard-Virtuosen Weza durch die verkommenen (von der Stadt ungepflegten) Gassen und finstere Treppenhäuser in die engen Wohnungen der Protagonisten in einem der vielen Armenviertel von Kairo führen, um uns ihre Lebensrealität zu zeigen. Für Millionen sind sie bereits Stars, die Anlässe wie Hochzeiten oder Geburtstage zu riesigen Blockpartys werden lassen. In ihren Tracks prangern sie die fortdauernden Missstände und die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber den Armen auch nach der "sogenannten Revolution" an. Sie appellieren an den Revolutionsgeist der Jugend, Texte beginnen mitunter mit Sätzen wie "Wir sind die Jugend vom 25. Jänner" und fragen, ob denn all die Opfer der Aufstände vergeben und vergessen worden sein (dank englischer Untertitelung gewährt uns die 77 Minuten lange Doku tiefe Einblicke in die Inhalte der auf ägyptisch vorgetragenen Texte).



Aber auch weniger erfreuliche Umstände kommen in der Doku ans Tageslicht: Mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau sieht es auch nach der "Revolution" traurig aus. Auf den Chaabis sind es vor allem die "Jungs", die im Vordergrund stehen, einander lautstark anfeuern und quasi um die Wette tanzen. Die Mädchen stehen grundsätzlich - falls überhaupt welche da sind bzw. sich "hertrauen" - abseits und bleiben unter sich. Einer der Electro-Chaabi-DJs wird darauf angesprochen und erklärt sich das damit, dass die Frauen Angst haben vor den Typen, bei denen zwischen Tanz und sexuellem Übergriff oft nur ein schmaler Grat verläuft. Ein trauriger Befund im Jahr 2014.

kommerzieller Ausverkauf und Ausbeutung

Gegen Ende der Doku - es wird ein sechsmonatiger Zeitsprung unternommen - hat sich die Crew vom Anfang durch das erste Angebot eines TV-Senders für Auftritte bereits spalten lassen. Oka und Ortega - die auf der Straße ohnehin schon ein Millionenpublikum hatten - ließen sich vom Duft des Geldes verführen und haben dabei offenbar nicht einmal an ihre Eltern gedacht, die sie in den engen Elendsquartieren zurückgelassen haben. Zumindest bisher. Auch ehemalige Weggefährten hoffen noch darauf, dass sie bald wieder auf den Teppich runterkommen.

Mit Oka und Ortega - und deren anfänglicher Kritik an abgeschwächten Kommerz-Coverversionen ihrer Nummen - beschäftigt sich übrigens auch eine andere Doku, Underground / On the Surface, von der dieser Trailer (mit Oka und Ortega im O-Ton) hier online zu finden ist:


Aber sei es, wie es sei: Electro Chaabi lässt viel von den enorm schweren Lebensumständen der praktisch vollkommen auf sich allein gestellten Bevölkerung der Armenviertel erahnen. Hier gelten andere Regeln, das Ellbogendenken ist, sobald Geld ins Spiel kommt, oft noch viel ausgeprägter als ohnehin immer. Zu sehr ist man an die Armut gewöhnt, kennt die Regeln der Unterhaltungs-Industrie nicht, die junge Talente in der Regel frisst - und wie in Oka und Ortegas Fall mit 5-Jahres-Exklusiv-Verträgen wohl mehr als diesen bewusst ist ausbeuten wird - und schließlich, ist der Hype erst mal vorbei, wie eine heiße Kartoffel fallen lassen wird.

Sprachrohr der ägyptischen Jugend

Dennoch: Mit dem Electro Chaabi haben die "Kids" der Vorstadt-Ghettos endlich ein eigenes Sprachrohr gefunden und wurden damit so laut, dass sie von den Medien - deren Ignoranz man ja immer beklagt hat - nun nicht mehr ignoriert werden können. Nur wenige haben bereits die Gefahren einer Vereinnahmung durch die Industrie zur Manipulation und Kontrolle der Massen in den Armenvierteln erkannt und verweigern einen "Ausverkauf" ihrer Musik und Texte. Dass diese jedoch unlizenziert und ohne nachzufragen beliebig gecovert und verändert werden, sofern sie populär sind, können sie auch nicht verhindern. Sie sehen keinen Cent aus den Geschäften hinter ihrem Rücken.

Aber so einfach wird sich Ägyptens Jugend ohnehin nicht zähmen lassen, das haben viele, die in dieser Doku zu Wort kommen, klar gemacht. "Früher waren Polizisten Respektpersonen, sozusagen tabu. Wer es wagte, die Politik zu kritisieren [unter Mubarak], ist am nächsten Tag spurlos verschwunden. Das hat sich mit der Revolution geändert. Die Polizei wurde vertrieben und ist seither nicht mehr zurückgekehrt."

Bonusvideo ;) just jamming on the rooftop <3


Mehr Infos und Hintergründe zum Film (Weltvertrieb: Monoduo Films, Berlin) gibts auch in diesem, englischsprachigen, Blog: http://jessholland.co.uk/2013/11/18/electro-chaabi-the-dance-music-craze-sweeping-cairo

филм

Leider entäuschte mich der Talk THE FUTURE OF MUSIC VIDEO gestern Nachmittag etwas. Es ist natürlich durchaus spannend FilmemacherInnen beim Erzählen über ihre Arbeitsweisen zuzuhören. Auch über unterschiedliche Veröffentlichungskanäle, vom Filmfestival über Musikfernsehen bis zu youtbe und vimeo kann man diskutieren. Warum allerdings augerechnet das titelgebende Thema in der Gesprächsrunde völlig ausgespart werden muss, entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen.
Sehr informativ und spannend im Anschluß 100% DAKAR - MORE THAN ART von Sandra Krampelhuber. Die Filmemacherin zeichnet mit minimalem Budget anhand von Interviews mit senegalesichischen KünstlerInnen aus verschiedenen Sparten (Mode, Musik, Streetart und Tanz) ein modernes und differenziertes Bild des Lebens in Dakar. Sehr interessant fand ich den Zugang zu Graffiti, während hierzulande Menschen mit Spraydosen schnell hinter Gittern landen, ist diese Kunstform im Senegal nicht nur legal, die Street-Art KünstlerInnen werden für ihre Beiträge zur Verschönerung Stadtbilds hoch geschäzt!
Auch GLOBAL SHOPPING VILLAGE von Ulli Gladik im Rahmen des Shaping the World-Programms konnte mich begeistern. Inhaltlich kann und möchte ich wieder auf den wie immer sehr ausführlichen Beitrag von Kollegen Jonas Reis verweisen. Erwähnenswert aber auf jeden Fall die Segnung eines Einkaufszentrum in der tiefsten österreichischen Provinz durch einen katholischen Pfarrer. Jesus, Maria und Josef Stalin!
Ihr
Dan Rocker

Montag, 28. April 2014

Doku über die Shopping-Center-Blase - Filmtipp: "Global Shopping Village"

Unmerklich kamen sie herangeschlichen. Eines nach dem anderen, Jahr für Jahr, Bezirk für Bezirk. Sie versprachen viele "neue" Arbeitsplätze, "Wirtschaftswachstum", Steuereinnahmen und "mehr Lebensqualität". Die Kaufparks, Fachmarktzentren, Einkaufszentren und Malls in Österreich. Scheinbar eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Shopping-Center-Betreiber, Konsumenten und Gemeinden gleichermaßen. Ein Zeichen, wenn nicht gar "Beweis" des (unendlichen) Wachstums und Aufschwungs?

by Uli Gladik, 2014

Wie die Maus zum Käse gelockt wird ...

