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And the Winners Are...

You! Und wieder hat das Publikum einen Gewinner gewählt, der voll und ganz meinem Geschmack entspricht: Unmade Beds von Alexis Dos Santos.

Ich hab zwar nur drei der potentiellen 11 Audience Award-Gewinner-Filme gesehen, doch war Unmade Beds von Anfang an mein persönlicher Favorit. Der große Besucherandrang, der für einen komplett vollen Saal 1 im Moviemento gesorgt hat, das Geschwärme und Weiterempfehlen des Films, dass ich dann und wann bei einer Kinokasse oder vor und nach anderen Filmvorstellungen gehört habe, hat diesen Eindruck verstärkt. Umso geringer war dann auch meine Überraschung bei der Verkündung dieses Preisträgers, und umso größer meine Freude. Leider war der Regisseur persönlich nicht anwesend. Doch der liebe Kollege Neil Young hat auf der Bühne eine SMS des Regisseurs vorgelesen. Auf jeden Fall authentischer und sympathischer als eine voraufgezeichnete Video-Botschaft.

Durch die Preisverleihung führte übrigens Hosea Ratschiller, der als Hugh Jackman des kleinen Mannes etwas Oscar-Glamour nach Linz zu bringen suchte und mit allerlei Konfetti, gekonnt schlechtem englisch, spontanen Schauspieleinlagen (etwa als President of the World, der auf den Zehen wippend und oberösterreichischer Sprachfärbung (erinnert uns das an wen? ;-)) "I like culture" verkündet), und echten und falschen Versprechern und Fehlankündigungen (Tom Hanks in der Jury?) brillierte.

Hosea Ratschiller, Preisverleihung
Oscar-Glamour durch Konfetti-Kanonen

Auch Dropping Furniture, ein Kurzfilm über ein zuerst leeres Wohnzimmer, in das dann nach und nach die gesamte Einrichtung, inklusive Fernseher, Couch-Garnitur, Esstisch, Aquarium und Topfpflanze in Zeitlupe von oben herab stürzt, wurde mit einem Local Artist Award geehrt. Ein Film, auf den mich meine Freundin in der Video Library aufmerksam gemacht hab, nachdem sie dort ein bisschen gestöbert hat. Heute sah ich den Film auch noch im Kurzfilmprogramm 1, in welchem der Film sicher noch zu den angenehmsten, ansehbarsten und unterhaltsamsten Werken gehört. Ansonsten ist das Kurzfilmprogramm 1 meiner Ansicht nach eher anstrengend und nervig, als dass es kreative Welten oder Ideenreichtum präsentieren würde. Einige dieser Experimentalfilme scheinen echt nichts anderes als Tests zu sein, wie viel Leistung man durch das Verzerren und animieren von geometrischen (oder ungeometrischen) Formen, Farben und Bilder aus dem PC herausholen kann. Didi Bruckmayr überraschte das Publikum bei der anschließenden Publikumsgesprächsrunde mit der Erklärung, dass seine 3D-Formen (und Blasen-)-Animation (Trendfollower) eine Kritik an einem Wirtschaftsprognose-Programm sei, dass von Hedge-Funds eingesetzt wird und für die aktuelle Weltwirtschaftskrise mitverantwortlich ist. Überraschend war dies daher, da bestenfalls Insider im Publikum anhand des Titels auf diese Idee hätten kommen können. Der Inhalt hingegen muss schon sehr zielstrebig interpretiert werden, um auf diese Idee zu kommen. Bruckmayr muss man allerdings zugute halten, dass ihm dieses "Manko" sehr bewusst ist, und er Kritik daran "gerne" zur Kenntnis nimmt.

Dropping Furniture, von www.haraldhund.com
Über den Kulissen von Dropping Furniture

Auch Fruhauf, auf diesem Festival wohl durch einige Attwenger-Musikvideos bekannt, forderte das Publikum mit seinem Kurzfilm "Ground Control" heraus. Nicht zuletzt deshalb, da darin ein Fernsehrauschen zu sehen und zu hören ist, das mit Ameisen, diversen Bildern und Animationen (optisch durchaus ansprechend) teils mit wilden und lautstarken Effekten überlagert ist und Fruhauf darauf besteht, den Film extra laut vorzuführen. Die Message des Werkes ist jedoch schon etwas leichter nachzuvollziehen als bei der "Blasen-Animation" als Sinnbild für ein Hedgefond-Wirtschaftssimulations-Programm. "Ground Control" stehe demnach für Kontrolle und Kontrollverlust. Dafür finden sich im Film durchaus auch einige interpretierbare Anhaltspunkte.

Ich kann nicht auf jeden Kurzfilm so ausführlich eingehen, aber mit Claus Helfenschneiders Lineament, eine sehr schöne Animation aus sich zu Justice - Phantom transformierenden Linien samt aus Linien gebauter Hauptfigur, sowie Karin Fisslthalers Imaging Machine, wo sich aus Spielfilmen herausgeschnittene Hände - alles andere ist schwarz - in verschiedenen Handlungen zeigen und dem Zuseher unsichtbare Formen vorzeichnen, finden sich auch sehr ansprechende, anregende Filmübungen im Programm.

Ansonsten finden sich noch Valie Exports Stimmbänder in einer Art poetischem Experimantalfilm im Programm, was manchem sicher schon etwas zu schräg ist, oder Ivan Petkovs Zeichentrickfilm Hormonic Harmonic, eine Art Hinter-die-Kulissen-schauen, ein bewusst halbfertiger Trickfilm, der dafür die dahinterstehenden Produktionsschritte erahnen oder direkt erkennen lässt - sehr interessant!

Morgen gibts zum Abschluss noch ein Local Artist Programm 2 für mich - freue mich auf ein paar neue Musikvideos und einen der Local-Artists-Preisträgerfilme, Romeo und Julia von der Hauptschule Steinerkirchen.

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Crossing Europe Filmfestival Linz // 20. - 26. April 2009

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