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Donnerstag, 23. April 2009

Wir sind Superhelden!

Auch ich, Otto Normalcrosser, habe heute den Superhelden-Film (eine Doku und Teil der Arbeitswelten-Schiene) gesehen, jedoch Dan Rocker nicht erkannt oder getroffen :)

Wie bei bisher jedem Film, den ich gesehen habe, war der Saal (dieses Mal das Kapu-Obergeschoß) sehr gut gefüllt, wobei diesmal sogar noch ein paar Plätze frei gewesen wären. Ein neuer Besucherrekord scheint sich jedoch abzuzeichnen, und das nicht nur, weil das Festival heuer einen Tag länger dauert. Kann aber auch sein, dass ich einer Täuschung unterliege, da ich bisher womöglich vor allem jene Filme gesehen habe, die auch ein größeres Publikum ansprechen (Geschichte über Teenies und ihre Identitäts- und Liebesprobleme, noch dazu in der wilden Londoner Partyszene, kommen immer gut an (Unmade Beds), ebenso Nazi-Zombies in einem Teenie-Horror-Splatter im norwegischen Norden (Dead Snow; Movie 1 war gestern, obwohl zur späten Stunde (22.45 Uhr), komplett voll). Und auch oberösterreichisch-israelische Dokumentarfilme, vom noch dazu bei der Eröffnung vom Landeshauptmann ausgezeichneten Regisseur Micha Shagrir, verursachten einen lange vor der Vorstellung ausverkauften Saal. Ebenso war es beim Kurzfilmprogramm 3 (mit dem Dobuschido-Film) und bei Fantoche Reloaded (Best of des gleichnamigen Schweizer Animations- und Trickfilmfestivals), wo ich auf der Warteliste war, aber letztlich zugunsten längerem Ausschlafen auf eine Teilnahme an der Lotterie verzichtet habe.

Aber es gibt auch noch Filme, bei denen man problemlos Plätze kriegt. Les Grandes Personnes ist so einer. Eine französisch-schwedische Produktion über ein 16/17-jähriges Mädchen und ihren alleinerziehenden Vater, die Paris zugunsten eines Schweden-Urlaubs verlassen, dort in einem Ferienhaus auf zwei Mitt-Vierziger-Frauen, ebenfalls aus Frankreich, treffen, was etwas Wirbel in den sonst so aalglatten Tagesablauf der Kleinfamilie bringt. Ein durchaus amüsanter Film, der jedoch etwas mehr Nähe zu den Personen vermisst. Eine Nähe, wie sie Unmade Beds, der, wie ich in Gesprächen im Publikum gehört habe, nicht nur für mich zu den besten Filmen des Festivals zählt, auf wunderbare Weise hergestellt hat.

Superhelden

Und dann war da heute Abend natürlich noch Superhelden, eine absolut empfehlenswerte Dokumentation über eine Gruppe antikapitalistischer Mitt-Zwanziger, die Gourmet-Restourants und Feinkostläden stürmen, um Luxuslebensmittel an die Unterschicht zu verteilen. Diese Gruppe, die "Superhelden", gab es wirklich und sie trieb in Hamburg ihr Unwesen. In billigen, aber sympathischen "Spiderman" und "Super-Flex"-Kostümen sorgten sie für todernste Berichterstattung in Zeitungen, Radio und Fernsehen, die von ihnen als eine Art terroristische Organisation sprachen. Anhand einer jungen Mutter, die von etwa 800 Euro im Monat zwei Kinder ernähren muss, führt der Film durch eine politisierte Generation von Dauer-Praktikanten und arbeitlosen Akademikern, führt uns zum G8-Gipfel in Heiligendamm und zeigt uns Ausschnitte von Selbstorganisation und wie man den Frust auf eine Gesellschaft kanalisiert und abbaut, in der es für viele (trotz augezeichneten Uni-Abschlüssen) fast unmöglich ist, Fuß zu fassen, und ein finanziell abgesichertes Leben zu begründen.

Kritisieren könnte man an dem Film - wie meistens, wenn es um dieses Thema geht - dass er Widerstand, Demonstrationen und Blockadeaktionen inklusive Polizei-Krawallen, wie etwa am G8-Gipfel, mit mitreißender Musik unterlegt und dadurch eine sypmathisierende Haltung zu gewaltvollen Auseinandersetzungen fördert. Andererseits muss man sich bewusst sein - und das ermöglicht dieser Film durch authentische Dokumentation - dass es eine große Schicht durchaus motivierter, arbeitswilliger Jugendlicher, häufig Studenten mit abgeschlossenem Studium, gibt, die vom Arbeitsmarkt bloß als Praktikanten ausgebeutet und weitergereicht werden. An eine eigene Existenz, an die Gründung einer Familie, ist da unmöglich zu denken. Man will seiner Frustration Ausdruck verleihen - etwa an Demos von kapitalistischen Parade-Veranstaltungen wie etwa G8-Gipfeln. Hier will man den Mächtigen der Welt zeigen, wer die Menschen sind, die den Reichtum einer Wirtschafts- und Politikelite ermöglicht. Die Polizei, als deren "bewaffneter Arm" ist in diesem Fall der legitime Gegner für eine Auseinandersetzung, besonders, wenn die Aggression, wie am G8-Gipfel Heiligendamm bei einem Konzert und Kundgebung, von der Polizei ausgeht, die die Masse einzuengen versucht und Einzelne herauspickt und verhaftet.

Doch jeder kann sich selbst Gedanken zur gegenwärtigen Gesellschaft und den Herausforderungen, denen die Jugend beim Versuch, in den Arbeitsmarkt einzusteigen, gegenüber stehen machen. Der Film eignet sich bestens als Anregung zur Selbstreflexion über diese Themen.

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Crossing Europe Filmfestival Linz // 20. - 26. April 2009

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