Was die Shopping-Mall-Entwickler nie erwähnt haben: Für jeden Arbeitsplatz, den sie außerhalb der Dorf- und Stadtzentren "errichten", gehen im Verlauf von 5 bis 10 Jahren zwei Arbeitsplätze in den alten Zentren verloren. Bis die Bürgermeister, die bis dahin von allen Seiten nur mit den besten Erwartungen eingelullt wurden, von den Projektentwicklern angesprochen werden, wurden bereits ein bis zwei Jahre im Vorfeld deren Umfeld sowie Meinungsführer und weitere einflussreiche Persönlichkeiten "beackert". Am Schluss kann der für die (üblicherweise) gegen die (zahnlose) Raumordnung verstoßenden Ausnahmebeschlüsse letztverantwortliche Bürgermeister gar nichts anderes als nur das beste über das Einkaufszentrum auf seinem Gemeindegebiet zu denken. Die Öffentlichkeit wird gleichzeitig mit Werbe- und PR-Kampagnen in sämtlichen Publikationen auf die angeblichen Vorteile des neuen Kaufparks/Einkaufszentrums eingeschworen: "100 neue Jobs - x Millionen zusätzliche Wertschöpfung - neues Shopping-Erlebnis - nachhaltige Investition in die Zukunft der Region" etc.

Die Verödung der Welt

Doch das dicke Ende kommt zum Schluss: Ganzen Landstrichen wurde in den letzten zwei Jahrzehnten "die Seele geraubt" (in ganz Europa hat sich die Einzelhandelsfläche in diesem Zeitraum verdreifacht - also ein vielfaches des Bevölkerungswachstums in diesem Zeitraum). Es handelt sich hier also um einen klassischen Verdrängungswettbewerb der "großen Player" (Konzernfililalen) gegen lokale Familienbetriebe - eine Umverteilung von den Händen Tausender zu den Händen ein paar weniger Investoren und Aktionäre. Von den damit zusammenhängenden sozialen Folgen für hunderte Gemeinden allein in Österreich noch gar nicht gesprochen ...

Nicht nur in Österreich: bis zur Wirtschaftskrise 2008 wurde auch Osteuropa erfasst - und zwar noch viel schneller und noch intensiver als Österreich. Mittelgroße Städte, die selbst nach Ansicht von Branchen-Insidern (die im Film zahlreich zu Wort kommen) bestenfalls ein Einkaufszentrum "vertragen" würden, erhielten binnen weniger Jahre im Schnitt drei. Die Phase des unbegrenzten Wachstums hat also längst ihren Zenit überschritten. Internationale Einkaufszentren-Betreiber konkurrieren mittlerweile immer stärker gegeneinander; nicht nur in Osteuropa, auch in Österreich haben bereits Einkaufs-Parks schließen müssen. Besonders problematisch ist laut Doku der "Markt" in Kroatien, Ungarn und Rumänien, wo "auf Teufel komm raus" investiert wurde, ja sogar inexistente Projekte auf Immo-Messen u.a. in Wien "von der Liste herunter" (!) gekauft wurden, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern ... Fälle wie Immofinanz oder Hypo Alpe Adria kommen schließlich nicht von ungefähr.

Alles Eitelkeit und Wonne

Mehrere österreichische Einkaufszentren-Entwickler nützen die Gelegenheit, in der Doku ihre Ansichten zu Protokoll zu bringen. Einer etwa ist überzeugt, dass Einkaufszentren nur eine Zukunft haben, wenn es gelingt, sie als Freizeit- und Unterhaltungsstätten attraktiv zu halten bzw. zu machen. Das Credo: Der Kunde muss möglichst lang im Einkaufszentrum gehalten werden, die Kaufwege im Zentrum müssen zwischen mehreren "Polen" angelegt werden ("Zugpferde" wie große Elektronikmärkte oder Supermärkte), am Weg zwischen diesen Polen sollen "Impulskäufe" getätigt werden.

Um die Verweildauer in der Mall zu erhöhen werden Kinos angesiedelt (in anderen Ländern längst auch ganze Vergnügungsparks), die finanziell eigentlich ein Nullsummenspiel für die Mall sind, aber Publikum erschließen - und binden. Ein steirischer Shopping-Mall-Betreiber erzählt sogar, dass sein Unternehmen via Facebook Anfragen von Jugendlichen bekommen habe, ob man im Shopping-Center nicht Wohnungen errichten könne. Dort verbringe man schließlich einen Großteil seiner Freizeit, weil man dort immer jemanden treffe ...

Gemma Lugner?

Shopping-Center ersetzen immer öfter Stadt- und Gemeindezentren in der Funktion als zentraler Kommunikationsort und Treffpunkt. Bestes Beispiel in Wien wohl: die Lugner City am Gürtel. Dort gibt es im Aufenthaltsbereich vor dem im Gebäudekomplex integrierten Kino Tischfußballtische, Spiel- und Rennfahr-Automaten. Natürlich nicht gratis, aber für erstaunlich viele Jugendliche scheint es eine Lücke auszufüllen, in die (besonders für ältere Jugendliche) oft eher "uncool" wirkende, betreute und somit "kontrollierte" Jugendzentren nicht vordringen können.

In manchen Ländern gehen Projekt-Entwickler tatsächlich so weit, ihre Zentren als "Staat im Staat" anzulegen. Die Menschen sollen so viel Zeit wie möglich im Einkaufszentrum verbringen, das erhöhe schließlich die Wahrscheinlichkeit, dass sie konsumieren (Kreditkarten helfen dabei, schon heute das Geld, das nächstes Monat verdient wird, auszugeben) - warum also nicht gleich in der Mall wohnen, die Kinder in den Kindergarten bringen, zum Arzt gehen usw.? Und siehe da: Plötzlich haben wir unser ganzes Leben in die Hand einiger weniger internationaler Shopping Center-Betriebsgesellschaften mit ihren eigenen Regeln, Securities, Preis- und Gebührenmonopolen gelegt.

die Strukturen und Mechanismen im Hintergrund offenlegen...

Die Doku von Ulli Gladik führt uns - in Begleitung von führenden Shopping-Center-Entwicklern, Marktanalysten und Architekten - zu Immobilien- und Shopping-Center-Messen in Deutschland, Österreich und Kroatien. Eines der Interviews wurde z.B. mit dem Erbauer des ersten Einkaufszentrums Deutschlands (1973), dem Rhein-Ruhr-Zentrum, Walter Brune geführt. Dieser wurde - als er sah, wie sein Werk die Innenstadt entleert hatte - zum entschiedenen und lautstarken Bekämpfer von Shopping Centern, der jeden Folgeauftrag ablehnte; übrigens eine auffallende Ähnlichkeit zu Victor Gruen, dem "Vater" der Shopping Mall in den USA, der eigentlich nur das Lebensgefühl europäischer Innenstädte in die "Neue Welt" exportieren wollte. Über Victor Gruen entstand übrigens 2010 ebenfalls ein Dokumentarfilm: Der Gruen Effekt. Victor Gruen und die Shopping Mall.

