Große Empfehlung: Revanche
sodala ... habe grade Revanche von Götz Spielmann gesehen und nun bis zu Kenedy is getting married mal etwas Zeit :)
-------------- Playman or Playboy? ----------->
Habe soeben das "Austrian Screening" Revanche von Götz Spielmann gesehen und bin sehr beeindruckt. Etwas gewundert hat mich, dass der Movie-Saal 2 mit etwa 50 Leuten nur halb gefüllt war. Vielleicht lags an der frühen Tageszeit (11.30), vielleicht wirkte aber auch die Spieldauer von 2 Stunden abschreckend. Ich weiß es nicht - Fakt ist, dass mindestens 50 Leute ordentlich was versäumt haben. Denn während manch anderer Film schon nach 50 Minuten, oder mancher Experimentalfilm schon nach 50 Sekunden ;-), langweilig wird, hat Revanche mit 120 Minuten keine Sekunde vergeudet oder Langeweile gestiftet. Könnte man im Vorhinein noch dazu geneigt sein, den Film als klassisches österreichisches Hardcore-Drama abzustempeln (Die New York Times hat ja mal geschrieben, "Austria is the world capital fo feel bad cinema"), muss man sich mit diesem Film - zum Glück - eines besseren belehren lassen.
Zugegeben, ich kannte bisher noch keinen von Götz Spielmanns Filmen, und weiß daher auch nicht, ob er in diese Schiene der "Austro-Dramen" einzuordnen wäre - aber wie auch immer - mit diesem Film ist er sehr geschickt und ganz bewusst diesem Muster entkommen. Der Film ist viel optimistischer, als man zuerst (und gerade bei Kenntnis klassischer österreichischer Filmdramen) erwarten würde, und auch als der Film selbst anfangs vortäuscht. Denn obwohl sich immer wieder Handlungsstränge zuspitzen, sodass katastrophale Ereignisse vorprogrammiert scheinen, gibt der Film seinen Akteuren um so viel mehr Verstand (und vielleicht auch Glück, statt üblicherweise Unglück) dass eben jene Katastrophen gerade nicht eintreffen. Schon im Bordell hätte alles eskalieren können, auch im Zuge des Banküberfalls hätte noch viel mehr schief gehen können, und in der Folge erwartet man eine bittere "Revanche" - allerdings baut der Film ja gerade darauf auf, dass plumpe Handlungsstränge, wie man sie als "geübter" Zuschauer oft erwarten würde (zb. Gewalteskalation, unglückliche/ungeschickte/tollpatschige Zufälle mit schweren Folgen, etc...) geschickt umgangen werden. Das einzige wahre Unglück - und darum gehts ja in dem Film - ist die Flucht nach dem Bankraub, bei dem die Geliebte des Bankräubers (die Prostituierte) ums Leben kommt.
Der Film heißt "Revanche" - also man kann schon ahnen, was dem unglücklichen Bankräuber nun in den Sinn kommt, als er erfährt, dass der Polizist und seine Frau in unmittelbarer Nachbarschaft seinen Großvaters am Land (dem er beim Holzhacken hilft) wohnen. Doch wer nun meint, sich den weiteren Verlauf denken zu können, irrt sich wieder gewaltig. Ich will nicht zu viel verraten, aber es kommt ganz anders, als es der Zuseher - und scheinbar auch die Charaktere im Film - erwarten würden. Nicht nur der Zuseher wird immer wieder überrascht, auch die Hauptpersonen überraschen sich gegenseitig immer wieder mit ungeahnten Aussagen und Handlungen, was dem Film auch einen gewissen Witz gibt.
Der Film ist einfach vorbildlich zusammengestrickt worden, und vermeidet eigentlich alle Fehler, die mir bei so einem Film einfallen würden. Fehler, wie ich sie etwa bei Filmen Hans Weingartners (Die fetten Jahre sind vorbei, Free Rainer - wirklich gute Filme, aber mit teils schweren dramaturgischen und anderen Fehlern, die dem Zuseher einfach weh tun müssen) oder auch Michael Glawoggers (noch bessere Filme, aber auch noch nicht so gut, wie das Potenzial der Geschichten wäre) kenne, erwartet und sucht man bei Revanche vergeblich. Das macht den Film so schön und spannend bis zur letzten Minute. Der beste Film den ich bislang am Festival gesehen habe, und der beste österreichische Film seit....?