Walter-Brune-im-Interview-mit-dem-Filmteam-von-Global-Shopping-Village
das Filmteam von Global Shopping Village beim Interview mit Architekt Walter Brune

Stück für Stück, erklärt von Insidern, die in ihrem Tun nichts schlechtes sehen, werden so die Abläufe hinter den Kulissen dieser massiven Eingriffe in die gewachsenen, regionalen Einzelhandelsstrukturen nachgezeichnet:

- die Rolle der Banken, Hedge- und Pensionsfonds, mit deren Geld (nicht zuletzt auch das Geld tausender, ahnungsloser Kleinanleger) die Investments getätigt werden.

- die Funktion der Shopping-Center-Entwicklungsgesellschaften, von denen ATP mit über 500 Beschäftigten ein für österreichische Verhältnisse enorm großes ist und zu den größten Europas zählt. Diese Unternehmen kümmern sich vom Ankauf der Grundstücke über die Gestaltung und Architektur bis zum Anwerben der Mieter um alle Schritte, die nötig sind, um aus einer grünen Wiese ein schlüsselfertiges Einkaufszentrum zu machen - und der jeweiligen Bank als "Rendite-Maschine" zu übergeben.

- die Rolle der Politiker und Behörden (recht simpel bestätigen sich hier alle Klischees: immer Ja-Sagen, nicken und bei kritischen Fragen davonlaufen). Während der jahrelangen Vorrecherchen und Dreharbeiten wollte sich keine österreichische Raumplanungsbehörde zur rechtlichen Kompatibiliät solcher Kaufparks mit den Raumordnungsgesetzen äußern! Keine der gesetzlich vorgesehenen Aufsichts- und Kontrollbehörden wollte einer Einladung zum Lokalaugenschein Folge leisten! Hier werden beide Augen zugedrückt! Korruptionsdämpfe stinken zum Himmel ...

- und zuguterletzt die Rolle der Jäger aka "die feine Jagdgesellschaft". Einer von ihnen plaudert aus dem Nähkästchen. Beim jagen treffen sich auch im 21. Jahrhundert die (teilweise verdeckten) Eliten. Beim jagen lernt man einander schließlich kennen und vertrauen, und harmlose Jagdeinladungen führen - das lehrt die Erfahrung - letztlich doch immer zu Verhaberungen und Abhängigkeiten ... wenn ein Bürgermeister trotz Widerstands lokaler Wirtschaftsstrukturen und der Bevölkerung ein Einkaufszentrumsprojekt auf biegen und brechen durchdrücken will, dann sei dieser "in der Regel geschmiert" - rutscht dem Jäger da mal einfach so raus ...

... und offen kritisieren

Durch die direkte Involviertheit der Akteure ins internationale Shopping-Center-Business verfügt diese Doku über zahlreiche O-Töne, die vieles, was man landauf, landab schon lange vermutet hat, ganz unverhohlen, nicht selten auch etwas stolz, in die Kamera sagen. Etwa, dass durch die Verlagerung des kleinstrukturierten Einzelhandels zu konzern-kontrollierten Handelsflächen in Einkaufszentren auch der Anteil der Kreditkartenbezahlungen (in Osteuropa) stark zugenommen hat - mit dem bekannten Effekt, dass sich Menschen im Kaufrausch nicht selten auf Monate (und Jahre) im Voraus verschulden. Hier wird Psychologie am aktuellsten Stand der Wissenschaft zu privatwirtschaftlicher Profitmaximierung angewendet.

Aufnahmen von Shopping-Center-Eröffnungen, wo Bürgermeister, Raiffeisen-Managerin und Center-Entwickler grinsend eine große Zukunft beschwören, tun ihr übriges. Ja sogar die Segnung (!) eines Einkaufszentrums in einer eigenen Messe unter Anwesenheit aller Verantwortlichen ist hier dokumentiert. Von einem kroatischen Shopping-Center erfährt man, dass es über eine Kapelle in seiner Mitte verfügt, wo die "Hausfrauen" zwischen ihren Einkäufen beten gehen ...

Der von der Golden Girls Filmproduktion rund um Arash T. Riahi und der kroatischen Nukleus Film produzierte Film hat es wirklich in sich. Und das scheinen die Leute auch zu ahnen: Beide bisherigen Vorstellungen in Linz (Weltpremiere!) waren mehr als überfüllt. Daher gibt es heute Dienstag, 29. April, um 21:30 Uhr im Saal Moviemento 3 eine Zusatzvorstellung von Global Shopping Village, auf dass auch niemand diese längst überfällige Doku über die Zerstörung von Dorfgemeinschaften im ganzen Land verpassen möge!

PS: Ein Kinostart im Herbst 2014 wird angepeilt! Filmverleihe da draußen: schnell zugreifen und auch an den internationalen Vertrieb (insbesondere Deutschland und Kroatien) denken! ;)

PS 2: Auf der Facebook-Seite des Films werden aufschlussreiche, ergänzende Szenen (Interviews im Rahmen der Recherchen mit Entscheidungsträgern, Experten, Insidern etc.) veröffentlicht, die im Film keinen Platz mehr gefunden haben. Außerdem könnt ihr durch euer "like" einen Teil dazu beitragen, dass der Film rasch einen Verleih findet und in ganz Österreich gezeigt werden kann! ;)

Die gekünstelte Welt als Miniaturmodell.

Zur Dokumentation Double Happines von Ella Raidl

Es ist kein Zufall das in China, nach dem Pariser Eiffelturm oder der griechischen Akropolis, der Ortskern von Hallstatt seine Nachbildung findet. Diesen städtebaulichen Vorgang, nennt Raidl „Disneyfizierung“. Mittels Tilt-Shift Aufnahme und durch Modellnachbauten dieser Marktgemeinde, zeigt Ella Raidl interessante Bildeinstellungen der Sehenswürdigkeit bzw. des UNESCO-Welterbes von Hallstatt. Diese ergänzen sich, zum Thema des Films, der Reproduktion und Repräsentanz von Kultur.

Ella Raidl zeigt komponierte Bilderwelten, die hinter die Kulissen der Bau- und Kreativwirtschaft blicken lassen. Übergänge von europäischen und asiatischen Einflüssen auf die Architektur. Ebenso den Drang der Chinesischen Ober- und Mittelschicht ein globales Gefühl der Romantik wiederzubeleben. Eine Sehnsucht der Menschen nach einem Landschaftsbild, das dem Film Sound of Music (USA/A, 1965, R: Robert Wise) entspringt. Wie in der Szene, bei der sich die Hauptdarstellerin, vor der Kulisse des Hallstätter Marktplatzes, mit Ihren Rücken nach hinten beugt und dies eine Assoziation zu einer Szene in Sound of Music widerspiegelt (siehe Filmplakat). Ein Traumgebilde, das durch Hollywood seinen Anfang nahm und mit der die österreichische Tourismus-Wirtschaft sich bis heute, im amerikanischen und asiatischen Raum, bewirbt. Diese lassen Touristen in das Salzkammergut strömen, auf der Suche nach einer wundervollen heilen Welt. Dieses Gefühl wird auch durch die Protagonistin Yaki Cang vermittelt. Die in Ihrer Rolle eine Mischung aus Musikvideo- und Werbeclip-Figur (z.B. im Dirndl) einnimmt. Weitere Szenen folgen: kitschig in Cliché Bildern, als Rätselhafte Liebessuchende vor einer chinesischen Skyline bei Vollmond oder fantasievoll, mittels Bluescreen-Verfahren als emanzipierte Rapperin, die dieses Immobilienprojekt musikalisch bewirbt.

In Double Happines wird das Immobilienprojekt, oft nur als Hintergrundschablone gezeigt und durch Ausschnitte auf Computermontagen und animierten Werbeclips, für die in der Provinz Guangdong entstehende Klon-Gemeinde, untermauert. Die Ähnlichkeiten oder Gegensätze zum Original werden durch Gegenüberstellungen mit Aufnahmen aus Hallstatt hervorgehoben. Ella Raidl zeigt die amüsanten Fehler die diese Nachbauten mit sich bringen, aber meist das unfertige und am Baubeginn befindliche Projekt. In einer Szene zeigt sich deutlich, die Frage nach der Armut in dieser Region. Die Regisseurin nimmt diese Impressionen im Hintergrund mit. Wie zum Beispiel bei der Fahrt auf dem Motorrad der Protagonistin und eines jungen Mannes. Hier sind unzählige Bauruinen zu erkennen, die symbolisch auch dem gesellschaftlichen Wert dieses Projekts hinterfragen lässt.

Den Versuch ein Interview mit der Immobilienfirma zu erhalten, betont die Regisseuren im Gespräch, scheiterte. Übrig blieb nur ein Teil der Eröffnungszeremonie und die für eine Soap-Opera oder in Szene gesetzte Hochzeitsaufnahmen genutzte Kulissenwelt. Wenn Menschen aus China, es sich nicht leisten können Europäische Städte zu besuchen, finden sie sich wieder in diesem Modellen. Wer dieses gesellschaftliche Konstrukt hinterfragt, weiß wohl wie beschwerlich es durch die Zensur sein muss ein kritisches Bild der Chinesischen Kultur zu zeigen. In Double Happines wird dies nur symbolisch angedeutet und zukünftige oder zuvor dort lebende Einwohner der Region werden bewusst ausgelassen und in wenigen Interviewpassagen werden kritische Wertungen zu diesem Projekt betont.

m.

film

Teilweise unterscheidet sich die norwegische Sprache kaum von der deutschen, zumindest was lebende BenutzerInnen betrifft. Deutsche Zombies hingegen fallen in den Weiten Nordnorwegens sofort durch ihre bellende Aussprache auf, Obacht beim Spazierengehen, liebe Jungmütter! DØD SNØ 2 - DEAD SNOW: RED VS. DEAD von Tommy Wirkola schafft ein seltenes Meisterstück und übertrifft den (bereits großartigen) ersten Teil in allen Belangen. Extrem witzig wird hier Zombie-Filmgeschichte geschrieben: noch nie in der langen Historie des Genres trafen deutsche auf sowjetische Zombietruppen, auch cineastisch eingesetzte Panzer dürften neu sein.
Gestern führte mich die filmische Reise via KAPU nach Deutschland, ein Land kotzt sich aus. 1,7, ein Dokumentarfilm über die Punkband SLIME von Mathis Menneking und Timo Schierhorn. Die Filmemacher lassen den Gitarrenroadie Bully der Band sprechen und erzählen aus seiner Perspektive die ungeschminkte Wahrheit über Punkrock. „Anfahren, Aufbauen, Show-Abliefern, Abbauen, Weiterfahren“ und immer brav die Lederjacke an der Garderobe abgeben! Der trockene hanseatische Humor des Hauptprotagonisten ließ mich Tränen lachen. Hier bekommt alles und jedEr sein Fett ab, dabei gibt es allerdings keinen Moment in dem man Bully widersprechen könnte.
Wirklich großartig bei der Nightline im OK später die Wiener Band FIJUKA, gekonnt umrahmt vom MERKER TV SOUNDSYSTEM.
Leicht gestresst von den nahenden nächsten Programmpunkten, den Talk "THE FUTURE OF MUSIC VIDEO und dannach 100% DAKAR - MORE THAN ART verabschiedet sich bis auf weiteres
Ihr
Dan Rocker

VIOLET

ein weiterer wettbewerbsfilm hat es gestern noch in mein programm geschafft: "Violet" des belgischen regisseurs Bas Devos - von der kurzbeschreibung her mein favorit der gelben kategorie.
der junge jesse schlendert mit seinem freund jonas durch ein menschenleeres einkaufszentrum, wo sie von gelangweilten jugendlichen aufgehalten werden. wie in einer randszene wird jonas erstochen, jesse ist beobachter in schockstarre. es ist & bleibt unklar, warum er nicht ergreift oder ob es irgendwas geholfen hätte. der rest des films erzählt das ganz normale leben, das weiterfließt - nur in kleinen ausrissen erkennt man, dass nichts normal ist nach jonas tod. aber weder die jugendliche bmx-clique noch die erwachsenen finden einen weg der aufarbeitung & so kämpft sich jesse mit scheinbarer unberührtheit duch die normalität.

hm ja, was sag ich nun dazu? gutes thema, gut gemacht, schöne szenen, greifbare sprachlosigkeit. aber wenn dies eine langspielplatte wäre, dass wäre die mit 33rpm abgespielt worden & hätte locker 45 vertragen. die ewig langen einstellungen & kamerafahrten gaben meinen gedanken eindeutig zu viel raum zum abschweifen & zu wenig halt in der atmosphäre.

die besten momente - im bild-dichte-verhältnis - bot das ende. jesse, der mit seinem & jonas rad abends durch die menschenleere vorortsiedlung fährt etwa:

CE14_WB_Violet-8

in dieser nacht auch sein erster offener zusammenbruch, den sein vater auffängt. es läutet dies das tatsächliche ende ein, wo man in einer endlosen kamerafahrt von jesses haus über ein auf der straße liegendes bike zu einem anderen, brennenden haus fährt. mit der kamerafahrt in den rauch endet der film... hm...
also ja, guter film, aber wirklich zu langsam!

und nun auf zu norwegischen nazi-zombies, wohl die beste methode diesen montag zu beginnen...

untot,
eure madita

Sonntag, 27. April 2014

Kauza Cervanová

geschätzte crosser,

ein fall, von dem ich noch nie gehört hatte, lässt mich nicht mehr los: "Kauza Cervanová", ein dokumentarfilm von robert kirchhoff, beschäftigt sich mit einem vergewaltigungs- & mordfall in der tschechoslowakei aus dem jahr 1976. 7 männer saßen dafür im gefängnis, kamen 1990 wegen verfahrensfehlern raus & sitzen nun, seit 2004 teilweise wieder, weil der fall neu aufgerollt wurde & sie mitunter höhere strafen erhielten als zuvor. wie es so ist bei solchen fällen, ist nichts so, wie es scheint... es gibt zahlreiche erzwungene zeugenaussagen, politische verbindungen, kaum beweise, dafür ewig viele fragezeichen. recherchiert man im netz, scheint ebenso klar, dass die 7 verurteilten nichts mit dem mord zu tun hatten. und man fragt sich durchaus, wie sowas sein kann? ist das system faul? keinen bock, noch mal zu ermitteln? das alte system lieber nicht in den dreck ziehen? ich komm langsam wieder in revolutionslaune!