PS: der Film startet am 16. Mai in Österreich
-------------- Playman or Playboy? ----------->Habe soeben das "Austrian Screening" Revanche von Götz Spielmann gesehen und bin sehr beeindruckt. Etwas gewundert hat mich, dass der Movie-Saal 2 mit etwa 50 Leuten nur halb gefüllt war. Vielleicht lags an der frühen Tageszeit (11.30), vielleicht wirkte aber auch die Spieldauer von 2 Stunden abschreckend. Ich weiß es nicht - Fakt ist, dass mindestens 50 Leute ordentlich was versäumt haben. Denn während manch anderer Film schon nach 50 Minuten, oder mancher Experimentalfilm schon nach 50 Sekunden ;-), langweilig wird, hat Revanche mit 120 Minuten keine Sekunde vergeudet oder Langeweile gestiftet. Könnte man im Vorhinein noch dazu geneigt sein, den Film als klassisches österreichisches Hardcore-Drama abzustempeln (Die New York Times hat ja mal geschrieben, "Austria is the world capital fo feel bad cinema"), muss man sich mit diesem Film - zum Glück - eines besseren belehren lassen.
Zugegeben, ich kannte bisher noch keinen von Götz Spielmanns Filmen, und weiß daher auch nicht, ob er in diese Schiene der "Austro-Dramen" einzuordnen wäre - aber wie auch immer - mit diesem Film ist er sehr geschickt und ganz bewusst diesem Muster entkommen. Der Film ist viel optimistischer, als man zuerst (und gerade bei Kenntnis klassischer österreichischer Filmdramen) erwarten würde, und auch als der Film selbst anfangs vortäuscht. Denn obwohl sich immer wieder Handlungsstränge zuspitzen, sodass katastrophale Ereignisse vorprogrammiert scheinen, gibt der Film seinen Akteuren um so viel mehr Verstand (und vielleicht auch Glück, statt üblicherweise Unglück) dass eben jene Katastrophen gerade nicht eintreffen. Schon im Bordell hätte alles eskalieren können, auch im Zuge des Banküberfalls hätte noch viel mehr schief gehen können, und in der Folge erwartet man eine bittere "Revanche" - allerdings baut der Film ja gerade darauf auf, dass plumpe Handlungsstränge, wie man sie als "geübter" Zuschauer oft erwarten würde (zb. Gewalteskalation, unglückliche/ungeschickte/tollpatschige Zufälle mit schweren Folgen, etc...) geschickt umgangen werden. Das einzige wahre Unglück - und darum gehts ja in dem Film - ist die Flucht nach dem Bankraub, bei dem die Geliebte des Bankräubers (die Prostituierte) ums Leben kommt.
Der Film heißt "Revanche" - also man kann schon ahnen, was dem unglücklichen Bankräuber nun in den Sinn kommt, als er erfährt, dass der Polizist und seine Frau in unmittelbarer Nachbarschaft seinen Großvaters am Land (dem er beim Holzhacken hilft) wohnen. Doch wer nun meint, sich den weiteren Verlauf denken zu können, irrt sich wieder gewaltig. Ich will nicht zu viel verraten, aber es kommt ganz anders, als es der Zuseher - und scheinbar auch die Charaktere im Film - erwarten würden. Nicht nur der Zuseher wird immer wieder überrascht, auch die Hauptpersonen überraschen sich gegenseitig immer wieder mit ungeahnten Aussagen und Handlungen, was dem Film auch einen gewissen Witz gibt.
Der Film ist einfach vorbildlich zusammengestrickt worden, und vermeidet eigentlich alle Fehler, die mir bei so einem Film einfallen würden. Fehler, wie ich sie etwa bei Filmen Hans Weingartners (Die fetten Jahre sind vorbei, Free Rainer - wirklich gute Filme, aber mit teils schweren dramaturgischen und anderen Fehlern, die dem Zuseher einfach weh tun müssen) oder auch Michael Glawoggers (noch bessere Filme, aber auch noch nicht so gut, wie das Potenzial der Geschichten wäre) kenne, erwartet und sucht man bei Revanche vergeblich. Das macht den Film so schön und spannend bis zur letzten Minute. Der beste Film den ich bislang am Festival gesehen habe, und der beste österreichische Film seit....?
PS: der Film startet am 16. Mai in Österreich
Otto Normalcrosser - 25. Apr, 15:39