leider aber auch noch ein wahnsinnsmanko des films: die untertitelung ist grottenschlecht! also einerseits einfach nicht gut übersetzt, andererseits aber auch völlig planlos ein- & ausgeblendet, meist viel zu kurz & asynchron zur rede. geht gar nicht - bitte überarbeiten!

na jedenfalls: sehr spannend. hut ab vor filmemachern, die sich solche themen suchen & wirklich in die materie eintauchen. chapeau!

die faust reckend,
eure madita

film cinematografic

Nachsicht um 11h vormitags kann auch ganz schön fordernd sein. In der Beschreibung meiner Gedanken zu L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS/THE STRANGE COLOUR OF YOUR BODY´S TEARS von Hélène Cattet und Bruno Forzani schließe ich mich im Grunde den Ausführungen von Kollegin Matida Mal an. Ein sehr surrealer Film, den ich zugegebenermaßen nicht ganz durchschaut habe. Ich glaube, ich sollte die Gelegnheit ergreifen und zu Slash 1/2 (http://slashfilmfestival.com/einhalb/2014/)nach Wien fahren, um den Film nochmals zu sehen. Möglicherweise komme ich dann Laura auf die Schliche.
LA LIMITA DE JOS A CERULUI/THE UNSAVED von Igor Cobileanski
war handlungstechnischer wesentlich einfacher zu durchschauen. Viorel, der vom Grasdealer zum Küchengehilfen wechselt um seiner Mutter einen Gefallen zu tun, verrät seinen Freund und den inhaftierten Freund seiner Geliebten der Polizei um diese (die Geliebte, nicht die Polizei) aus der Prostitution zu befreien und für sich zu gewinnen und vermiest so der Russenmafia ein gutes Geschäft, was diese (die Russenmafia, nicht die Geliebte) nicht auf sich sitzten lässt. Das Ende bleibt offen, doch besonders Happy dürfte es für keinEn Beteiligten sein. Spannender als die Story fand ich jedoch die, durch den Film gewährten Einblicke in das Leben in der Republik Moldau. Ein Land, das nicht nur geographisch sondern auch vom Aufmerksamkeitslevel am Rande Europas liegt.
Nun denn, weitere Filme warten, bis auf weiters verabschiedet sich daher
Ihr
Dan Rocker

Brandschutz vs. Nightline

Nightlinetechnisch, wie Kollege Rocker soeben gepostet hat, war leider gar nicht alles in Ordnung. Mein Herz blutete gestern Abend beim Anblick eines halbleeren Mediendecks und eines fast ganz leeren (vielleicht 50 Leute) Freidecks darunter - und das, während im Erdgeschoß eine lange Schlange aus bis zu 100 Leuten auf Einlass begehrte. Das tut weh - schließlich haben wir auch einige Leute nicht getroffen, die wir noch auf der Nightline treffen wollten - sie durften nicht rein.

So leer war es oben noch nie - und das wirkt sich auch auf die Stimmung aus. Der DJ, der nach Mitternacht an der Reihe war, unterbrach sogar sein Programm zwischenzeitlich um ans Mikro zu treten und die Leute zu bitten, näher nach vorne zu kommen und zusammenzurücken. Er sagte, er sei schon vor ein paar Jahren auf der Nightline gebucht geworden und damals war alles bummvoll und die Stimmung einmalig - doch die Brandschutzbestimmungen, wie er meinte, seien dieses Jahr besonders orthodox ausgelegt worden, wodurch - so meine Einschätzung - die Zahl der Nightline-BesucherInnen um stolze 50 % reduziert wurde. Nichts gegen Brandschutzbestimmungen, aber wenn diese wirklich halbleere Räume vorsehen, hätten Clubs wie das Empire in Linz nie eröffnen dürfen - und alle Altstadtlokale, wo es oft gerade mal eine enge Eingangstür und enge Hinterausgänge gibt, müssten über Nacht für immer schließen!

Paradoxerweise führte sogar das entfernen der Holztreppe zum "Höhenrausch", wodurch noch mehr Platz am Freideck frei wurde, zum gegenteiligen Ergebnis, dass noch weniger Menschen brandschutztechnisch zugelassen wurden (da die Höhenrausch-Treppe als "Notausgang" zuvor die zulässige Kapazität um 100 Personen erhöht hatte). Wie mir schon in den Vorjahren aufgefallen ist, könnte aber die maximal zugelassene Zahl an BesucherInnen (wie viel auch immer das ist) ohnehin laufend unterschritten worden sein, da ja die Securities logischerweise alle Menschen lückenlos zählen müssten, die über eines der Treppenhäuser das Gebäude verlassen. Das ist meiner Einschätzung nach nicht der Fall - und so wird das Mediendeck zur Spitzenzeit rund um Mitternacht immer leerer, während die Schlangen am Eingang immer länger werden ... wenn das die nächsten Jahre ebenfalls so gehandhabt wird prophezeie ich der Nightline einen traurigen Niedergang - viele Leute werden in Zukunft gar nicht erst mehr probieren, zur Nigthline zu gelangen - und für die Bar- bzw. Festivaleinnahmen ist das sicherlich auch alles andere als förderlich ...

Mit diesem traurigen Befund muss ich heute leider die Sonntagsstimmung etwas trüben. Schließlich bin ich bereits zum achten Mal auf diesem Festival - und dass es überhaupt Zugangskontrollen gibt ist auch eine relativ neue "Erfindung", die scheinbar jedes Jahr mehr Securities erfordert, die dafür sorgen, dass jedes Jahr weniger Menschen das Nigthline-Programm genießen dürfen ... denn inhaltlich gibt es daran natürlich nach wie vor - und da liegt Kollege Rocker absolut richtig - gar nichts auszusetzen.

The Strange Colour of Your Body’s Tears

na, das war ja mal ein start in den tag.... "The Strange Colour of Your Body’s Tears" von Hélène Cattet & Bruno Forzani ist ein ausgeprägter LSD-trip am morgen - wenn jemand also gern mal hauptdarsteller in einem hieronymus bosch-gemälde sein möchte, sei ihm dieser film sehr ans herz gelegt!

eine frau verschwindet, obwohl die kette ihrer wohnung von innen angelegt ist - ihr mann sucht sie & findet absurdes & geheimnisvolles rund um laura (?) & bärtige männer, die sich in geheimgängen des hauses rumtreiben, wobei auch immer mal wieder jemand erdolcht wird. kurz vors gewalttätige ausflippen bringt einen eine szene, in der der protagonist durch die klingel aus einem alptraum erwacht, zur tür geht, wieder die klingel hört, noch mal erwacht, wieder klingel, erwachen, klingel erwachen & zwischendrin flieht er vor sich selbst, tötet sich selbst, wird durch sich selbst wahnsinnig. puh....
einzig der komissar bringt immer wieder realität in die story. sehr schöne sequenz: die beiden männer entdecken eine blutige leiche, des besuchers herz pocht, die musik zerrt zusätzlich an den nerven. lakonischer kommentar des ermittlers: "dreh die musik ab, sie ist furchtbar" stille. spitze!

zusammenfassend: nicht wirklich kapiert, aber irgendwie trotzdem sehr cool & wirklich sehenswert!

kvikmynd

Fokus auf Musik? Jein. Gerade in der Sparte Musikvideo reicht diese Blickverengung nicht, Bilder und Musik sollten sich ergänzen, im besten Falle aufschaukeln. Ein schwieriges Unterfangen, aber gerade dieses macht die Sache um so spannender. Es würde den Rahmen des Formats xblog sprengen auf alle 16 Arbeiten des LOCAL ARTIST PROGRAMM 2 - MUSIC VIDEOS einzugehen, mir bleibt als nur die Möglichkeit einige meiner persönlichen Favoriten zu erwähnen. Jakob Kubizek (be)arbeitet in SLEEP SLEEP von GOSPEL Archivaufnahmen von Atombombenversuchen und Atomkriegsverhaltensinformationsfilmen aus den USA der 50igerJahre und setzt deren Ästhetik der Zerstörung gekonnt in Bezug zu einer eher lieblichen Nummer. In seinem zweiten Beitrag zum Programm inszeniert er die Gruppe KREISKY in SELBE STADT ANDERER PLANET als Stillleben (1) der etwas anderen Art. Manuel Knoflach und Florian Schwarz lassen in WASTED SOBER von THE BORDERLINERS ihren Protagonisten in der Wüste Kaliforniens (!) sein eigenes Grab schaufeln und einen Teil seiner Persönlichkeit begraben.Laura Steiner untermalt die indisch-europäischen Sounds von CALCUTTA TRIANGLE von CIRCLE OF SOUND mit Aufnahmen eines Drachenflieger-Festivals in Ahmedabad. Ünal Uzunkaya lässt die Band THE A-MEN in bester Splattermanier in Clownmasken in SHIT FOR THE MASSES eine Hochzeitsgesellschaft massakrieren. Angenehme Vielfalt in der heimischen Musikvideoproduktion!
Im COLONEL BLIMP Shocase wurde dann gezeigt, was mit etwas grösseren finanziellen Resourcen noch in dieser Sparte möglich wäre. Ich hoffe die EntscheidungsträgerInnen der österreichischen Filmförderung verstehen diesen Wink mit dem Zaunpfahl!
Einwandfrei funktioniert übrigens der Vorrang für Akkredidierte bei der Nightline. Sehr charmant fand ich auch die Idee, Trivial Pursuite Karten zum Zeitvertreib an die wartenden Partypeople zu verteilen. DJ PHONO unterhielt programmgemäss mit groovigem House. Und auch ein Abstecher in die KAPU zur Nightline 2 war noch drinnen: solider Hip Hop vor gut gefülltem Haus. Fazit: Nightlinetechnisch alles richtig gemach liebes Crossing Europe!
Auf eine wohlverdiente Nachtruhe freut sich aber nun
Ihr
Dan Rocker

(1) Ich steh auf Wörter mit 3 "l"

Samstag, 26. April 2014

nachtrag "under the skin"

vielleicht nicht ganz uninteressant die diskussion, die sich bei verschiedenen bieren & sonstigen vergnüglichkeiten unter dem festivalvolk zu "under the skin" entspann & deshalb hier eine kleine zusammenfassung:
UnderTheSkin_01
einigkeit herrschte in der tollen bildsprache des films, der passenden und irre beeindruckenden landschaft schottlands und im unleugbaren genuss, scarlett johansson anzusehen. thumbs up auch für den score - die audio-komponente ist mehr als gelungen!
für anhänger von stimmigen plots wird die sache dann schon diffiziler: wie kann dieser außerirdische vamp seinen körper gekonnt zur verführung einsetzen & dennoch ob einer existenten vagina so überrascht sein? warum entdeckt sie ausgerechnet bei einem körperlich beeinträchtigen ihre menschliche seite? ist das nicht eine vertane chance auf zumindest außerirdische gleichbehandlung? und wieso kann eine frau eigentlich nur femme fatale oder opfer sein, aber nichts dazwischen?
wenn auch ihr der heiteren diskussionsrunde beitreten wollt, her mit euren kommentaren! und vielen dank für die anregenden gespräche am mittagstisch!!

nachdenklich,
eure madita

ein morgen in palermo

als süßen start in den morgen wählte ich den wettbewerbsfilm "Via Castellana Bandiera" von emma dante & es war eine ausgezeichnete wahl! ein inhaltlich sehr ungewöhnlicher & filmsprachlich wunderschöner film. zu beginn sieht man samira, eine der protagonistinnen, hunde auf einem friedhof füttern, ein grab putzen und sich anschließend bäuchlings auf ebendieses grab ihrer tochter legen. kaum 5 min im kinosaal & schon musste ich weinen... eine wahnsinnig berührende & atmosphärische szene, die mich mittenrein bringt in diese story & nicht mehr loslässt. der "hauptfilm" schließlich erzählt, wie sich 2 frauen in einer engen gasse entgegenfahren & beide nicht bereit sind, das auto 5 meter zurückzusetzen, um die andere durchzulassen.
natürlich geht es nicht wirklich um die andere, nicht darum, wer im recht ist - vielmehr bringt der plot psychische projektion zum ausdruck: die verstorbene tochter, die schwierige beziehung, die eigenen abgründe lassen die frauen handeln als würde sich ihr kummer durch einen gewinn hier mildern. als die nacht kommt & die frauen in den autos schlafen, fragt man sich langsam, wie sich diese situation auflösen wird. sie tut es (achtung spoiler!) mit dem tod der alten, samira. es war also ihr letzter kampf - hat sie gewonnen? wie definiert sich sieg hier?
und dann die klammer, das ende, eine weitere wunderschöne szene: das auto mit der toten rollt über einen abgrund, die kamera folgt aber nicht, sondern filmt wie alle anwohner zu diesem abgrund laufen. mindestens 5 minuten sieht man die menschen in der kleinen gasse laufen & ebendiese szene ergreift mich genauso wie die erste am friedhof. das "zwischengeplänkel", also der gesamte film, war toll, gut, wirklich. aber meine begeisterung ernten anfang & ende - so schön, so festgefräst in meiner erinnerung. go there, folks!

ergriffen,
eure madita

sinemà

Wie geplant gönnte ich mir ein samstägliches Horrorfrühstück: LAS BRUJAS DE ZUGARRAMURDI/WITCHING & BITCHING von Álex de la Iglesia entpuppte sich als optimaler Opener für den ersten "richtigen" Festivaltag. Eine extrem lustige Genre-Komödie mit Pepp. Weiter auf den Inhalt des Films einzugehen erspare ich mir (und den geschätzten LeserInnen), hat Kollege Jonas Reis doch bereits einen sehr ausführlichen Beitrag darüber verfasst.
Als zweiter Programmpunkt stand für mich mit LES APACHES von Thierry de Peretti der, für mich erste Wettbewerbsfilm des Jahres auf der Liste. Aus einer klassischen Jugendblödheit entwickelt sich eine Katastrophe: Vor dem Hintergrund der speziellen Situation Korsikas beschreibt de Peretti die Banalität des Bösen. Machismus, selbstauferlegter mafiöser Druck gepaart mit krassen sozialen Gegensätzen und in alle Richtungen ausschlagender Xenophobie macht drei Jugendliche zu Mördern und Opfern gleichzeitig. Ein nicht unumstrittener doch sehr sehenswerter Film.
Leider fehlte mir im Anschluß die Energie für TIR, ich hoffe diese italienisch-ungarische Koproduktion am Dienstag nachholen zu können.
Zu meiner Schande muß ich gestehen, gestern bei der Nightline auf dem Freideck hängen geblieben zu sein, über die musikalischen Darbietungen der gestrigen Nacht kann ich daher leider nicht berichten. Doch ich werde versuchen dies heute gut zu machen.
In Vorfreude auf eine geballte Ladung Musikvideos sowie eine weitere Nightline - auch oben ;) - verabschiedet sich zwischendurch
Ihr
Dan Rocker

Witching and Bitching

Große Empfehlung für den "fantastischen" Film "Witching and Bitching" (Las Brujas de Zugarramurdi) des spanischen Regisseurs Alex de la Iglesia. Der "Horrorfilm" entpuppt sich bereits nach wenigen Sekunden als derbe Komödie, die Geschlechterrollen-Klischees in Mainstream-Filmen ordentlich durch den Kakao zieht. Ausnahmslos alle Männer in diesem Film sind "Lulus", feige Weicheier, die sich von Frauen eingeschüchtert fühlen, insbesondere von starken Frauen. Gleichzeitig sind praktisch alle Frauenrollen im Film selbstbewusst und dominant gezeichnet. Ein ernsthafter Beitrag zur "Gender"-Debatte ist der Film freilich nicht, aber er vertauscht und überspitzt die Rollenklischees derart drastisch, dass man schon ins Grübeln kommen kann ...

foto-hugo-silva-y-mario-casas-en-las-brujas-de-zugarramurdi

Freilich: den Frauen in diesem Film - es ist ja letztlich ein sehr surreales Werk - geht es nicht um irgendeine Form von "Gleichberechtigung" - nein. Sie wollen den ganzen Kuchen! Und Zugarramurdi ist die Metapher für diesen Willen. Die Stadt dieses Namens gibt es wirklich und ist für ihre Hexenverbrennungen in den Jahrhunderten der spanischen Inquisition berühmt und berüchtigt (zu den baskischen Hexenverbrennungen, siehe: Basque witch trials (en)).

Bei der großen, finalen Zusammenkunft der "Hexen" (man könnte es als Metapher für besonders radikale Feministinnen verstehen) wird die Gemeinschaft beschworen: "Gott ist eine Frau!" - als Ritual zur endgültigen Beseitigung des Patriarchats wird ein junger Knabe einer Riesin, die der Venus von Willendorf nachempfunden zu sein scheint, zum "Fraß" vorgeworfen. Doch eigentlich wird er nicht wirklich gefressen und verdaut - nein - er wird unversehrt (und umgehend) "wiedergeboren" - um als "trojanisches Pferd" das Patriarchat von innen zu zerstören.

las-brujas-de-zugarramurdi-foto-13

Ich möchte gar nicht viel mehr Worte zu diesem Film verlieren - der Schluss wirkte für viele auch etwas gekünstelt und unpassend zum vorhergehenden Filmverlauf. Wie man die Karikierung der Geschlechterrollen in dem Film interpretieren möchte, sei letztlich jedem und jeder selbst überlassen. Man könnte es sowohl als eine Art Abrechnung mit dem vermeintlich "starken" Geschlecht "Mann" verstehen, dessen wahrhaftigste Eigenschaft die selbstbemitleidende Weinerlichkeit ist. Man könnte aber freilich auch die Zeichnung der Frauenrollen in dem Film, die als einschüchternde Bestien - aber freilich nur, weil es "Hexen" sind (oder welche werden ;)) - gezeichnet werden, als Kritik am (radikalen) Feminismus verstehen. So oder so wird der Film letztlich zu keiner der beiden Theorien wirklich eindeutige Resultate liefern, das Ende wirkt doch etwas an den (vermeintlichen) Mainstream-Publikums-Geschmack angepasst. Aber eine Auseinandersetzung mit dem Film lohnt sich definitiv - schon allein, weil es unendlich lustig ist, der skurrilen Situationskomik zwischen weinerlichen Männern und lustvoll ihre Macht ausübenden "Hexen" zu folgen ...

die letzte Vorstellung des Film war leider bereits heute um 11 Uhr - aber vielleicht kommt der Film ja noch auf anderen Wegen in österreichische Kinos - zu wünschen wäre es ihm - und dem österreichischen Kinopublikum!

IN & OUT

geschätzte festivalgemeinde,

die eröffnung ist vorüber & entgegen meiner sonstigen gepflogenheiten hab ich tatsächlich 2 filme geschafft & bin nicht im klassentreffen-gefühl am OK platz hängengeblieben...

im völlig überfüllten movie 1 startete ich mit einer recht skurrilen scarlett johansson in jonathan glazer's "under the skin" - ich bin immer noch ein wenig unschlüssig diesbezüglich... in jedem fall ein recht ungewöhliches kinoerlebnis über eine männerfressende außerirdische, die single-männer in eine art fleischverdauungssee entführt...

in diesem recht indifferenzierten zustand der wechsel in den ursulinensaal zu "texta: in & out" von dieter (oder war es dietrich, dietmar, liebe österreichische journaille?) strauch: fabelhaft! der regisseur begleitete die band 1 jahr lang, in dieses fiel auch skeros ausstieg. interessante einblicke in ihre arbeitsweise, ihre charaktere, ihre sichtweise, ihre auftritte - wunderbar die spontanpolonaise bei einem konzert im mühlviertel. schwer zu sagen, wie der film wirkt, wenn man gar nichts über texta weiß, aber wenn diese band nicht spurlos an einem vorbeiging in den letzten 20 jahren, ist diese doku eine wahre bereicherung. unbezahlbar huckeys sermon über den amadeus award! loved it!

motiviert,
eure madita

Фильм

Üppig. Ja, wahrlich üppig das Angebot an Eröffnungsfilmen. 1,7- die Dokumentation über die Hamburger Punk-Heroen Slime spare ich mir für die Vorstellung am Sonntag in der KAPU auf, dort sah ich Slime erstmals, dort gehört auch der Film für mich hin. LAS BRUJAS DE ZUGARRMURDI eignet sich perfekt für ein samstägliches Horrorfrühstück. Nun blieb "nur" mehr die Wahl zwischen 4 Film-KanditatInnen, eröffnungstagstechnische Geselligkeitsgründe entschieden letzlich. L'ESCALE/STOP-OVER folgt am Mittwoch und für DOUBLE HAPPINESS gibt es am Dienstag noch eine Chance. Folglich blieben ein unter die Haut gehender Spielfilm, sowie eine beeindruckende Dokumentation über.
In UNDER THE SKIN ließ Jonathan Glazer eine ausserirdische Scarlett Johansson nach Menschlichkeit suchen und im Positiven wie im Negativen auch finden. Für mich ein Paradebeispiel für einen NACHTSICHT Film, seinen Platz imProgramm fand er jedoch bei PANORAMA FICTION. Obacht erschreckbare Gemüter!
Wesentlich leichter zu konsumieren Dieter Strauchs Dokumentarfilm TEXTA - IN AND OUT. Eine, nicht ganz unbekannte Hip Hop Band aus der noch immerr Stahlstadt Linz, gibt in sensiblen schwarz-weiss Aufnahmen tiefe Einblicke in ihr Innerstes. Produktionsprozesse werden genauso offen gelegt wie interne Spannungen oder private Lebenssituationen der Musiker.
Gespannt auf die kommenden Stunden in den Filmvorführräumen verbleibt
Ihr
Dan Rocker

Freitag, 25. April 2014

good evening & good luck!

meine lieben crossings!

vergraben in arbeit hab ich diesmal keinen plan, keine ahnung, keine favoriten, aber dafür eine gehörige portion lust auf mein alljährliches lieblingsfestival (und nein, niemand zwingt mich, das zu sagen...). der start heute wird begangen mit bier & einer männerfressenden außerirdischen "under the skin", um anschließend in die linzer musikszene - und meine 20er - einzutauchen mit "texta - in & out". und im anschluss schau ich mal, wie das so ist mit dem festivalstart an einem freitag...
alles andere in meinem traditionell verkaterten blog-eintrag morgen. freut euch mit mir, werte festivalgemeinde, vielversprechende tage about to come.....

freudig,
eure madita

movie!

Hallo und ein herzliches Willkommen beim xblog, sowie beim Festival! Ich freu mich bereits auf 5 1/2 Tage in 7 Kinosäälen, sowie auf erstmals (zumindest Samstag und Sonntag) 2 Nightlines. Um mich nicht zerreissen zu müssen, habe ich bereits vorgearbeitet und ein Review auf meinem Über-das-Jahr-Filmblog Cinema Inshallah (http://cinemainschallah.twoday.net/) veröffentlicht. Passenderweise für den Abschlussfilm KAFKA, KIFFER UND CHAOTEN von Kurt Palm. Viele schöne Stunden bei Crossing Europe bis dahin wünscht
Ihr
Dan Rocker

Donnerstag, 24. April 2014

... die langen Wellen - zwischen Diktatur und Revolution

Möchte gleich noch einen weiteren Filmtipp anbringen. Diesmal aus der Panorama Fiction-Sektion, in der mit dem Schweizer Lionel Baier ein Regisseur vertreten ist, dem 2009 in Linz bereits ein Tribute gewidmet war (weshalb ich damals schon näher auf Baiers Werdegang und bisheriges Werk eingegangen bin). Mit seinem Film Un autre homme, der sehr stark mit bildlichen Metaphern und (versteckten) Anspielungen arbeitet, hat er es 2009 in meine persönliche "Top 3" des Festivals geschafft. Dieses Jahr ist er erneut in Linz eingeladen, um sein jüngstes Werk zu präsentieren: die schweizerisch-französisch-portugiesische Koproduktion Les Grandes Ondes (à l'ouest) / Longwave. Darin geht es um ein Stück (hierzulande) wenig bekannter europäischer Geschichte: die "Nelkenrevolution" in Portugal im Jahr 1974. Eine äußerst amüsante Mediensatire, eingebettet in reale geschichtliche Ereignisse.

by lionel baier

Mal ehrlich: was wisst ihr über die portugiesische "Nelken-Revolution" von 1974? Manchen schimmert vielleicht die Erinnerung, dass Europa nach dem Zweiten Weltkrieg keineswegs direkt in die Europäische ("Friedens"-)Union übergegangen ist; Dass es in mehreren Ländern noch jahrzehntelang fortdauernde Diktaturen gab - und damit mein ich nicht den sogenannten "Ostblock" oder den Balkan - sondern Griechenland, Italien, Spanien - und auch Portugal (um nur ein paar Beispiele aus dem "demokratischen Westen" zu nennen, die auch gegenwärtig in der "Wirtschaftskrise" wieder bedenkliche Entwicklungen aufweisen, nicht zuletzt da die Aufarbeitung der Diktaturen in allen Ländern zu wünschen übrig lässt). Aber während uns die Namen "Mussolini" (Italien) oder "Franco" (Spanien) tendenziell doch eher geläufig sind: wer weiß schon, wie die griechischen oder portugiesischen Diktatoren, die bis in die 70er-Jahre hinein geherrscht haben, hießen?

(keine) Ähnlichkeiten zur Gegenwart?

Ein spannendes Thema also, nicht nur für jüngere Generationen - weist es doch auffällige Ähnlichkeuten zu gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Europa auf. Zum einen erleben wir in der Ukraine gerade die zweite Auflage der "orangenen Revolution", wo nach dem schweitern friedlicher Massenproteste paramilitärische Gruppen nahezu unverhohlen einen Stellvertreterkrieg zwischen EU & USA sowie Russland austragen, dass man meinen könnte, der Eiserne Vorhang sei nie gefallen und der Kalte Krieg dauert an ... wobei: vom Kommunismus redet man heute auf keiner der Seiten mehr ...

Zum anderen zerbröseln seit mehreren Jahren gerade die durch Diktaturen ohnehin stark vorgezeichneten Gesellschaften Griechenlands, Spaniens und Portugals, wo die Jugendarbeitslosigkeit teilweise schon die 60 %-Prozent-Marke überschritten hat, Massen-Delogierungen und gleichzeitige Rekord-Leerstände ([vormals] hochpreisiger) Immobilien an der Tagesordnung stehen und in letzter Konsequenz Armut und zunehmende Gewalt in allen Formen das (Zusammen)leben vergiften. Wir in Österreich sind vor solchen Entwicklungen natürlich gefeit - daher können wir uns es auch erlauben, in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit und Abwanderung der "einfachen" Industrie im Bildungs-Bereich zu sparen. Oder hab ich da etwas falsch verstanden?

by lionel baier

Jedenfalls erwarte ich mir vom fiktiven Ausflug eines TV-Dokumentar-Teams in die portugiesische Revolution von 1974 ein paar Einblicke in gar nicht so lange zurückliegende Massen-Aufstände "mitten" in Europa, in der heutigen EU. Darüber hinaus bezieht sich Regisseur Lionel Baier auch auf die immer wieder nur schwer zu beantwortende Frage der Trennung von "privatem" und "politischem" und verpackt dies in eine mindestens so komische wie komplexe Mediensatire - die freilich keinerlei Rückschlüsse auf den heutigen Medienzirkus zulässt, wo die Unterscheidbarkeit zwischen "zivilgesellschaftlicher Massenaufstand" und "terroristischer Vereinigung" scheinbar oft allein durch das Land, in dem die Ereignisse stattfinden, gegeben ist ...

xblog

NEXT Crossing Europe Filmfestival Linz // 23. - 28. April 2015

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